Studie · Tierstudie
Ipamorelin, a new growth-hormone-releasing peptide, induces longitudinal bone growth in rats
Nur Tiermodell — nicht auf den Menschen übertragbar
Zusammenfassung
Untersucht wurde, ob das synthetische Pentapeptid Ipamorelin – ein selektiver Wachstumshormon-Sekretagoge (Ghrelin-Rezeptor-Agonist) – bei erwachsenen Ratten das Längenwachstum der Knochen steigert. Erwachsene weibliche Ratten erhielten über 15 Tage subkutan 0, 18, 90 oder 450 Mikrogramm Ipamorelin pro Tag, aufgeteilt auf drei Einzelgaben. Primärer Endpunkt war die longitudinale Knochenwachstumsrate (LGR), bestimmt über Tetracyclin-Markierung; weitere Endpunkte waren Körpergewichtszunahme, Gesamt-IGF-I, IGF-Bindungsproteine, Marker des Knochenstoffwechsels sowie die hypophysäre Ansprechbarkeit auf Ipamorelin und GHRH.
Ipamorelin steigerte die Knochenwachstumsrate dosisabhängig von 42 Mikrometer/Tag in der Vehikelgruppe auf 44, 50 bzw. 52 Mikrometer/Tag. Auch die Körpergewichtszunahme nahm ausgeprägt dosisabhängig zu. Bemerkenswert ist, dass die als klassische GH-Wirkmarker geltenden Parameter unverändert blieben: Gesamt-IGF-I, die IGF-Bindungsproteine und die Serummarker des Knochenumbaus zeigten keine Veränderung gegenüber der Kontrolle. Die GH-Antwort der Hypophyse auf eine erneute Ipamorelin-Gabe war am Studienende leicht abgeschwächt (beginnende Desensitisierung), während die Antwort auf GHRH unverändert blieb.
Die Autoren schließen, dass Ipamorelin bei der Ratte wachstumsfördernd wirkt, betonen aber ausdrücklich, dass ein möglicher Stellenwert von Ipamorelin oder anderen GH-Sekretagogen bei Kindern mit Wachstumsstörung erst in künftigen klinischen Studien gezeigt werden müsse.
Kernergebnisse
Reine Tierstudie an erwachsenen weiblichen Ratten mit kurzer Behandlungsdauer von nur 15 Tagen; Ratten haben im Gegensatz zum Menschen zeitlebens offene Wachstumsfugen, weshalb der Endpunkt Längenwachstum auf Erwachsene nicht übertragbar ist. Die verwendeten Dosen liegen pro Körpergewicht deutlich über den beim Menschen üblichen Mengen. Dass IGF-I, IGF-Bindungsproteine und Knochenumbaumarker unverändert blieben, lässt den zugrundeliegenden Mechanismus offen und relativiert die Aussage einer klassischen GH/IGF-I-Achsen-Aktivierung. Endpunkte wie Muskelmasse, Körperzusammensetzung, Schlaf, Regeneration oder Sicherheit über längere Zeit wurden nicht untersucht. Ipamorelin wurde von Novo Nordisk entwickelt und mehrere Autoren sind diesem Umfeld zuzuordnen, ein Interessenkonflikt ist daher wahrscheinlich.
Die Studie belegt lediglich, dass Ipamorelin bei Ratten über 15 Tage GH-vermittelt wirksam ist und Wachstum sowie Gewicht steigert – sie sagt nichts über Nutzen bei erwachsenen Menschen aus, und ausgerechnet der beim Menschen als Wirksamkeitsmarker genutzte IGF-I-Wert blieb unverändert. Der beobachtete Hinweis auf eine abgeschwächte GH-Antwort nach zwei Wochen Dauergabe ist für jeden relevant, der eine längerfristige Anwendung von CJC-1295 + Ipamorelin erwägt.