Übersicht/CJC-1295 (ohne DAC) + Ipamorelin/Studie

Studie · Tierstudie

Ipamorelin, ein neues Wachstumshormon-freisetzendes Peptid, induziert Längenwachstum der Knochen bei Ratten

Ipamorelin, a new growth-hormone-releasing peptide, induces longitudinal bone growth in rats

Tierstudie

Nur Tiermodell — nicht auf den Menschen übertragbar

Autoren
Johansen PB, Nowak J, Skjaerbaek C, Flyvbjerg A, Andreassen TT, Wilken M, Orskov H
Jahr
1999
Journal
Growth Horm IGF Res
Modell / Stichprobe
Erwachsene weibliche Ratten (Gruppen mit unterschiedlichen Dosierungen plus Vehikel-Kontrolle); Messung der Längenwachstumsrate am Knochen mittels Tetracyclin-Markierung
Dosis im Versuch
0, 18, 90 und 450 Mikrogramm/Tag Ipamorelin, subkutan, dreimal täglich verabreicht über 15 Tage
Quelle
PMID 10373343 ↗  ·  DOI ↗

Zusammenfassung

Untersucht wurde, ob das synthetische Pentapeptid Ipamorelin – ein selektiver Wachstumshormon-Sekretagoge (Ghrelin-Rezeptor-Agonist) – bei erwachsenen Ratten das Längenwachstum der Knochen steigert. Erwachsene weibliche Ratten erhielten über 15 Tage subkutan 0, 18, 90 oder 450 Mikrogramm Ipamorelin pro Tag, aufgeteilt auf drei Einzelgaben. Primärer Endpunkt war die longitudinale Knochenwachstumsrate (LGR), bestimmt über Tetracyclin-Markierung; weitere Endpunkte waren Körpergewichtszunahme, Gesamt-IGF-I, IGF-Bindungsproteine, Marker des Knochenstoffwechsels sowie die hypophysäre Ansprechbarkeit auf Ipamorelin und GHRH.

Ipamorelin steigerte die Knochenwachstumsrate dosisabhängig von 42 Mikrometer/Tag in der Vehikelgruppe auf 44, 50 bzw. 52 Mikrometer/Tag. Auch die Körpergewichtszunahme nahm ausgeprägt dosisabhängig zu. Bemerkenswert ist, dass die als klassische GH-Wirkmarker geltenden Parameter unverändert blieben: Gesamt-IGF-I, die IGF-Bindungsproteine und die Serummarker des Knochenumbaus zeigten keine Veränderung gegenüber der Kontrolle. Die GH-Antwort der Hypophyse auf eine erneute Ipamorelin-Gabe war am Studienende leicht abgeschwächt (beginnende Desensitisierung), während die Antwort auf GHRH unverändert blieb.

Die Autoren schließen, dass Ipamorelin bei der Ratte wachstumsfördernd wirkt, betonen aber ausdrücklich, dass ein möglicher Stellenwert von Ipamorelin oder anderen GH-Sekretagogen bei Kindern mit Wachstumsstörung erst in künftigen klinischen Studien gezeigt werden müsse.

Kernergebnisse

  1. Dosisabhängige Steigerung der longitudinalen Knochenwachstumsrate von 42 Mikrometer/Tag (Vehikel) auf 44 (18 mcg/Tag), 50 (90 mcg/Tag) und 52 Mikrometer/Tag (450 mcg/Tag).
  2. Ausgeprägte dosisabhängige Zunahme des Körpergewichts unter Ipamorelin.
  3. Nullbefund: keine Veränderung von Gesamt-IGF-I und der IGF-Bindungsproteine trotz Wachstumseffekt.
  4. Nullbefund: keine Veränderung der Serum-Marker des Knochenumbaus.
  5. Leicht reduzierte GH-Antwort der Hypophyse auf erneute Ipamorelin-Gabe nach 15 Tagen, während die GHRH-Antwort unverändert blieb – Hinweis auf beginnende rezeptorspezifische Desensitisierung.
Limitationen

Reine Tierstudie an erwachsenen weiblichen Ratten mit kurzer Behandlungsdauer von nur 15 Tagen; Ratten haben im Gegensatz zum Menschen zeitlebens offene Wachstumsfugen, weshalb der Endpunkt Längenwachstum auf Erwachsene nicht übertragbar ist. Die verwendeten Dosen liegen pro Körpergewicht deutlich über den beim Menschen üblichen Mengen. Dass IGF-I, IGF-Bindungsproteine und Knochenumbaumarker unverändert blieben, lässt den zugrundeliegenden Mechanismus offen und relativiert die Aussage einer klassischen GH/IGF-I-Achsen-Aktivierung. Endpunkte wie Muskelmasse, Körperzusammensetzung, Schlaf, Regeneration oder Sicherheit über längere Zeit wurden nicht untersucht. Ipamorelin wurde von Novo Nordisk entwickelt und mehrere Autoren sind diesem Umfeld zuzuordnen, ein Interessenkonflikt ist daher wahrscheinlich.

Was heißt das praktisch

Die Studie belegt lediglich, dass Ipamorelin bei Ratten über 15 Tage GH-vermittelt wirksam ist und Wachstum sowie Gewicht steigert – sie sagt nichts über Nutzen bei erwachsenen Menschen aus, und ausgerechnet der beim Menschen als Wirksamkeitsmarker genutzte IGF-I-Wert blieb unverändert. Der beobachtete Hinweis auf eine abgeschwächte GH-Antwort nach zwei Wochen Dauergabe ist für jeden relevant, der eine längerfristige Anwendung von CJC-1295 + Ipamorelin erwägt.