Studie · In-vitro
Antimicrobial effects of alpha-MSH peptides
Nur Zellkultur — weit vom Menschen entfernt
Zusammenfassung
Untersucht wurde, ob alpha-Melanozyten-stimulierendes Hormon (alpha-MSH) und sein C-terminales Tripeptid KPV neben ihren bekannten entzündungshemmenden Effekten auch eine direkte antimikrobielle Wirkung besitzen. Dazu wurden Kulturen von Staphylococcus aureus und Candida albicans mit den Peptiden inkubiert und Koloniebildung, Hefezellviabilität sowie Keimschlauchbildung gemessen. Zusätzlich wurde geprüft, ob die Peptide die Abtötungsleistung menschlicher Neutrophiler beeinträchtigen.
Beide Peptide hemmten die Koloniebildung von S. aureus signifikant und wirkten dem koloniefördernden Effekt von Urokinase entgegen. Bei C. albicans wurden Viabilität und Keimschlauchbildung reduziert. Die Wirkung trat über einen breiten Konzentrationsbereich bis hinunter in den physiologischen picomolaren Bereich auf. Als Mechanismus identifizierten die Autoren einen Anstieg des zellulären cAMP im Mikroorganismus: der Adenylatzyklase-Hemmer Didesoxyadenosin hob den Abtötungseffekt teilweise auf.
Entgegen der Erwartung, dass ein entzündungshemmendes Peptid die Immunabwehr schwächen könnte, verminderte alpha-MSH die Abtötung durch menschliche Neutrophile nicht, sondern verstärkte sie durch die eigene direkte antimikrobielle Aktivität. Die Autoren folgern, dass die Kombination aus antipyretischen, antiinflammatorischen und antimikrobiellen Eigenschaften bei Zuständen mit gleichzeitiger Infektion und Entzündung nützlich sein könnte. Es handelt sich ausschließlich um Zellkultur- und Mikrobiologiedaten ohne klinische Endpunkte.
Kernergebnisse
Reine In-vitro-Studie aus dem Jahr 2000 an zwei Erregern im Kulturmedium. Es gibt keine Tier- oder Humandaten, keine Pharmakokinetik, keine Angaben zur Stabilität oder Bioverfügbarkeit von KPV im Organismus und keine klinischen Endpunkte wie Infektionsheilung. Ergebnisse aus Kulturmedium lassen sich nicht auf eine Infektion im Körper übertragen, wo Proteasen, Serumbindung und Immunsystem die Peptidwirkung stark verändern können. Effektgrößen sind im Abstract nur qualitativ beschrieben; die Zahl der Replikate und die Präzision der Schätzungen sind daraus nicht beurteilbar. Die Arbeitsgruppe um Catania und Lipton hat langjährig Patente und Interessen im Bereich Melanocortin-Peptide, was bei der Interpretation zu berücksichtigen ist.
Die Studie ist ein frühes Grundlagenargument dafür, dass KPV nicht nur entzündungshemmend, sondern in der Kulturschale auch direkt antibakteriell und antimykotisch wirkt und dabei die Neutrophilenfunktion nicht unterdrückt. Für die Anwendung am Menschen lässt sich daraus jedoch weder eine Wirksamkeit noch eine Dosis ableiten, da jede Übertragung auf orale oder topische Anwendung ungeprüft bleibt.