Studie · Tierstudie
The GH secretagogues ipamorelin and GH-releasing peptide-6 increase bone mineral content in adult female rats
Nur Tiermodell — nicht auf den Menschen übertragbar
Zusammenfassung
Untersucht wurde, ob die Wachstumshormon-Sekretagoga Ipamorelin und GHRP-6 den Knochenmineralgehalt (BMC) bei jungen erwachsenen weiblichen Ratten steigern. Über 12 Wochen erhielten die Tiere die Substanzen kontinuierlich subkutan per osmotischer Minipumpe; Wachstumshormon diente als aktive Vergleichssubstanz, eine Vehikelgruppe als Kontrolle. In vivo wurde alle 4 Wochen per DXA gemessen, nach Tötung der Tiere folgten pQCT-Scans der Femurdiaphyse, Volumenbestimmung nach dem archimedischen Prinzip sowie Aschegewichtsbestimmungen von Femur und Wirbelkörper L6.
Alle drei Behandlungen erhöhten Körpergewicht sowie den gesamten tibialen und vertebralen BMC gegenüber der Kontrolle. Entscheidend ist jedoch die Differenzierung: Der auf das Körpergewicht bezogene Gesamt-BMC war unverändert. Die tibiale Flächen-BMD stieg, während Gesamt- und vertebrale Flächen-BMD unverändert blieben. Die pQCT-Messung zeigte, dass der Zuwachs an kortikalem BMC auf eine größere Knochenquerschnittsfläche zurückging, die volumetrische kortikale BMD blieb gleich. Auch Femur- und L6-Volumen nahmen zu, ohne Veränderung der volumetrischen BMD. Das Aschegewicht stieg, die Mineralkonzentration blieb konstant.
Die Autoren schließen daraus, dass Ipamorelin und GHRP-6 den Knochenmineralgehalt erhöhen, dies aber durch vermehrtes Knochenwachstum und größere Knochendimensionen und nicht durch eine dichtere Mineralisierung. Die eigentliche Knochenqualität im Sinne der volumetrischen Dichte wurde nicht verbessert.
Kernergebnisse
Tierstudie mit sehr kleinen Gruppen (n=7-8) an jungen, noch wachsenden weiblichen Ratten - Ratten schließen ihre Wachstumsfugen nie vollständig, weshalb Knochenwachstumseffekte nicht auf den erwachsenen Menschen übertragbar sind. Untersucht wurde Ipamorelin allein, nicht die Kombination mit CJC-1295, und die kontinuierliche Gabe per Minipumpe unterscheidet sich pharmakokinetisch deutlich von den bei Menschen üblichen pulsatilen Injektionen. Es wurden keine funktionellen Endpunkte wie Knochenbruchfestigkeit erhoben, und Frakturrisiko oder klinischer Nutzen lassen sich daraus nicht ableiten. Ipamorelin wurde bei Novo Nordisk entwickelt; mehrere Koautoren (Romer, Ahnfelt-Ronne) sind der Firmenforschung zuzuordnen, ein Interessenkonflikt ist damit anzunehmen.
Die Studie stützt die häufig zu lesende Behauptung, Ipamorelin verbessere die Knochendichte, gerade nicht: Der Knochenmineralgehalt stieg proportional zum Körper- und Knochenwachstum, die volumetrische Knochendichte blieb unverändert. Wer CJC-1295 + Ipamorelin wegen erhoffter Knochenwirkungen erwägt, sollte wissen, dass es sich um eine 25 Jahre alte Rattenstudie mit sieben Tieren pro Gruppe handelt, die keine Aussage über Knochenqualität beim erwachsenen Menschen erlaubt.