Übersicht/CJC-1295 (ohne DAC) + Ipamorelin/Studie

Studie · Tierstudie

Wachstumshormon-unabhängige Steigerung der Fettmasse durch GH-Sekretagoga

Growth hormone (GH)-independent stimulation of adiposity by GH secretagogues

Tierstudie

Nur Tiermodell — nicht auf den Menschen übertragbar

Autoren
Lall S, Tung LY, Ohlsson C, Jansson JO, Dickson SL
Jahr
2001
Journal
Biochemical and Biophysical Research Communications 280(1):132-138
Modell / Stichprobe
Mäuse dreier Genotypen: GH-defiziente lit/lit-Mäuse sowie GH-intakte +/lit- und +/+-Mäuse (Little-Mausmodell); Vergleich von GH- und GHS-Behandlung
Dosis im Versuch
Ipamorelin (in einem Teilversuch auch GHRP-6) bzw. Wachstumshormon, jeweils zweimal täglich subkutan über 2 Wochen, in einem Versuchsarm verlängert auf 9 Wochen. Die exakten mg/kg-Dosen sind dem Abstract nicht zu entnehmen.
Quelle
PMID 11162489 ↗  ·  DOI ↗

Zusammenfassung

Die Arbeit untersuchte, ob GH-Sekretagoga (GHS) die Körperfettmasse auch dann erhöhen, wenn kein funktionierender Wachstumshormon-Signalweg vorliegt. Dazu wurden GH-defiziente lit/lit-Mäuse sowie GH-intakte +/lit- und +/+-Mäuse zweimal täglich subkutan entweder mit Wachstumshormon oder mit dem selektiven GHS Ipamorelin behandelt. Endpunkte waren Körpergewicht, Gewicht einzelner Fettdepots, relative Körperfettmasse mittels In-vivo-DEXA, Serum-Leptin und Futteraufnahme.

Ipamorelin führte sowohl bei GH-defizienten lit/lit- als auch bei GH-intakten +/lit-Mäusen innerhalb von zwei Wochen zu einer Gewichtszunahme von rund 15 Prozent, die sich bis Woche 9 nicht weiter steigerte. Zugleich stiegen die auf das Körpergewicht bezogenen Fettdepotgewichte in beiden Genotypen an; die DEXA-Messung bestätigte bei GH-intakten Tieren nach zwei Wochen GHS-Gabe (Ipamorelin oder GHRP-6) einen Anstieg des relativen Körperfettanteils. Der Effekt trat also unabhängig vom GH-Status auf.

Bei GH-intakten Mäusen erhöhte die GHS-Behandlung, nicht aber die GH-Behandlung, Serum-Leptin und Futteraufnahme. Die Autoren schließen daraus, dass GH-Sekretagoga die Fettmasse über einen GH-unabhängigen Mechanismus steigern, der wahrscheinlich über eine gesteigerte Nahrungsaufnahme vermittelt wird. Damit unterscheidet sich das Wirkprofil von GHS deutlich von dem des Wachstumshormons selbst, das typischerweise lipolytisch wirkt.

Kernergebnisse

  1. Ipamorelin steigerte das Körpergewicht bei lit/lit- und +/lit-Mäusen um etwa 15 Prozent innerhalb von 2 Wochen; keine weitere Zunahme bis Woche 9.
  2. Die relativen Fettdepotgewichte stiegen unter Ipamorelin sowohl bei GH-defizienten lit/lit- als auch bei GH-intakten +/lit-Mäusen an.
  3. DEXA zeigte nach 2 Wochen GHS-Gabe (Ipamorelin oder GHRP-6) einen erhöhten relativen Körperfettanteil bei GH-intakten Mäusen.
  4. GHS, nicht aber GH, erhöhte bei GH-intakten Mäusen Serum-Leptin und Futteraufnahme.
  5. Der fettsteigernde Effekt der GHS war unabhängig vom GH-Signalweg und daher nicht über GH-Freisetzung erklärbar.
Limitationen

Reine Mausstudie im Little-Modell mit kurzer Behandlungsdauer (2 bzw. 9 Wochen) und ohne Angabe konkreter Dosierungen im Abstract; die Gruppengrössen sind dem Abstract nicht zu entnehmen. Nagermodelle mit genetisch bedingtem GH-Mangel bilden die Situation gesunder Erwachsener nicht ab, und der Effekt auf die Nahrungsaufnahme kann speziesabhängig sein. Ein Mechanismusnachweis (z. B. Pair-Feeding-Kontrolle) fehlt im Abstract, sodass die kausale Rolle der Hyperphagie nur nahegelegt, nicht belegt ist. Angaben zu Sponsoring oder Interessenkonflikten sind aus dem Abstract nicht ersichtlich; Ipamorelin wurde ursprünglich industriell (Novo Nordisk) entwickelt.

Was heißt das praktisch

Die Studie zeigt, dass ein GH-Sekretagogum wie Ipamorelin im Tiermodell die Fettmasse erhöhen kann, und zwar über gesteigerten Appetit und unabhängig von der GH-Wirkung. Wer CJC-1295 + Ipamorelin mit dem Ziel Fettabbau erwägt, sollte einkalkulieren, dass die ghrelin-artige Komponente Hunger und Fetteinlagerung fördern und den erhofften Effekt konterkarieren kann.