Übersicht/Semax/Studie

Studie · Humanstudie

Wirksamkeit von Semax in der Akutphase des hemisphärischen ischämischen Schlaganfalls (eine klinische und elektrophysiologische Studie)

[Effectiveness of semax in acute period of hemispheric ischemic stroke (a clinical and electrophysiological study)]

Humanstudie

Am Menschen, aber ohne RCT-Design

Autoren
Gusev EI, Skvortsova VI, Miasoedov NF, Nezavibat'ko VN, Zhuravleva EIu, Vanichkin AV
Jahr
1997
Journal
Zh Nevrol Psikhiatr Im S S Korsakova 97(6):26-34 (russisch)
Modell / Stichprobe
n=30 Patienten in der Akutphase eines hemisphärischen ischämischen Schlaganfalls (Semax-Gruppe) gegenüber n=80 Kontrollpatienten mit nach Schweregrad und Lokalisation vergleichbaren Schlaganfällen unter konventioneller Therapie
Dosis im Versuch
Semax (synthetisches ACTH-(4-10)-Derivat) zusätzlich zur intensivmedizinischen Standardtherapie; als wirksamste Tagesdosen wurden 12 mg/Tag bei mittelschwerem und 18 mg/Tag bei schwerem Schlaganfall angegeben, Behandlungsdauer 5 bzw. 10 Tage. Der Applikationsweg wird im Abstract nicht genannt (Semax wird in der russischen Praxis intranasal appliziert).
Quelle
PMID 11517472 ↗

Zusammenfassung

Untersucht wurde, ob die Zugabe des Peptids Semax zur konventionellen Intensivtherapie den Verlauf in der Akutphase eines hemisphärischen ischämischen Schlaganfalls beeinflusst. 30 Patienten erhielten Semax zusätzlich zur Standardbehandlung, 80 Patienten mit hinsichtlich Schweregrad und Läsionslokalisation vergleichbaren Schlaganfällen dienten als Kontrollgruppe mit konventioneller Therapie allein.

Erfasst wurden der klinische Zustand und das neurologische Defizit über verschiedene klinische Rating-Skalen sowie die funktionelle Hirnaktivität über EEG-Monitoring mit Mapping und wiederholte Ableitungen somatosensorisch evozierter Potenziale einschließlich deren Mapping.

Die Autoren berichten, dass Semax die Rückbildungsgeschwindigkeit der gestörten neurologischen Funktionen beeinflusste, mit stärkerem Rückgang allgemeiner zerebraler und fokaler Symptome, insbesondere motorischer Störungen. Die Formulierung im Abstract ist zurückhaltend ("had some influence"); konkrete Effektgrößen, Signifikanzniveaus oder Konfidenzintervalle werden im Abstract nicht angegeben. Als wirksamste Dosierung wurden 12 mg/Tag über 5 Tage bei mittelschwerem und 18 mg/Tag über 10 Tage bei schwerem Schlaganfall bestimmt.

Kernergebnisse

  1. 30 Patienten mit akutem hemisphärischem ischämischem Schlaganfall erhielten Semax zusätzlich zur Standardtherapie, verglichen mit 80 konventionell behandelten Kontrollpatienten.
  2. Semax beeinflusste laut Autoren die Geschwindigkeit der Rückbildung des neurologischen Defizits, vor allem allgemeiner zerebraler und fokaler, insbesondere motorischer Störungen.
  3. Als wirksamste Tagesdosen wurden 12 mg (mittelschwerer Schlaganfall, 5 Tage) und 18 mg (schwerer Schlaganfall, 10 Tage) ermittelt.
  4. Die Verlaufskontrolle umfasste EEG-Monitoring mit Mapping sowie wiederholte somatosensorisch evozierte Potenziale mit Mapping.
  5. Im Abstract werden keine quantitativen Effektgrößen, p-Werte oder Konfidenzintervalle berichtet.
Limitationen

Kleine Semax-Gruppe (n=30) bei deutlich größerer, nicht randomisiert erscheinender Kontrollgruppe (n=80); aus dem Abstract geht weder Randomisierung noch Verblindung oder Placebokontrolle hervor, sodass Selektions- und Beobachtereffekte nicht ausgeschlossen sind. Es fehlen quantitative Ergebnisdaten und statistische Kennwerte; die Aussage bleibt qualitativ ("gewisser Einfluss"). Die Publikation ist russischsprachig von 1997, nur das Abstract ist international zugänglich, eine unabhängige Prüfung der Rohdaten ist nicht möglich. Mehrere Autoren stammen aus dem Umfeld der Entwickler von Semax (Institut für Molekulargenetik, Moskau), was einen Interessenkonflikt nahelegt; unabhängige Replikationen ausserhalb Russlands fehlen weitgehend.

Was heißt das praktisch

Die Studie betrifft eine akute neurologische Notfallsituation im Krankenhaus mit hohen Dosierungen über wenige Tage und lässt sich nicht auf eine gesunde Selbstanwendung von Semax übertragen. Die methodische Qualität (keine erkennbare Randomisierung oder Verblindung, keine Zahlenangaben, Nähe der Autoren zum Entwickler) ist zu schwach, um daraus einen belastbaren Wirksamkeitsnachweis abzuleiten.