Studie · Humanstudie (RCT)
Neuroprotective effect of reduced glutathione on oxaliplatin-based chemotherapy in advanced colorectal cancer: a randomized, double-blind, placebo-controlled trial
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Zusammenfassung
Untersucht wurde, ob intravenös verabreichtes reduziertes Glutathion die durch Oxaliplatin ausgelöste periphere Neuropathie verhindern kann. 52 Patientinnen und Patienten mit fortgeschrittenem kolorektalem Karzinom erhielten randomisiert, doppelblind und placebokontrolliert entweder 1.500 mg/m2 Glutathion als Kurzinfusion vor jeder Oxaliplatin-Gabe oder Kochsalzlösung. Klinisch-neurologische Untersuchungen und elektrophysiologische Messungen erfolgten zu Studienbeginn sowie nach vier, acht und zwölf Zyklen.
Im Glutathion-Arm traten seltener und schwächere Neuropathien auf. Besonders deutlich war der Unterschied bei den schwereren Formen: Nach acht Zyklen hatten nur 2 Patienten im Glutathion-Arm eine Neuropathie vom NCI-Grad 2 bis 4 gegenüber 11 im Placebo-Arm (p = 0,003); nach zwölf Zyklen waren es 3 versus 8 Patienten (p = 0,004). Die Nervenleitgeschwindigkeit des N. suralis verschlechterte sich im Placebo-Arm statistisch signifikant, im Glutathion-Arm dagegen nicht.
Entscheidend für die onkologische Sicherheit: Die Ansprechrate auf die Chemotherapie war in beiden Gruppen praktisch gleich (26,9 % unter Glutathion gegenüber 23,1 % unter Placebo). Glutathion schwächte die Wirksamkeit von Oxaliplatin in dieser Studie also nicht ab. Die Autoren werten Glutathion als vielversprechende Substanz zur Prophylaxe der Oxaliplatin-Neuropathie.
Kernergebnisse
Sehr kleine Stichprobe (52 randomisiert, nach 8 Zyklen nur noch 40 auswertbar), monozentrisch-kleines Setting und daher begrenzte statistische Aussagekraft; durch die Drop-outs im Verlauf besteht ein Risiko für Selektionseffekte. Die Studie war nicht darauf ausgelegt, einen möglichen Einfluss auf Überleben oder Tumorkontrolle sicher auszuschliessen - die gleiche Ansprechrate ist nur ein orientierender Hinweis. Nachfolgende, größere Studien zu Antioxidantien bei Chemotherapie-induzierter Neuropathie fielen teils negativ aus, sodass der Befund von 2002 nicht als abschließend gesichert gilt. Angaben zu Sponsoring oder Interessenkonflikten sind dem PubMed-Eintrag nicht zu entnehmen.
Die Studie betrifft ausschließlich hochdosiertes, intravenös verabreichtes Glutathion als Begleitmedikation zu einer Oxaliplatin-Chemotherapie unter ärztlicher Aufsicht - sie sagt nichts über orale Glutathion-Präparate oder eine Anwendung bei Gesunden aus. Wer eine Chemotherapie erhält, sollte Glutathion oder andere Antioxidantien in keinem Fall in Eigenregie einnehmen, sondern nur nach Rücksprache mit dem behandelnden Onkologen.