Übersicht/PT-141 (Bremelanotid)/Studie

Studie · Humanstudie (RCT)

Doppelblinde, placebokontrollierte Untersuchung von Sicherheit, Pharmakokinetik und pharmakodynamischen Effekten von intranasalem PT-141, einem Melanocortin-Rezeptor-Agonisten, bei gesunden Männern und Patienten mit leichter bis mittelschwerer erektiler Dysfunktion

Double-blind, placebo-controlled evaluation of the safety, pharmacokinetic properties and pharmacodynamic effects of intranasal PT-141, a melanocortin receptor agonist, in healthy males and patients with mild-to-moderate erectile dysfunction

Humanstudie (RCT)

Stärkste Evidenzstufe hier

Autoren
Diamond LE, Earle DC, Rosen RC, Willett MS, Molinoff PB
Jahr
2004
Journal
International Journal of Impotence Research 16(1):51-59
Modell / Stichprobe
Zwei doppelblinde, placebokontrollierte Phase-I/II-Studien: gesunde männliche Probanden sowie Patienten mit leichter bis mittelschwerer erektiler Dysfunktion, die auf Sildenafil (Viagra) ansprachen. Genaue Fallzahlen sind im öffentlich zugänglichen Abstract nicht angegeben.
Dosis im Versuch
PT-141 (Bremelanotid), ein zyklisches Heptapeptid und Melanocortin-Analogon, intranasal als Einzeldosen in ansteigender Dosierung; statistisch signifikante Erektionsantwort gegenüber Placebo erst bei Dosen über 7 mg. Kurzzeit-/Einzeldosis-Design, keine Langzeitanwendung.
Quelle
PMID 14963471 ↗  ·  DOI ↗

Zusammenfassung

Die Arbeit fasst zwei doppelblinde, placebokontrollierte Studien zu intranasal verabreichtem PT-141 (Bremelanotid) zusammen. Untersucht wurden Sicherheit, Pharmakokinetik und die erektile Antwort, einmal bei gesunden Männern (Messung ohne visuelle sexuelle Stimulation) und einmal bei Männern mit leichter bis mittelschwerer erektiler Dysfunktion, die zuvor auf Sildenafil angesprochen hatten (Messung mit visueller Stimulation). Die Erektionsantwort wurde objektiv mittels RigiScan (Penis-Rigidität/-Tumeszenz) erfasst.

Pharmakokinetisch stiegen Spitzenkonzentration (Cmax) und Gesamtexposition (AUC) dosisabhängig an. Der Median der Zeit bis zur Spitzenkonzentration lag bei 0,50 Stunden, die Halbwertszeit zwischen 1,85 und 2,09 Stunden - also ein rasch anflutendes, kurz wirksames Peptid. Pharmakodynamisch zeigte sich gegenüber Placebo eine statistisch signifikante Erektionsantwort nur bei Dosen über 7 mg; erste Erektionen traten etwa 30 Minuten nach Applikation auf. Unterhalb dieser Schwelle war der Effekt nicht signifikant, das heißt niedrige Dosen wirkten nicht besser als Placebo.

Zur Verträglichkeit berichten die Autoren, PT-141 sei in beiden Studien sicher verabreicht und gut vertragen worden. Häufigste unerwünschte Ereignisse waren Flush (Hitzegefühl/Gesichtsrötung) und Übelkeit. Klinisch relevante Veränderungen von Vitalparametern, Laborwerten, EKG oder körperlicher Untersuchung wurden nicht beobachtet. Fazit der Autoren: PT-141 sei ein vielversprechender Kandidat für die weitere Entwicklung als Therapie der männlichen erektilen Dysfunktion.

Kernergebnisse

  1. Dosisabhängiger Anstieg von Cmax und AUC nach intranasaler Gabe; medianes Tmax 0,50 Stunden, Halbwertszeit 1,85-2,09 Stunden.
  2. Statistisch signifikante Erektionsantwort gegenüber Placebo erst bei Dosen über 7 mg - niedrigere Dosen zeigten keinen signifikanten Vorteil.
  3. Erste Erektionen etwa 30 Minuten nach intranasaler Applikation.
  4. Wirkung sowohl bei gesunden Männern ohne visuelle sexuelle Stimulation als auch bei ED-Patienten (mit Stimulation) messbar - Hinweis auf zentralnervösen, nicht rein vaskulären Wirkmechanismus.
  5. Häufigste Nebenwirkungen: Flush und Übelkeit; keine klinisch signifikanten Änderungen von Vitalzeichen, Labor, EKG oder körperlichem Befund.
Limitationen

Es handelt sich um frühe Phase-I/II-Studien mit kleinen Probandenzahlen, Einzeldosis-Design und sehr kurzer Beobachtungsdauer - Aussagen zu Langzeitsicherheit, insbesondere zum Blutdruck bei wiederholter Gabe, sind daraus nicht ableitbar. Primärer Endpunkt war die objektiv gemessene Penis-Rigidität (RigiScan) unter Laborbedingungen, nicht der Erfolg beim tatsächlichen Geschlechtsverkehr oder validierte Fragebögen im Alltag; die klinische Relevanz ist damit begrenzt. Die ED-Patienten waren ausdrücklich Sildenafil-Responder mit leichter bis mittelschwerer Ausprägung, also eine günstige Auswahl, die nicht auf schwere oder therapierefraktäre ED übertragbar ist. Frauen wurden nicht untersucht. Die Studien wurden vom Entwickler Palatin Technologies durchgeführt bzw. finanziert; mehrere Autoren waren dort beschäftigt oder als Berater tätig - ein relevanter Interessenkonflikt. Die intranasale Formulierung wurde später wegen Blutdruckanstiegen in der Entwicklung gestoppt; zugelassen wurde am Ende nur die subkutane Form bei Frauen mit HSDD.

Was heißt das praktisch

Die Studie ist der historische Ausgangspunkt für PT-141 beim Mann: Sie zeigt, dass die Substanz zentral wirkt, schnell anflutet (Erektion nach circa 30 Minuten) und kurz im Körper bleibt, aber erst in relativ hohen Dosen über 7 mg intranasal überhaupt signifikant wirkt - bei entsprechend häufigen Nebenwirkungen wie Flush und Übelkeit. Wer PT-141 erwägt, sollte wissen, dass genau diese intranasale Anwendung später wegen Blutdruckproblemen aufgegeben wurde und für Männer bis heute keine Zulassung existiert.