Übersicht/PT-141 (Bremelanotid)/Studie

Studie · Humanstudie

Untersuchung von Sicherheit, Pharmakokinetik und pharmakodynamischen Effekten von subkutan verabreichtem PT-141, einem Melanocortin-Rezeptor-Agonisten, bei gesunden Männern und bei Patienten mit unzureichendem Ansprechen auf Viagra

Evaluation of the safety, pharmacokinetics and pharmacodynamic effects of subcutaneously administered PT-141, a melanocortin receptor agonist, in healthy male subjects and in patients with an inadequate response to Viagra

Humanstudie

Am Menschen, aber ohne RCT-Design

Autoren
Rosen RC, Diamond LE, Earle DC, Shadiack AM, Molinoff PB
Jahr
2004
Journal
International Journal of Impotence Research 16(2):135-142
Modell / Stichprobe
Zwei Kollektive: gesunde männliche Probanden (Dosiseskalation) sowie Männer mit erektiler Dysfunktion und unzureichendem Ansprechen auf Sildenafil (Viagra); 'unzureichendes Ansprechen' definiert als penetrationsfähige Erektion bei höchstens 50 % der Versuche unter 100 mg Sildenafil. Exakte Fallzahlen sind dem Abstract nicht zu entnehmen.
Dosis im Versuch
PT-141 subkutan. Gesunde Probanden: Einzeldosen von 0,3 bis 10 mg im Dosiseskalationsdesign. ED-Patienten: Placebo, 4 mg und 6 mg im Crossover-Design. Kurzzeitstudie mit Einzelgaben, keine Dauertherapie über Wochen oder Monate.
Quelle
PMID 14999221 ↗  ·  DOI ↗

Zusammenfassung

Die Arbeit fasst frühe klinische Untersuchungen zu PT-141 (Bremelanotid) zusammen, einem zyklischen Heptapeptid und Melanocortin-Rezeptor-Agonisten, das subkutan verabreicht wurde. Untersucht wurden Sicherheit, Pharmakokinetik und die erektile Wirkung bei gesunden Männern sowie bei Patienten mit erektiler Dysfunktion, die auf Sildenafil nur unzureichend ansprachen.

Endpunkt war die objektiv gemessene Erektion mittels RigiScan. Bei den gesunden Probanden erfolgte die Messung ohne sexuelle Stimulation, bei den Patienten unter visueller sexueller Stimulation. In der Gruppe der Gesunden zeigte sich eine statistisch signifikante Erektionsantwort bei Dosen oberhalb von 1,0 mg; unterhalb dieser Schwelle war der Effekt nicht signifikant. Im Crossover-Teil bei den ED-Patienten waren sowohl 4 mg als auch 6 mg PT-141 gegenüber Placebo signifikant wirksam.

Die Substanz wurde nach Angabe der Autoren gut vertragen. Die Autoren schlussfolgern, dass PT-141 eine Behandlungsoption für ED darstellen könnte, insbesondere für Männer, die auf PDE-5-Hemmer nicht ausreichend ansprechen. Es handelt sich um eine frühe Phase-I/II-Untersuchung mit apparativem Surrogatendpunkt, nicht um eine Wirksamkeitsstudie mit patientenrelevanten Endpunkten wie erfolgreichem Geschlechtsverkehr über einen längeren Zeitraum.

Kernergebnisse

  1. Bei gesunden Männern erzeugte subkutanes PT-141 im Bereich 0,3 bis 10 mg eine statistisch signifikante Erektionsantwort erst bei Dosen über 1,0 mg; Dosen bis einschließlich 1,0 mg blieben ohne signifikanten Effekt.
  2. Bei gesunden Probanden trat die Erektionsantwort ohne sexuelle Stimulation auf, was auf einen zentralnervösen Wirkmechanismus über Melanocortin-Rezeptoren hindeutet (im Gegensatz zu PDE-5-Hemmern).
  3. Bei ED-Patienten mit unzureichendem Sildenafil-Ansprechen waren im Crossover-Design sowohl 4 mg als auch 6 mg PT-141 gegenüber Placebo signifikant wirksam (RigiScan unter visueller sexueller Stimulation).
  4. Als 'unzureichendes Ansprechen' galt eine penetrationsfähige Erektion bei höchstens 50 % der Versuche unter 100 mg Sildenafil, also eine deutlich vorbehandelte, therapieresistente Population.
  5. PT-141 wurde in den untersuchten Dosen als gut verträglich beschrieben; konkrete Häufigkeiten von Nebenwirkungen wie Übelkeit oder Flush sind dem Abstract nicht zu entnehmen.
Limitationen

Frühe klinische Untersuchung mit kleinen Kollektiven (Fallzahlen im Abstract nicht genannt), Einzeldosen statt Dauertherapie und einem apparativen Surrogatendpunkt (RigiScan) statt patientenrelevanter Wirksamkeitsmaße wie IIEF-Score oder erfolgreichem Geschlechtsverkehr im Alltag. Die Erektionsmessung bei Gesunden erfolgte ohne sexuelle Stimulation, was die Übertragbarkeit auf reale Anwendungssituationen einschränkt. Es wurden ausschließlich Männer untersucht; Aussagen zur weiblichen Anwendung lassen sich daraus nicht ableiten. Sicherheitsaussagen beruhen auf kurzer Beobachtungsdauer und erlauben keine Beurteilung von Langzeitrisiken, insbesondere nicht des später relevanten Blutdruckanstiegs oder der Hyperpigmentierung. Mehrere Autoren waren mit dem Entwickler Palatin Technologies verbunden, die Studie ist also herstellernah; ein Interessenkonflikt ist anzunehmen. Der subkutane Applikationsweg dieser Studie unterscheidet sich zudem vom später ebenfalls untersuchten intranasalen Weg, dessen Entwicklung wegen Blutdruckerhöhungen gestoppt wurde.

Was heißt das praktisch

Die Studie ist ein historischer Beleg dafür, dass subkutanes PT-141 bei Männern eine messbare, dosisabhängige Erektionsantwort auslöst, auch bei unzureichendem Ansprechen auf Sildenafil, wirkt aber über einen zentralnervösen Mechanismus und nicht lokal-vaskulär. Sie sagt nichts über Langzeitsicherheit, Alltagswirksamkeit oder die heute übliche Anwendung bei Frauen mit HSDD aus, für die Bremelanotid (Vyleesi) später zugelassen wurde.