Übersicht/PT-141 (Bremelanotid)/Studie

Studie · Humanstudie (RCT)

Die gleichzeitige Gabe niedriger Dosen von intranasalem PT-141, einem Melanocortin-Rezeptor-Agonisten, und Sildenafil führt bei Männern mit erektiler Dysfunktion zu einer verstärkten Erektionsreaktion

Co-administration of low doses of intranasal PT-141, a melanocortin receptor agonist, and sildenafil to men with erectile dysfunction results in an enhanced erectile response

Humanstudie (RCT)

Stärkste Evidenzstufe hier

Autoren
Diamond LE, Earle DC, Garcia WD, Spana C
Jahr
2005
Journal
Urology 2005;65(4):755-9
Modell / Stichprobe
n=19 Männer mit erektiler Dysfunktion
Dosis im Versuch
7,5 mg PT-141 intranasal plus 25 mg Sildenafil oral (beides bewusst subtherapeutische Dosen), verglichen mit 25 mg Sildenafil plus Nasenspray-Placebo und mit doppeltem Placebo. Einmalgabe pro Behandlungsarm im Cross-over-Design; Messung der Erektionsantwort über rund 6 Stunden mittels RigiScan unter visueller sexueller Stimulation.
Quelle
PMID 15833522 ↗  ·  DOI ↗

Zusammenfassung

Die Studie prüfte, ob die Kombination bewusst unterschwelliger Dosen von PT-141 (Bremelanotid, ein zyklisches Heptapeptid und Melanocortin-Rezeptor-Agonist) und Sildenafil bei Männern mit erektiler Dysfunktion eine stärkere Erektionsantwort erzeugt als Sildenafil allein. 19 Patienten durchliefen in randomisierter Cross-over-Anordnung drei Behandlungen: 25 mg Sildenafil plus 7,5 mg intranasales PT-141, 25 mg Sildenafil plus Placebo-Nasenspray sowie Placebo-Tablette (mit Placebo-Spray). Primär gemessen wurde die penile Rigidität per RigiScan während visueller sexueller Stimulation über etwa sechs Stunden.

Die Kombination aus PT-141 und Sildenafil erzeugte eine statistisch signifikant stärkere Erektionsantwort als Sildenafil allein. Die Kombination war sicher und gut verträglich; es traten keine neuen Nebenwirkungen auf und keine Nebenwirkungen, die im Vergleich zur jeweiligen Monotherapie häufiger oder schwerer gewesen wären. Die Autoren folgerten, dass die Kombination aus intranasalem PT-141 und einem PDE-5-Hemmer eine Behandlungsoption für Patienten sein könnte, bei denen höhere Dosen einer Einzeltherapie nicht wirksam oder nicht verträglich sind.

Einzuordnen ist: Es handelt sich um eine sehr kleine Pharmakodynamik-Studie mit Surrogat-Endpunkt (RigiScan-Rigidität im Labor unter visueller Stimulation), nicht um eine Studie mit patientenrelevanten Endpunkten wie erfolgreichem Geschlechtsverkehr im Alltag. Das Abstract nennt keine konkreten Effektgrößen, Konfidenzintervalle oder p-Werte. Die intranasale Darreichungsform von PT-141 wurde später aufgrund von Blutdruckanstiegen in der Entwicklung aufgegeben; zugelassen ist heute nur die subkutane Form (Vyleesi) und ausschließlich für hypoaktive Sexualstörung bei prämenopausalen Frauen, nicht für erektile Dysfunktion beim Mann.

Kernergebnisse

  1. n=19 Männer mit erektiler Dysfunktion, randomisiertes Cross-over-Design mit drei Behandlungsarmen
  2. 7,5 mg PT-141 intranasal plus 25 mg Sildenafil erzeugten eine signifikant stärkere Erektionsantwort (RigiScan) als 25 mg Sildenafil plus Placebo-Spray
  3. Beide Wirkstoffe wurden bewusst in subtherapeutischer Dosis eingesetzt, was auf einen additiven bzw. synergistischen Effekt zweier unterschiedlicher Wirkmechanismen (zentral melanocortinerg vs. peripher PDE-5) hindeutet
  4. Beobachtungszeitraum der Erektionsmessung rund 6 Stunden unter visueller sexueller Stimulation
  5. Keine neuen Nebenwirkungen und keine gegenüber der Monotherapie erhöhte Häufigkeit oder Schwere von Nebenwirkungen; Kombination als sicher und gut verträglich eingestuft
Limitationen

Sehr kleine Stichprobe (n=19) ohne Angabe einer Fallzahlplanung, kurze Einmalgabe statt Anwendung über einen Behandlungszeitraum, und ein reiner Surrogat-Endpunkt (RigiScan-Messung im Labor unter visueller Stimulation) statt patientenrelevanter Ergebnisse wie erfolgreicher Penetration oder Sexualzufriedenheit im Alltag. Das Abstract berichtet keine numerischen Effektgrößen, sodass die klinische Relevanz des Unterschieds nicht beurteilbar ist; auch fehlt ein Arm mit PT-141 allein in voller Dosis. Alle Autoren sind Mitarbeiter bzw. Verbundene von Palatin Technologies, dem Entwickler von PT-141 – ein deutlicher Interessenkonflikt. Die untersuchte intranasale Formulierung wurde später wegen Blutdruckanstiegen nicht weiterentwickelt, weshalb sich die Ergebnisse nicht ohne Weiteres auf heute verfügbares subkutanes Bremelanotid übertragen lassen.

Was heißt das praktisch

Die Studie ist ein früher Beleg, dass PT-141 über einen zentralen Mechanismus wirkt, der sich mit PDE-5-Hemmern ergänzt, und dass schon niedrige Dosen messbar etwas bewirken. Sie ist aber winzig, herstellerfinanziert, misst nur ein Laborsurrogat und verwendet die inzwischen eingestellte Nasenspray-Form – als Beleg für einen praktischen Nutzen beim Mann taugt sie daher nur eingeschränkt.