Übersicht/CJC-1295 (ohne DAC) + Ipamorelin/Studie

Studie · Humanstudie (RCT)

Verlängerte Stimulation der Wachstumshormon- (GH) und IGF-I-Sekretion durch CJC-1295, ein langwirksames Analogon des GH-Releasing-Hormons, bei gesunden Erwachsenen

Prolonged stimulation of growth hormone (GH) and insulin-like growth factor I secretion by CJC-1295, a long-acting analog of GH-releasing hormone, in healthy adults

Humanstudie (RCT)

Stärkste Evidenzstufe hier

Autoren
Teichman SL, Neale A, Lawrence B, Gagnon C, Castaigne JP, Frohman LA
Jahr
2006
Journal
J Clin Endocrinol Metab
Modell / Stichprobe
Gesunde Erwachsene beiderlei Geschlechts im Alter von 21-61 Jahren; zwei separate randomisierte, placebokontrollierte, doppelblinde Dosis-Eskalationsstudien (Dauer 28 bzw. 49 Tage). Die genaue Teilnehmerzahl wird im Abstract nicht ausgewiesen.
Dosis im Versuch
CJC-1295 mit DAC, subkutane Injektion. Studie 1: aufsteigende Einzeldosen (u. a. 30, 60 und 90 µg/kg). Studie 2: zwei bis drei wiederholte Gaben in wöchentlichem oder zweiwöchentlichem Abstand. Beobachtungszeit 28 bzw. 49 Tage.
Quelle
PMID 16352683 ↗  ·  DOI ↗

Zusammenfassung

Untersucht wurde die pharmakokinetische und pharmakodynamische Wirkung von CJC-1295, einem an Albumin bindenden, langwirksamen GHRH-Analogon (Version mit Drug Affinity Complex, DAC), bei gesunden Erwachsenen. Grundlage sind zwei randomisierte, placebokontrollierte, doppelblinde Dosis-Eskalationsstudien mit einer Beobachtungsdauer von 28 bzw. 49 Tagen. Endpunkte waren die Plasmakonzentrationen von GH und IGF-I über die Zeit, die Halbwertszeit der Substanz sowie Sicherheit und Verträglichkeit.

Nach einer einzigen subkutanen Injektion stiegen die mittleren GH-Spiegel dosisabhängig um das 2- bis 10-Fache an, und zwar über sechs Tage oder länger. Die IGF-I-Spiegel stiegen um das 1,5- bis 3-Fache und blieben 9 bis 11 Tage erhöht. Die geschätzte Halbwertszeit lag bei 5,8 bis 8,1 Tagen. Bei wiederholter Gabe (wöchentlich oder zweiwöchentlich) zeigte sich ein kumulativer Effekt auf die Hormonspiegel.

Die Autoren stufen die Substanz als sicher und relativ gut verträglich ein, insbesondere bei 30 und 60 µg/kg; schwerwiegende Nebenwirkungen traten nicht auf. Die Studie belegt damit ausschließlich einen pharmakologischen Effekt auf die Hormonachse. Klinisch relevante Endpunkte wie Körperzusammensetzung, Muskelkraft, Schlafqualität oder Stoffwechselparameter wurden nicht als Wirksamkeitsnachweis untersucht, und ein Nutzen für solche Ziele lässt sich aus den Daten nicht ableiten.

Kernergebnisse

  1. Einmalige subkutane Injektion führte zu dosisabhängigem Anstieg der mittleren GH-Plasmaspiegel um das 2- bis 10-Fache über mindestens 6 Tage.
  2. IGF-I stieg um das 1,5- bis 3-Fache und blieb 9 bis 11 Tage erhöht.
  3. Geschätzte Halbwertszeit von CJC-1295 (mit DAC): 5,8 bis 8,1 Tage.
  4. Bei wöchentlicher oder zweiwöchentlicher Wiederholungsgabe zeigte sich ein kumulativer Effekt auf GH und IGF-I.
  5. Keine schwerwiegenden unerwünschten Wirkungen; beste Verträglichkeit bei 30 bzw. 60 µg/kg.
Limitationen

Reine Phase-I-artige Pharmakodynamik-/Pharmakokinetikstudie an gesunden Probanden mit kurzer Beobachtungsdauer (28 bzw. 49 Tage) und kleiner, im Abstract nicht bezifferter Stichprobe. Untersucht wurden ausschließlich Surrogatparameter (GH, IGF-I), keine klinischen Endpunkte wie Körperzusammensetzung, Leistungsfähigkeit oder Stoffwechsel. Aussagen zur Langzeitsicherheit (u. a. Insulinresistenz, Ödeme, Gelenkbeschwerden, theoretisches Tumorrisiko bei chronisch erhöhtem IGF-I) sind aus diesen Daten nicht ableitbar. Zwei der Autoren (Gagnon, Castaigne) waren dem Entwickler ConjuChem zuzuordnen, es besteht also ein Herstellerbezug. CJC-1295 ist bis heute kein zugelassenes Arzneimittel.

Was heißt das praktisch

Die Studie belegt, dass CJC-1295 mit DAC beim Menschen GH und IGF-I über Tage bis Wochen deutlich anhebt - sie sagt jedoch nichts über die häufig verwendete Kombination mit Ipamorelin, nichts über die kurzwirksame Variante ohne DAC und nichts über einen tatsächlichen gesundheitlichen oder körperlichen Nutzen aus. Wer eine Anwendung erwägt, sollte wissen, dass hier ausschließlich Hormonspiegel über wenige Wochen gemessen wurden und Daten zur Langzeitsicherheit fehlen.