Übersicht/KPV/Studie

Studie · Tierstudie

Wirkung des COOH-terminalen Tripeptids alpha-MSH(11-13) auf die Wundheilung des Hornhautepithels: Rolle von Stickstoffmonoxid

Effects of the COOH-terminal tripeptide alpha-MSH(11-13) on corneal epithelial wound healing: role of nitric oxide

Tierstudie

Nur Tiermodell — nicht auf den Menschen übertragbar

Autoren
Bonfiglio V, Camillieri G, Avitabile T, Leggio GM, Drago F
Jahr
2006
Journal
Experimental Eye Research
Modell / Stichprobe
Kaninchen mit mechanisch gesetzter Hornhautabrasion (8 Augen pro Behandlungsgruppe); zusätzlich In-vitro-Versuche an kultivierten Kaninchen-Hornhautepithelzellen
Dosis im Versuch
KPV topisch als Augentropfen in 1, 5 oder 10 mg/ml (je 30 Mikroliter), zwei Tropfen viermal täglich über 4 Tage, beginnend unmittelbar nach der Abrasion. Vergleichs- bzw. Kontrollsubstanzen: Natriumnitroprussid (NO-Donor) 10 mg/ml und L-NAME (NO-Synthase-Hemmer) 10 mg/ml, jeweils 30 Mikroliter im gleichen Schema. In vitro: KPV 0,1 / 1 / 10 Mikromol pro Liter für 1, 6 und 24 Stunden in Medium mit 15% fetalem Kälberserum.
Quelle
PMID 16965771 ↗  ·  DOI ↗

Zusammenfassung

Die Arbeit untersuchte, ob KPV (Lysin-Prolin-Valin), das COOH-terminale Tripeptid des alpha-Melanozyten-stimulierenden Hormons, die Reepithelisierung der Hornhaut fördert und ob Stickstoffmonoxid (NO) daran beteiligt ist. Am Kaninchenauge wurde das Hornhautepithel mechanisch abgetragen; anschliessend wurde KPV in drei Konzentrationen topisch appliziert und die verbleibende Epitheldefektfläche zu mehreren Zeitpunkten planimetrisch bestimmt.

Der verbleibende Epitheldefekt war zu allen Messzeitpunkten unter KPV sowie unter dem NO-Donor Natriumnitroprussid signifikant kleiner als unter Placebo. Nach 60 Stunden waren 8 von 8 Hornhäuten (100%) in beiden Verumgruppen vollständig reepithelisiert, in der Placebogruppe keine einzige. Die gleichzeitige Gabe des NO-Synthase-Hemmers L-NAME hob den Effekt von KPV auf, was auf einen NO-abhängigen Wirkmechanismus hindeutet.

Ergänzend steigerte KPV in Zellkultur die Vitalität bzw. das Wachstum von Kaninchen-Hornhautepithelzellen, allerdings nur in den Konzentrationen 1 und 10 Mikromol pro Liter; 0,1 Mikromol pro Liter blieb ohne Wirkung. Die Autoren schließen daraus, dass KPV die Hornhautwundheilung über eine Beeinflussung der NO-Verfügbarkeit im Hornhautgewebe begünstigt.

Kernergebnisse

  1. Nach 60 Stunden waren 8/8 (100%) der mit KPV behandelten Hornhäute vollständig reepithelisiert, unter Placebo keine einzige (P<0,05).
  2. Der prozentuale Restdefekt war zu jedem Messzeitpunkt unter KPV signifikant kleiner als unter Placebo.
  3. Der NO-Donor Natriumnitroprussid (10 mg/ml) erzielte einen vergleichbaren Heilungseffekt wie KPV.
  4. Die Vorbehandlung mit dem NO-Synthase-Hemmer L-NAME (10 mg/ml) hob die Wirkung von KPV auf – Hinweis auf einen NO-abhängigen Mechanismus.
  5. In vitro steigerte KPV die Zellvitalität von Hornhautepithelzellen bei 1 und 10 Mikromol pro Liter, nicht jedoch bei 0,1 Mikromol pro Liter.
Limitationen

Reine Tierstudie an Kaninchen mit sehr kleiner Gruppengrösse (8 Augen pro Gruppe) und kurzer Beobachtungsdauer von wenigen Tagen; es gibt keine Humandaten zu diesem Endpunkt. Untersucht wurde ausschließlich die topische Anwendung am Auge nach mechanischer Abrasion – Aussagen zu systemischer, oraler oder subkutaner Anwendung von KPV lassen sich daraus nicht ableiten. Die Publikation stammt aus dem Jahr 2006 und wurde nach den vorliegenden Angaben nicht in einer größeren, unabhängigen Studie repliziert; Angaben zu Sponsoring oder Interessenkonflikten sind dem Abstract nicht zu entnehmen. Die vollständige Nicht-Heilung in der Placebogruppe nach 60 Stunden ist ungewöhnlich und deutet auf ein sehr spezifisches, möglicherweise nicht auf den Menschen übertragbares Modell hin.

Was heißt das praktisch

Die Studie liefert einen mechanistischen Hinweis darauf, dass KPV lokal appliziert die Epithelregeneration fördern kann, vermutlich über Stickstoffmonoxid. Für die Praxis bedeutet das jedoch nur einen präklinischen Anhaltspunkt bei topischer Anwendung am Kaninchenauge – eine Wirksamkeit oder Sicherheit von KPV beim Menschen, insbesondere bei systemischer Anwendung, ist damit nicht belegt.