Übersicht/CJC-1295 (ohne DAC) + Ipamorelin/Studie

Studie · Humanstudie

Die pulsatile Wachstumshormon-Sekretion bleibt unter kontinuierlicher Stimulation durch CJC-1295, ein langwirksames GHRH-Analogon, erhalten

Pulsatile secretion of growth hormone (GH) persists during continuous stimulation by CJC-1295, a long-acting GH-releasing hormone analog

Humanstudie

Am Menschen, aber ohne RCT-Design

Autoren
Ionescu M, Frohman LA
Jahr
2006
Journal
J Clin Endocrinol Metab
Modell / Stichprobe
Gesunde Männer im Alter von 20-40 Jahren (kleine Probandengruppe, im Abstract nicht exakt beziffert), aufgeteilt auf zwei Dosisgruppen
Dosis im Versuch
Einmalige subkutane Injektion von CJC-1295 (mit DAC) in einer Dosis von 60 oder 90 µg/kg Körpergewicht; Messung vor der Injektion und eine Woche danach mittels 12-stündiger nächtlicher Blutentnahme im 20-Minuten-Takt
Quelle
PMID 17018654 ↗  ·  DOI ↗

Zusammenfassung

Untersucht wurde, ob die dauerhafte Rezeptorstimulation durch das langwirksame GHRH-Analogon CJC-1295 (Halbwertszeit ca. 8 Tage) das natürliche pulsatile Muster der Wachstumshormon-Ausschüttung zerstört. Dazu erhielten gesunde Männer zwischen 20 und 40 Jahren eine einmalige Injektion von 60 oder 90 µg/kg. Vor der Gabe und eine Woche danach wurde über 12 Stunden über Nacht alle 20 Minuten Blut entnommen und die GH-Sekretion per Dekonvolutions- bzw. Pulsanalyse ausgewertet; zusätzlich wurde IGF-I bestimmt.

Eine Woche nach der Injektion waren die basalen (Trog-)GH-Spiegel um das 7,5-Fache erhöht (p < 0,0001), die mittleren GH-Spiegel um 46 Prozent (p < 0,01) und IGF-I um 45 Prozent (p < 0,001). Entscheidend: Frequenz und Amplitude der GH-Sekretionspulse blieben unverändert. Die Erhöhung ergab sich also im Wesentlichen aus einem angehobenen Basalspiegel, nicht aus veränderter Pulsatilität.

Zwischen den beiden Dosisstufen (60 vs. 90 µg/kg) fanden sich keine signifikanten Unterschiede, was auf einen Sättigungseffekt in diesem Dosisbereich hindeutet. Der IGF-I-Anstieg korrelierte nicht mit den GH-Sekretionsparametern. Die Autoren folgern, dass CJC-1295 GH und IGF-I unter Erhalt der Pulsatilität steigert und daher für Patienten mit noch funktionsfähiger hypophysärer GH-Reserve infrage kommen könnte.

Kernergebnisse

  1. Basale (Trog-)GH-Spiegel eine Woche nach einmaliger Injektion um das 7,5-Fache erhöht (p < 0,0001)
  2. Mittlere GH-Spiegel um 46 Prozent erhöht (p < 0,01), IGF-I um 45 Prozent (p < 0,001)
  3. Frequenz und Amplitude der GH-Pulse blieben unverändert - die Pulsatilität wurde trotz Dauerstimulation nicht aufgehoben
  4. Kein signifikanter Unterschied zwischen 60 und 90 µg/kg - im getesteten Bereich kein zusätzlicher Nutzen der höheren Dosis
  5. Der IGF-I-Anstieg korrelierte nicht mit den gemessenen GH-Sekretionsparametern
Limitationen

Sehr kleine, homogene Stichprobe (nur gesunde junge Männer, keine Frauen, keine älteren oder GH-defizienten Personen), keine Placebo-Kontrollgruppe und keine Verblindung im klassischen Sinne. Beobachtet wurde nur ein einzelner Injektionszyklus mit einem Messzeitpunkt nach einer Woche - Aussagen zu wiederholter Gabe, Langzeitsicherheit, Nebenwirkungen (z. B. Insulinresistenz, Ödeme, Karpaltunnel) oder klinischen Endpunkten wie Körperzusammensetzung, Kraft oder Schlaf sind daraus nicht ableitbar. CJC-1295 wurde vom Hersteller ConjuChem entwickelt; entsprechende Industrienähe ist bei dieser Studienreihe anzunehmen. Ipamorelin war nicht Gegenstand der Untersuchung.

Was heißt das praktisch

Die Studie stützt das häufig genannte Argument, dass CJC-1295 mit DAC den GH-Spiegel anhebt, ohne das natürliche Pulsmuster zu zerstören - allerdings vor allem über einen dauerhaft erhöhten Basalspiegel, was physiologisch nicht dasselbe ist wie eine normale GH-Achse. Sie sagt nichts über die Kombination mit Ipamorelin, nichts über wiederholte Anwendung, Langzeitsicherheit oder tatsächliche körperliche Effekte aus.