Übersicht/Glutathion/Studie

Studie · Humanstudie (RCT)

Randomisierte, doppelblinde Pilotstudie zu intravenösem Glutathion bei Morbus Parkinson

Randomized, double-blind, pilot evaluation of intravenous glutathione in Parkinson's disease

Humanstudie (RCT)

Stärkste Evidenzstufe hier

Autoren
Hauser RA, Lyons KE, McClain T, Carter S, Perlmutter D
Jahr
2009
Journal
Movement Disorders 24(7):979-983
Modell / Stichprobe
n=21 Patienten mit Morbus Parkinson und unzureichend kontrollierten motorischen Symptomen (11 Glutathion, 10 Placebo); ein Teilnehmer der Glutathion-Gruppe schied vor der Wirksamkeitserhebung aus
Dosis im Versuch
1.400 mg Glutathion intravenös, dreimal wöchentlich über 4 Wochen; anschliessend Nachbeobachtung
Quelle
PMID 19230029 ↗  ·  DOI ↗

Zusammenfassung

Untersucht wurden Sicherheit, Verträglichkeit und ein erster Hinweis auf Wirksamkeit von intravenösem Glutathion bei Parkinson-Patienten, deren motorische Symptome unter bestehender Therapie nicht ausreichend kontrolliert waren. Die Studie war randomisiert, placebokontrolliert und doppelblind angelegt; 21 Patienten erhielten über vier Wochen dreimal wöchentlich entweder 1.400 mg Glutathion intravenös oder Placebo.

Glutathion wurde gut vertragen. In beiden Gruppen kam es zu keinem Studienabbruch wegen unerwünschter Ereignisse, und das Nebenwirkungsprofil war zwischen Verum und Placebo ähnlich. Beim primären Wirksamkeitsmass, der Unified Parkinson's Disease Rating Scale (UPDRS), fanden sich weder während der Behandlungsphase noch in der Nachbeobachtung statistisch signifikante Unterschiede zwischen den Gruppen.

Die Autoren werten das Ergebnis als Beleg guter Sicherheit bei bestenfalls möglichem, nicht nachgewiesenem mildem symptomatischem Effekt. Es handelt sich um eine Pilotstudie, deren Fallzahl für eine Wirksamkeitsaussage nicht ausgelegt war; die Wirksamkeitsfrage bleibt offen und müsste in größeren Studien geklärt werden.

Kernergebnisse

  1. Primäres Ergebnis negativ: keine statistisch signifikanten Unterschiede in der UPDRS zwischen Glutathion und Placebo, weder während der 4-wöchigen Behandlung noch in der Nachbeobachtung
  2. Gute Verträglichkeit: 1.400 mg i.v. dreimal wöchentlich über 4 Wochen wurden gut toleriert, keine Studienabbrüche wegen unerwünschter Ereignisse
  3. Nebenwirkungsprofil in Verum- und Placebogruppe vergleichbar
  4. Sehr kleine Stichprobe (n=21; 11 Glutathion, 10 Placebo), ein Ausscheiden vor der Wirksamkeitserhebung
  5. Autorenfazit: allenfalls Hinweis auf einen milden symptomatischen Effekt, der in größeren Studien geprüft werden müsste
Limitationen

Die Studie war explizit als Pilotstudie konzipiert und mit 21 Teilnehmern statistisch nicht ausreichend groß (underpowered), um moderate Effekte zu erkennen oder auszuschliessen; ein Null-Ergebnis bei dieser Fallzahl ist daher kein Wirksamkeitsbeweis in beide Richtungen. Die Behandlungsdauer betrug nur vier Wochen, es fehlen Langzeitdaten sowie objektive Biomarker (z.B. zerebrale Glutathion-Spiegel), sodass unklar bleibt, ob intravenös verabreichtes Glutathion das Zielgewebe im Gehirn überhaupt erreicht. Die Aussage zur Wirksamkeit ist eine Post-hoc-Interpretation nicht signifikanter Daten. Einer der Autoren (D. Perlmutter) hat intravenöses Glutathion bei Parkinson öffentlich propagiert, was einen möglichen Interessenkonflikt darstellt.

Was heißt das praktisch

Für die Anwendung bedeutet das: Intravenöses Glutathion in dieser Dosierung war über vier Wochen sicher und gut verträglich, ein klinischer Nutzen bei Parkinson konnte jedoch nicht gezeigt werden. Wer sich davon eine Symptomverbesserung erhofft, sollte wissen, dass die bislang beste kontrollierte Evidenz negativ ausgefallen ist.