Übersicht/MT-1 (Melanotan I)/Studie

Studie · Humanstudie

Verminderung der Lichtempfindlichkeit bei Patienten mit erythropoetischer Protoporphyrie durch ein agonistisches Analogon des Alpha-Melanozyten-stimulierenden Hormons

Mitigating photosensitivity of erythropoietic protoporphyria patients by an agonistic analog of alpha-melanocyte stimulating hormone

Humanstudie

Am Menschen, aber ohne RCT-Design

Autoren
Juergen H Harms, Stephan Lautenschlager, Christoph E Minder, Elisabeth I Minder
Jahr
2009
Journal
Photochemistry and Photobiology 85(6):1434-9
Modell / Stichprobe
n=5 Patienten mit erythropoetischer Protoporphyrie (EPP), offene unkontrollierte Studie ohne Placeboarm
Dosis im Versuch
Zwei subkutane Implantate mit je 20 mg Afamelanotid (synthetisches Alpha-MSH-Analogon, entspricht Melanotan I / NDP-alpha-MSH), im Abstand von 60 Tagen gesetzt; Beobachtungszeitraum bis mindestens Tag 120
Quelle
PMID 19656325 ↗  ·  DOI ↗

Zusammenfassung

Die erythropoetische Protoporphyrie (EPP) ist eine erbliche Stoffwechselstörung, bei der sich das lichtempfindliche Protoporphyrin IX in der Haut anreichert. Sonnenlicht löst bei Betroffenen zunächst Schmerzen und anschließend entzündliche Reaktionen und Hautschäden aus. Die Autoren prüften, ob Afamelanotid – ein synthetisches, stabilisiertes Analogon des Alpha-Melanozyten-stimulierenden Hormons (die Substanz, die in der Szene als Melanotan I bekannt ist) – durch Anregung der Melaninbildung die Lichttoleranz verbessern kann.

Fünf EPP-Patienten erhielten zwei subkutane Implantate mit je 20 mg Afamelanotid im Abstand von 60 Tagen. Endpunkte waren die Toleranz gegenüber standardisierter Photoprovokation (kontrollierte Lichtexposition), die gemessene Hautpigmentierung sowie Patiententagebücher zur täglichen Sonnenexposition und zu Symptomen.

Zwischen Tag 30 und Tag 120 stieg die Toleranz gegenüber der Photoprovokation signifikant gegenüber dem Ausgangswert an (p = 0,007), begleitet von einer deutlich erhöhten Hautpigmentierung. Ab Tag 4 traten kaum noch phototoxische Reaktionen auf; die tolerierte Zeit im natürlichen Sonnenlicht lag laut Tagebüchern bis zum 24-Fachen über dem Ausgangswert. Die Autoren betonen selbst, dass diese Ergebnisse wegen der sehr kleinen Fallzahl und des offenen Designs in größeren Studien bestätigt werden müssen.

Kernergebnisse

  1. n=5 EPP-Patienten, je zwei subkutane Implantate mit 20 mg Afamelanotid im Abstand von 60 Tagen
  2. Signifikant erhöhte Toleranz gegenüber standardisierter Photoprovokation zwischen Tag 30 und Tag 120 gegenüber Baseline (p = 0,007)
  3. Deutlich gesteigerte Hautpigmentierung als messbarer pharmakodynamischer Effekt
  4. Ab Tag 4 nur noch minimale phototoxische Reaktionen; tolerierte Sonnenexposition laut Patiententagebuch bis zu 24-fach über Ausgangswert
  5. Kein Kontroll- oder Placeboarm; Wirksamkeitsbelege beruhen auf Vorher-Nachher-Vergleich innerhalb derselben Patienten
Limitationen

Die Studie ist sehr klein (n=5), offen (unverblindet) und ohne Kontroll- oder Placebogruppe. Ein zentraler Endpunkt – die tolerierte Sonnenexposition – beruht auf Selbstauskunft in Patiententagebüchern und ist bei bekannter Behandlung stark erwartungsanfällig; auch Jahreszeit und Verhaltensänderungen können die Ergebnisse verzerren. Über Nebenwirkungen und Langzeitsicherheit (insbesondere Nävus-/Melanomüberwachung) lassen sich aus fünf Patienten über vier Monate keine belastbaren Aussagen ableiten. Die Substanz wurde als pharmazeutisches Implantat unter ärztlicher Kontrolle verabreicht; die Autorengruppe um E. I. Minder war maßgeblich an der klinischen Entwicklung von Afamelanotid beteiligt, entsprechende Nähe zum Hersteller (Clinuvel) ist zu berücksichtigen.

Was heißt das praktisch

Die Studie zeigt, dass Melanotan I (Afamelanotid) beim Menschen zuverlässig die Pigmentierung steigert und dadurch die Lichttoleranz erhöht – allerdings an einer sehr kleinen Patientengruppe mit einer seltenen Erkrankung, in pharmazeutischer Implantatform und unter ärztlicher Aufsicht. Für kosmetische Selbstanwendung mit ungeprüftem Injektionsmaterial liefert sie weder Dosisempfehlungen noch Sicherheitsdaten.