Übersicht/TB-500/Studie

Studie · Humanstudie (RCT)

Eine randomisierte, placebokontrollierte Studie zu Einzel- und Mehrfachdosen von intravenösem Thymosin beta 4 bei gesunden Probanden

A randomized, placebo-controlled, single and multiple dose study of intravenous thymosin beta4 in healthy volunteers

Humanstudie (RCT)

Stärkste Evidenzstufe hier

Autoren
Ruff D, Crockford D, Girardi G, Zhang Y
Jahr
2010
Journal
Ann N Y Acad Sci 1194:223-9
Modell / Stichprobe
Vier Kohorten mit je 10 gesunden Probanden (insgesamt ca. n=40), randomisiert auf Verum oder Placebo
Dosis im Versuch
Synthetisches Thymosin beta 4 intravenös; aufsteigende Einzeldosen von 42, 140, 420 und 1260 mg; nach Sicherheitsbewertung anschliessend dieselbe Dosis täglich über 14 Tage
Quelle
PMID 20536472 ↗  ·  DOI ↗

Zusammenfassung

Untersucht wurde die Verträglichkeit und Pharmakokinetik von synthetischem Thymosin beta 4 (Tbeta4, die Ausgangssubstanz hinter TB-500) bei gesunden Freiwilligen. Hintergrund war die Hypothese, dass Tbeta4 das Überleben von Herzmuskelzellen beim akuten Myokardinfarkt fördern könnte. In einem randomisierten, placebokontrollierten Design erhielten vier Kohorten von je 10 Probanden entweder Placebo oder eine aufsteigende intravenöse Dosis (42, 140, 420 oder 1260 mg). Nach einer Sicherheitsauswertung der Einzeldosis wurde dieselbe Dosis 14 Tage lang täglich verabreicht.

Primäre Endpunkte waren Sicherheit, behandlungsbedingte unerwünschte Ereignisse und die Pharmakokinetik. Unerwünschte Ereignisse traten selten auf und waren von milder bis mässiger Ausprägung; es wurden keine dosislimitierenden Toxizitäten und keine schwerwiegenden unerwünschten Ereignisse berichtet. Die Exposition verhielt sich dosisproportional, wobei die Halbwertszeit bei höheren Dosen zunahm.

Die Autoren schlossen daraus, dass intravenös verabreichtes synthetisches Tbeta4 gut verträglich ist, und empfahlen die Weiterentwicklung für die Indikation kardiale Ischämie. Es handelt sich ausdrücklich um eine Phase-1-Sicherheitsstudie: Wirksamkeitsendpunkte (Herzfunktion, Geweberegeneration, Sehnen- oder Muskelheilung) wurden nicht erhoben.

Kernergebnisse

  1. Randomisiertes, placebokontrolliertes Phase-1-Design mit vier Dosiskohorten zu je 10 gesunden Probanden (ca. n=40 insgesamt).
  2. Intravenöse Dosen von 42 bis 1260 mg, zunächst als Einzeldosis, danach täglich über 14 Tage.
  3. Unerwünschte Ereignisse waren selten und durchgehend mild bis mäßig ausgeprägt.
  4. Keine dosislimitierende Toxizität und keine schwerwiegenden unerwünschten Ereignisse bis zur Höchstdosis von 1260 mg.
  5. Dosisproportionale Pharmakokinetik mit zunehmender Halbwertszeit bei höheren Dosen.
Limitationen

Es handelt sich um eine kleine Phase-1-Studie mit nur rund 40 gesunden, vermutlich überwiegend jungen Probanden und einer Behandlungsdauer von lediglich 14 Tagen; seltene oder erst langfristig auftretende Risiken (etwa Immunogenität, Tumorwachstum oder Angiogenese-vermittelte Effekte) lassen sich damit nicht ausschliessen. Es wurden keine Wirksamkeitsendpunkte untersucht, die Studie sagt also nichts darüber aus, ob Tbeta4 tatsächlich etwas bewirkt. Die Ergebnisse gelten für intravenös verabreichtes, pharmazeutisch hergestelltes Volllängen-Thymosin beta 4 unter ärztlicher Überwachung; die Studie wurde im Rahmen der klinischen Entwicklung durch RegeneRx Biopharmaceuticals durchgeführt, mehrere Autoren sind dem Sponsor zuzuordnen, woraus sich ein Interessenkonflikt ergibt.

Was heißt das praktisch

Die Studie ist der wichtigste vorhandene Sicherheitsbeleg für Thymosin beta 4 beim Menschen und zeigt, dass kurzfristige intravenöse Gaben bis 1260 mg täglich über 14 Tage im klinischen Setting verträglich waren. Sie belegt jedoch keinerlei Nutzen und ist nicht auf TB-500 aus dem Graumarkt übertragbar, da dieses ein anderes, verkürztes Peptidfragment ist, meist subkutan und über längere Zeiträume ohne Qualitätskontrolle angewendet wird.