Studie · Humanstudie (RCT)
Effects of oral glutathione supplementation on systemic oxidative stress biomarkers in human volunteers
Stärkste Evidenzstufe hier
Zusammenfassung
Untersucht wurde, ob oral zugeführtes Glutathion messbar auf den systemischen Redoxstatus des Menschen wirkt. Dazu wurde eine randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie mit 40 gesunden Erwachsenen durchgeführt. Die Teilnehmenden erhielten über vier Wochen entweder zweimal täglich 500 mg Glutathion oral oder ein Placebo. 39 Personen schlossen die Studie ab.
Primäre Endpunkte waren Marker des oxidativen Stresses im Urin (F2-Isoprostane als Marker der Lipidperoxidation, 8-Hydroxy-2'-Desoxyguanosin als Marker oxidativer DNA-Schäden) sowie der Glutathionstatus im Blut bzw. in den Erythrozyten (reduziertes Glutathion, oxidiertes Glutathion und deren Verhältnis).
Das Ergebnis war durchgehend negativ: Zwischen Verum- und Placebogruppe zeigte sich kein signifikanter Unterschied bei F2-Isoprostanen (p=0,38) und bei 8-OHdG (p=0,27). Auch der Glutathionstatus blieb unverändert. Die Autoren schließen, dass unter diesen Bedingungen bei Gesunden keine Veränderung der Oxidationsstress-Biomarker einschließlich des Glutathionstatus nachweisbar war.
Kernergebnisse
Kleine Stichprobe (n=40) mit entsprechend begrenzter statistischer Power, sodass kleine Effekte übersehen worden sein können. Untersucht wurden ausschließlich gesunde Erwachsene mit vermutlich normalem Redoxstatus - bei diesen ist ein Ausgangsdefizit, das sich auffüllen liesse, kaum zu erwarten; auf Patienten mit erhöhtem oxidativem Stress oder nachgewiesenem Glutathionmangel sind die Ergebnisse nicht ohne Weiteres übertragbar. Dauer (4 Wochen) und Dosis waren fix; höhere Dosen, andere Darreichungsformen (z.B. liposomal, sublingual, intravenös) oder Vorläufer wie N-Acetylcystein wurden nicht geprüft. Die Studie wurde an einer naturheilkundlichen Hochschule (Bastyr University) durchgeführt; die Präparatequelle bzw. Finanzierung ist aus dem Abstract nicht vollständig ersichtlich - der Interessenkonflikt würde hier allerdings eher gegen ein Nullergebnis sprechen.
Diese Studie ist ein klarer negativer Befund: Einfaches orales Glutathion in Standarddosierung (1000 mg/Tag über 4 Wochen) veränderte bei Gesunden weder Blutspiegel noch Oxidationsstressmarker. Wer Glutathion erwägt, sollte nicht davon ausgehen, dass Kapseln den körpereigenen Glutathionstatus zuverlässig anheben, und den Nutzen kritisch prüfen.