Übersicht/Glutathion/Studie

Studie · Humanstudie (RCT)

Wirkung oraler Glutathion-Supplementierung auf systemische Biomarker des oxidativen Stresses bei menschlichen Probanden

Effects of oral glutathione supplementation on systemic oxidative stress biomarkers in human volunteers

Humanstudie (RCT)

Stärkste Evidenzstufe hier

Autoren
Allen J, Bradley RD
Jahr
2011
Journal
Journal of Alternative and Complementary Medicine (2011;17(9):827-33)
Modell / Stichprobe
n=40 gesunde erwachsene Freiwillige (39 beendeten die Studie), rekrutiert an der Bastyr University
Dosis im Versuch
2x täglich 500 mg Glutathion oral (1000 mg/Tag) versus Placebo über 4 Wochen
Quelle
PMID 21875351 ↗  ·  DOI ↗

Zusammenfassung

Untersucht wurde, ob oral zugeführtes Glutathion messbar auf den systemischen Redoxstatus des Menschen wirkt. Dazu wurde eine randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie mit 40 gesunden Erwachsenen durchgeführt. Die Teilnehmenden erhielten über vier Wochen entweder zweimal täglich 500 mg Glutathion oral oder ein Placebo. 39 Personen schlossen die Studie ab.

Primäre Endpunkte waren Marker des oxidativen Stresses im Urin (F2-Isoprostane als Marker der Lipidperoxidation, 8-Hydroxy-2'-Desoxyguanosin als Marker oxidativer DNA-Schäden) sowie der Glutathionstatus im Blut bzw. in den Erythrozyten (reduziertes Glutathion, oxidiertes Glutathion und deren Verhältnis).

Das Ergebnis war durchgehend negativ: Zwischen Verum- und Placebogruppe zeigte sich kein signifikanter Unterschied bei F2-Isoprostanen (p=0,38) und bei 8-OHdG (p=0,27). Auch der Glutathionstatus blieb unverändert. Die Autoren schließen, dass unter diesen Bedingungen bei Gesunden keine Veränderung der Oxidationsstress-Biomarker einschließlich des Glutathionstatus nachweisbar war.

Kernergebnisse

  1. Kein signifikanter Unterschied der urinären F2-Isoprostane zwischen Glutathion- und Placebogruppe (p=0,38)
  2. Kein signifikanter Unterschied des urinären 8-Hydroxy-2'-Desoxyguanosin (p=0,27)
  3. Kein Anstieg von reduziertem Glutathion, oxidiertem Glutathion oder des GSH/GSSG-Verhältnisses im Blut
  4. 1000 mg/Tag oral über 4 Wochen reichten bei Gesunden nicht aus, um den systemischen Glutathionpool messbar zu erhöhen
  5. 39 von 40 randomisierten Teilnehmenden beendeten die Studie; keine auffälligen Verträglichkeitsprobleme berichtet
Limitationen

Kleine Stichprobe (n=40) mit entsprechend begrenzter statistischer Power, sodass kleine Effekte übersehen worden sein können. Untersucht wurden ausschließlich gesunde Erwachsene mit vermutlich normalem Redoxstatus - bei diesen ist ein Ausgangsdefizit, das sich auffüllen liesse, kaum zu erwarten; auf Patienten mit erhöhtem oxidativem Stress oder nachgewiesenem Glutathionmangel sind die Ergebnisse nicht ohne Weiteres übertragbar. Dauer (4 Wochen) und Dosis waren fix; höhere Dosen, andere Darreichungsformen (z.B. liposomal, sublingual, intravenös) oder Vorläufer wie N-Acetylcystein wurden nicht geprüft. Die Studie wurde an einer naturheilkundlichen Hochschule (Bastyr University) durchgeführt; die Präparatequelle bzw. Finanzierung ist aus dem Abstract nicht vollständig ersichtlich - der Interessenkonflikt würde hier allerdings eher gegen ein Nullergebnis sprechen.

Was heißt das praktisch

Diese Studie ist ein klarer negativer Befund: Einfaches orales Glutathion in Standarddosierung (1000 mg/Tag über 4 Wochen) veränderte bei Gesunden weder Blutspiegel noch Oxidationsstressmarker. Wer Glutathion erwägt, sollte nicht davon ausgehen, dass Kapseln den körpereigenen Glutathionstatus zuverlässig anheben, und den Nutzen kritisch prüfen.