Übersicht/Epithalon/Studie

Studie · Humanstudie (RCT)

Peptid-Geroprotektor aus der Zirbeldrüse hemmt beschleunigtes Altern bei älteren Menschen: Ergebnisse einer 15-Jahres-Nachbeobachtung

Peptide geroprotector from the pituitary gland inhibits rapid aging of elderly people: results of 15-year follow-up

Humanstudie (RCT)

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Autoren
Korkushko OV, Khavinson VKh, Shatilo VB, Antonyk-Sheglova IA
Jahr
2011
Journal
Bulletin of Experimental Biology and Medicine 151(3):366-9
Modell / Stichprobe
n=79 ältere Patienten mit koronarer Herzkrankheit und beschleunigt alterndem Herz-Kreislauf-System; 39 Verum, 40 Kontrolle
Dosis im Versuch
Epithalamin (Peptidextrakt aus der Zirbeldrüse), 6 Behandlungskurse über 3 Jahre zusätzlich zur Basistherapie; Kontrollgruppe nur Basistherapie. Nachbeobachtung insgesamt 15 Jahre. Konkrete Einzeldosis, Applikationsweg (in früheren Arbeiten dieser Gruppe intramuskulär) und Kursdauer werden im Abstract nicht angegeben.
Quelle
PMID 22451889 ↗  ·  DOI ↗

Zusammenfassung

Randomisierte, kontrollierte Vergleichsstudie einer ukrainisch-russischen Arbeitsgruppe um Korkushko und Khavinson. 39 ältere Patienten mit koronarer Herzkrankheit erhielten über drei Jahre zusätzlich zur Standardtherapie sechs Kurse Epithalamin, einem Peptidpräparat aus der Zirbeldrüse; 40 vergleichbare Koronarpatienten bildeten die Kontrollgruppe mit alleiniger Basistherapie. Anschließend wurde die Kohorte über insgesamt 15 Jahre nachverfolgt.

Laut Abstract verlangsamte die Langzeitbehandlung die Alterung des Herz-Kreislauf-Systems (gemessen am sogenannten "kardiovaskulären Alter" der Autoren), verhinderte den altersbedingten Abfall der körperlichen Belastbarkeit, normalisierte den zirkadianen Rhythmus der Melatoninproduktion und verbesserte Kohlenhydrat- und Fettstoffwechsel. In der Epithalamin-Gruppe war die Sterblichkeit über den Nachbeobachtungszeitraum signifikant niedriger als in der Kontrollgruppe.

Wichtig für die Einordnung: Der Titel spricht von der Hypophyse, der Abstracttext selbst nennt die Zirbeldrüse - Epithalamin ist ein Extrakt aus der Epiphyse (Zirbeldrüse), nicht aus der Hypophyse. Untersucht wurde also der natürliche Peptidextrakt Epithalamin, nicht das synthetische Tetrapeptid Epithalon (AEDG, Ala-Glu-Asp-Gly). Der Abstract enthält keine konkreten Zahlenwerte zu Sterblichkeit, Endpunkten oder Effektgrößen.

Kernergebnisse

  1. Randomisierte Vergleichsstudie mit 39 Epithalamin-Patienten vs. 40 Kontrollen (koronare Herzkrankheit, höheres Lebensalter), 6 Kurse über 3 Jahre, Nachbeobachtung 15 Jahre
  2. Signifikant niedrigere Gesamtsterblichkeit in der Epithalamin-Gruppe (konkrete Zahlen und p-Werte im Abstract nicht angegeben)
  3. Verlangsamte Zunahme des von den Autoren definierten 'kardiovaskulären Alters' gegenüber der Kontrollgruppe
  4. Erhalt der körperlichen Belastbarkeit; Normalisierung des zirkadianen Melatoninrhythmus
  5. Verbesserung von Kohlenhydrat- und Lipidstoffwechselparametern (ohne quantitative Angaben im Abstract)
Limitationen

Sehr kleine Stichprobe (n=79) für einen Mortalitätsendpunkt, dadurch hohe Zufallsanfälligkeit; keine Angabe zu Verblindung oder Placebokontrolle - die Kontrollgruppe erhielt offenbar nur Basistherapie, also eine offene Studie ohne Scheinbehandlung. Dosis, Applikationsweg und Kurslänge werden im Abstract nicht berichtet, ebenso fehlen konkrete Effektgrößen, Konfidenzintervalle und Angaben zu Drop-outs über die 15 Jahre. Der Endpunkt 'kardiovaskuläres Alter' ist ein von derselben Arbeitsgruppe entwickeltes, außerhalb dieser Schule kaum genutztes Konstrukt. Alle Arbeiten zu Epithalamin/Epithalon stammen im Wesentlichen aus dem Umfeld von V. Kh. Khavinson, der als Entwickler und Patentinhaber der Präparate in einem klaren Interessenkonflikt steht; unabhängige Replikationen außerhalb Russlands und der Ukraine fehlen bislang. Die Publikation ist eine Kurzmitteilung (4 Seiten) in einem Journal mit begrenzter internationaler Rezeption.

Was heißt das praktisch

Diese Studie ist die am häufigsten zitierte Quelle für die Behauptung, Epithalon verlängere das Leben - untersucht wurde jedoch der Zirbeldrüsenextrakt Epithalamin bei Koronarpatienten, nicht das synthetische Peptid Epithalon, und das an einer sehr kleinen, unverblindeten Stichprobe aus dem Labor des Erfinders. Wer über Epithalon nachdenkt, sollte sie als schwaches, nicht unabhängig repliziertes Signal werten und nicht als belastbaren Nachweis einer lebensverlängernden Wirkung beim Menschen.