Übersicht/Kisspeptin/Studie

Studie · Humanstudie (RCT)

Doppelblinde, randomisierte, placebokontrollierte Studie zu Sicherheit, Verträglichkeit, Pharmakokinetik und Pharmakodynamik von TAK-683, einem Metastin-Analogon in Prüfung, bei gesunden Männern

Double-blind, randomized, placebo-controlled study of safety, tolerability, pharmacokinetics and pharmacodynamics of TAK-683, an investigational metastin analogue in healthy men

Humanstudie (RCT)

Stärkste Evidenzstufe hier

Autoren
Scott G, Ahmad I, Howard K, MacLean D, Oliva C, Warrington S, Wilbraham D, Worthington P
Jahr
2013
Journal
British Journal of Clinical Pharmacology
Modell / Stichprobe
Zwei Phase-I-Studien an gesunden Männern: Studie 1 n=60 (Einzeldosen), Studie 2 n=30 (Mehrfachdosis über 14 Tage); randomisiert, doppelblind, placebokontrolliert
Dosis im Versuch
Studie 1: subkutane Einzeldosen von 0,01 bis 2,0 mg. Studie 2: subkutaner Bolus gefolgt von kontinuierlicher subkutaner Infusion bis 2,0 mg/Tag über 14 Tage.
Quelle
PMID 22803642 ↗  ·  DOI ↗

Zusammenfassung

TAK-683 ist ein synthetisches Analogon von Metastin (dem Peptidprodukt des KISS1-Gens, besser bekannt als Kisspeptin). Der Wirkstoff wurde in zwei randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Phase-I-Studien an insgesamt 90 gesunden Männern untersucht. Die erste Studie prüfte aufsteigende subkutane Einzeldosen von 0,01 bis 2,0 mg bei 60 Probanden, die zweite eine Bolusgabe mit anschliessender kontinuierlicher subkutaner Infusion über 14 Tage bei 30 Probanden. Endpunkte waren Sicherheit und Verträglichkeit, pharmakokinetische Kennwerte sowie die hormonelle Antwort (Testosteron, LH, FSH).

TAK-683 wurde bis 2,0 mg/Tag als 14-tägige kontinuierliche subkutane Infusion gut vertragen; die Häufigkeit unerwünschter Ereignisse unterschied sich über alle Dosisstufen nicht relevant von Placebo. Pharmakokinetisch zeigte sich ein günstiges Profil. Pharmakodynamisch trat der für Kisspeptin-Agonisten typische Effekt ein: Bei kontinuierlicher Gabe kam es nicht zu einer anhaltenden Stimulation der Gonadenachse, sondern nach initialer Aktivierung zu einer Desensibilisierung mit deutlichem Abfall von LH und FSH. Bei vier von fünf Probanden der höchsten kontinuierlichen Dosisgruppe lag das Testosteron bis Tag 7 unter dem Kastrationsniveau (<50 ng/dl).

Die Autoren schlussfolgern, dass subkutan appliziertes TAK-683 gut verträglich ist und eine weitere Untersuchung von Metastin-Analoga zur Behandlung des kastrationsresistenten Prostatakarzinoms rechtfertigt. Ein Wirksamkeitsnachweis bei Patienten wurde hier nicht erbracht; es handelt sich ausschließlich um gesunde Probanden.

Kernergebnisse

  1. Zwei RCTs mit insgesamt 90 gesunden Männern: n=60 subkutane Einzeldosen 0,01-2,0 mg, n=30 Bolus plus 14-tägige kontinuierliche s.c. Infusion.
  2. TAK-683 war bis 2,0 mg/Tag über 14 Tage kontinuierlicher s.c. Infusion gut verträglich; unerwünschte Ereignisse entsprachen über alle Dosen dem Placeboniveau.
  3. Kontinuierliche Gabe führte zur Desensibilisierung der Gonadenachse: LH und FSH fielen deutlich ab statt anhaltend zu steigen.
  4. Bei 4 von 5 Probanden sank Testosteron bis Tag 7 der kontinuierlichen Gabe unter das Kastrationsniveau von <50 ng/dl.
  5. Die Pharmakokinetik wurde als günstig für eine kontinuierliche subkutane Anwendung beschrieben.
Limitationen

Reine Phase-I-Studien an kleinen Kollektiven gesunder junger Männer; die zentrale pharmakodynamische Aussage zur Testosteronsuppression beruht auf nur 5 Probanden in der relevanten Dosisgruppe und ist damit statistisch sehr schwach abgesichert. Die Beobachtungsdauer betrug maximal 14 Tage, sodass Langzeitsicherheit, Erholung der Gonadenachse nach Absetzen und klinische Endpunkte offen bleiben. Es wurden keine Patienten mit Prostatakarzinom untersucht, die Übertragbarkeit auf die angestrebte Indikation ist daher nicht belegt. TAK-683 ist eine Substanz von Takeda; mehrere Autoren sind dem Sponsor bzw. beauftragten Auftragsforschungsinstituten zuzuordnen, ein Interessenkonflikt ist anzunehmen. Der Volltext war über die genutzten Zugänge nicht frei abrufbar, weshalb sich die Angaben auf das Abstract und die PubMed-/Europe-PMC-Metadaten stützen.

Was heißt das praktisch

Die Studie zeigt den wichtigsten Punkt für jeden, der über Kisspeptin nachdenkt: Kurze, pulsatile Gabe stimuliert die Gonadenachse, kontinuierliche Gabe bewirkt das Gegenteil und kann Testosteron bis unter Kastrationsniveau senken. Dosierungsschema und Applikationsweg entscheiden also über die Wirkrichtung, nicht die Substanz allein.