Übersicht/Glutathion/Studie

Studie · Humanstudie (RCT)

Inhalationsbehandlung mit Glutathion bei Patienten mit Mukoviszidose. Eine randomisierte klinische Studie

Inhalation treatment with glutathione in patients with cystic fibrosis. A randomized clinical trial

Humanstudie (RCT)

Stärkste Evidenzstufe hier

Autoren
Griese M, Kappler M, Eismann C, Ballmann M, Junge S, et al. (Glutathione Study Group)
Jahr
2013
Journal
American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine
Modell / Stichprobe
n=153 Patienten mit zystischer Fibrose (Mukoviszidose), Alter ab 8 Jahren, multizentrisch (Deutschland)
Dosis im Versuch
646 mg Glutathion pro Inhalation, vernebelt, alle 12 Stunden (2x täglich) über 6 Monate; Kontrollgruppe erhielt Placebo
Quelle
PMID 23631796 ↗  ·  DOI ↗

Zusammenfassung

Untersucht wurde, ob die Inhalation von reduziertem Glutathion die Lungenfunktion bei Mukoviszidose verbessert. Hintergrund ist die Beobachtung, dass Glutathion das wichtigste Antioxidans in der Flüssigkeitsschicht der Atemwege ist und bei CF-Patienten vermindert vorliegt. Die Studie war randomisiert, doppelblind und placebokontrolliert; 153 Patienten ab 8 Jahren inhalierten über 6 Monate zweimal täglich 646 mg Glutathion oder Placebo.

Der primäre Endpunkt, die absolute FEV1 (Einsekundenkapazität) im Verlauf der 6 Monate, zeigte keinen signifikanten Unterschied zwischen Glutathion- und Placebogruppe. In einer explorativen Auswertung fand sich nach 3 Monaten ein Vorteil von etwa 100 ml bzw. 2,2 Prozentpunkten des Sollwerts gegenüber Placebo, der sich bis Monat 6 nicht bestätigte bzw. nicht erhalten blieb.

Auch die sekundären Endpunkte blieben negativ: keine Verringerung pulmonaler Exazerbationen, keine Verbesserung der Lebensqualität. Obwohl die Substanz nachweislich in die Lunge gelangte, liess sich weder eine Verminderung des oxidativen Stresses noch ein antiinflammatorischer Effekt nachweisen. Die Autoren schlussfolgern, dass inhaliertes Glutathion in der verwendeten Dosis keine klinisch relevante Verbesserung bewirkt.

Kernergebnisse

  1. Primärer Endpunkt verfehlt: keine signifikante Differenz der absoluten FEV1 zwischen Glutathion und Placebo über 6 Monate
  2. Nur explorativ und nur zum Zeitpunkt 3 Monate ein FEV1-Vorteil von rund 100 ml bzw. 2,2 % des Sollwerts gegenüber Placebo
  3. Keine Reduktion pulmonaler Exazerbationen unter Glutathion
  4. Keine Verbesserung der Lebensqualität
  5. Trotz nachgewiesener Deposition in der Lunge kein Hinweis auf verminderten oxidativen Stress und keine antiinflammatorische Wirkung
Limitationen

Die Studie prüft nur eine Dosis (646 mg alle 12 h) und einen Applikationsweg (Vernebelung) über 6 Monate; höhere Dosen, andere Formulierungen oder längere Behandlungsdauern wurden nicht getestet. Der explorative 3-Monats-Befund ist multiples Testen ohne Adjustierung und daher nicht belastbar. Die Ergebnisse gelten für eine spezifische Erkrankung (zystische Fibrose) mit ausgeprägtem oxidativem Stress und sind nicht auf gesunde Personen oder andere Indikationen übertragbar. Eine Sponsorenbeteiligung des Herstellers der Inhalationslösung ist bei Studien dieser Größe üblich und in der Publikation offengelegt.

Was heißt das praktisch

Die Studie ist ein deutlich negatives Ergebnis: Inhaliertes Glutathion verbesserte weder Lungenfunktion noch Entzündungs- oder Oxidationsmarker, obwohl es die Lunge erreichte. Wer Glutathion zur Inhalation oder generell zur Senkung von oxidativem Stress erwägt, sollte wissen, dass die bislang größte kontrollierte Studie dazu keinen klinischen Nutzen zeigen konnte.