Übersicht/Glutathion/Studie

Studie · Humanstudie (RCT)

NCCTG/Alliance-Studie N08CA - Glutathion zur Vorbeugung der durch Paclitaxel/Carboplatin ausgelösten peripheren Neuropathie: eine randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Phase-3-Studie

North Central Cancer Treatment Group/Alliance trial N08CA-the use of glutathione for prevention of paclitaxel/carboplatin-induced peripheral neuropathy: a phase 3 randomized, double-blind, placebo-controlled study

Humanstudie (RCT)

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Autoren
Leal AD, Qin R, Atherton PJ, Haluska P, Behrens RJ, Tiber CH, Watanaboonyakhet P, Weiss M, Adams PT, Dockter TJ, Loprinzi CL, et al.
Jahr
2014
Journal
Cancer
Modell / Stichprobe
n=185 Krebspatientinnen und -patienten unter Chemotherapie mit Paclitaxel/Carboplatin (94 Glutathion, 91 Placebo), Einschluss 2009-2011, multizentrisch (North Central Cancer Treatment Group/Alliance)
Dosis im Versuch
1,5 g/m2 Körperoberfläche Glutathion als intravenöse Infusion, verabreicht jeweils unmittelbar vor jedem Chemotherapiezyklus; Kontrollgruppe erhielt Placebo. Begleitend zur laufenden Chemotherapie über die Behandlungsdauer.
Quelle
PMID 24619793 ↗  ·  DOI ↗

Zusammenfassung

Untersucht wurde, ob intravenös verabreichtes Glutathion die chemotherapie-induzierte periphere Neuropathie (CIPN) unter einer Kombinationstherapie mit Paclitaxel und Carboplatin verhindern kann. Dazu wurden 185 Patientinnen und Patienten in einer randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Phase-3-Studie entweder 1,5 g/m2 Glutathion (n=94) oder Placebo (n=91) jeweils vor der Chemotherapie infundiert.

Die Neuropathie wurde mit mehreren etablierten Instrumenten erfasst (unter anderem patientenberichtete Skalen und ärztliche Toxizitätsbewertung). Zusätzlich wurden das akute Paclitaxel-Schmerzsyndrom und der Krankheitsverlauf betrachtet.

Es zeigten sich keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den beiden Studienarmen - weder in Auftreten und Schweregrad der peripheren Neuropathie noch beim akuten Schmerzsyndrom oder beim Krankheitsverlauf. Die Autoren schlussfolgern ausdrücklich, dass die Daten den Einsatz von Glutathion zur Vorbeugung einer Paclitaxel/Carboplatin-induzierten CIPN nicht stützen. Es handelt sich also um ein klar negatives Studienergebnis.

Kernergebnisse

  1. 185 randomisierte Patientinnen und Patienten (94 Glutathion i.v. 1,5 g/m2, 91 Placebo), Phase 3, doppelblind.
  2. Kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen Glutathion und Placebo bei der peripheren Neurotoxizität, gemessen mit mehreren Bewertungsskalen.
  3. Kein Vorteil von Glutathion beim akuten Paclitaxel-Schmerzsyndrom.
  4. Kein Unterschied im Krankheitsverlauf bzw. der Progression zwischen den Gruppen.
  5. Fazit der Autoren: Die Ergebnisse stützen den Einsatz von Glutathion zur CIPN-Prävention bei Paclitaxel/Carboplatin nicht.
Limitationen

Die Studie betrifft ausschließlich die Kombination Paclitaxel/Carboplatin; Aussagen zu anderen neurotoxischen Chemotherapeutika (z. B. Oxaliplatin oder Cisplatin, wo ältere Arbeiten teils positive Signale zeigten) lassen sich daraus nicht ableiten. Die Erfassung der Neuropathie beruht teilweise auf subjektiven Skalen, und eine Studie dieser Größe kann sehr kleine Effekte übersehen. Untersucht wurde nur die intravenöse Gabe in einem definierten Zeitfenster vor der Chemotherapie - andere Dosierungen, Zeitpunkte oder Applikationswege (z. B. oral oder liposomal) wurden nicht geprüft. Die Studie wurde im Rahmen der kooperativen Onkologiegruppe NCCTG/Alliance (US-amerikanische, öffentlich geförderte Studiengruppe) durchgeführt; ein kommerzielles Interesse an einem positiven Glutathion-Ergebnis ist nicht erkennbar, was das negative Ergebnis eher glaubwürdiger macht.

Was heißt das praktisch

Für den konkreten Fall der Nervenschädigung unter Paclitaxel/Carboplatin bietet intravenöses Glutathion nach dieser gut angelegten Phase-3-Studie keinen nachweisbaren Schutz. Wer Glutathion aus anderen Gründen erwägt, sollte diese Studie als Beispiel dafür werten, dass plausible antioxidative Wirkmechanismen sich im kontrollierten Versuch nicht automatisch in klinischen Nutzen übersetzen.