Übersicht/MT-2 (Melanotan II)/Studie

Studie · In-vitro

Identifizierung und Charakterisierung von illegal im Internet verkauften Melanotan-II-Bräunungsprodukten mittels LC-UV-MS/MS

Identification and characterization by LC-UV-MS/MS of melanotan II skin-tanning products sold illegally on the Internet

In-vitro

Nur Zellkultur — weit vom Menschen entfernt

Autoren
Breindahl T, Evans-Brown M, Hindersson P, McVeigh J, Bellis M, Stensballe A, Kimergård A
Jahr
2015
Journal
Drug Testing and Analysis
Modell / Stichprobe
Laboranalyse (keine Probanden): Melanotan-II-Vials, die als injizierbare Bräunungsmittel von drei verschiedenen Online-Händlern gekauft wurden
Dosis im Versuch
Keine Verabreichung am Menschen. Untersucht wurde der deklarierte Inhalt der Vials: beworben als 10 mg Melanotan II pro Vial zur subkutanen Injektion. Analytik per Flüssigchromatographie mit UV-Detektion und Tandem-Massenspektrometrie (LC-UV-MS/MS), inklusive Methodenvalidierung.
Quelle
PMID 24771717 ↗  ·  DOI ↗

Zusammenfassung

Die Arbeit ist keine klinische Studie, sondern eine analytisch-chemische Produktuntersuchung. Die Autoren entwickelten und validierten eine LC-UV-MS/MS-Methode, um Vials zu prüfen, die im Internet als injizierbare Melanotan-II-Bräunungsprodukte angeboten wurden. Die Proben stammten von drei unterschiedlichen Online-Anbietern.

In allen untersuchten Produkten liess sich der synthetische Melanocortin-Rezeptor-Agonist Melanotan II tatsächlich nachweisen – es handelte sich also nicht um komplette Fälschungen ohne Wirkstoff. Die Qualität war jedoch durchgehend mangelhaft: Der tatsächliche Melanotan-II-Gehalt lag zwischen 4,32 und 8,84 mg pro Vial und damit deutlich unter den beworbenen 10 mg. Bei zwei der drei Anbieter fanden sich zusätzlich unbekannte Verunreinigungen im Bereich von 4,1 bis 5,9 Prozent, deren chemische Identität und toxikologische Bedeutung ungeklärt blieben.

Die Autoren schließen daraus, dass Anwender dieser Produkte einer Reihe potenzieller Schäden ausgesetzt sind – sowohl durch die unkontrollierte, teils erheblich abweichende Dosierung als auch durch nicht charakterisierte Begleitstoffe. Die Arbeit macht keine Aussagen zu Wirksamkeit, Verträglichkeit oder Sicherheit von Melanotan II selbst; sie beschreibt ausschließlich die Produktqualität auf dem grauen Markt.

Kernergebnisse

  1. Melanotan II war in den Produkten aller drei untersuchten Online-Anbieter analytisch nachweisbar (kein Totalausfall des Wirkstoffs).
  2. Der tatsächliche Wirkstoffgehalt lag bei 4,32 bis 8,84 mg pro Vial gegenüber den beworbenen 10 mg – im ungünstigsten Fall unter 45 Prozent der Deklaration.
  3. Produkte von zwei der drei Anbieter enthielten unbekannte Verunreinigungen mit einem Anteil von 4,1 bis 5,9 Prozent.
  4. Die Identität und toxikologische Relevanz dieser Verunreinigungen konnte nicht geklärt werden.
  5. Eine validierte LC-UV-MS/MS-Methode zur Identifizierung und Reinheitsbestimmung von Melanotan II wurde etabliert.
Limitationen

Es handelt sich um eine reine Laboranalyse ohne biologische oder klinische Endpunkte; Aussagen zu Wirkung oder Sicherheit am Menschen sind daraus nicht ableitbar. Die Stichprobe ist sehr klein (Produkte von nur drei Online-Händlern) und stammt aus dem Zeitraum vor 2014, sodass die Befunde nicht repräsentativ für den heutigen, sich schnell verändernden Online-Markt sind. Sterilität, endotoxinbezogene Belastung und mikrobiologische Qualität wurden nicht untersucht, obwohl diese bei injizierbaren Produkten sicherheitsrelevant sind. Die nachgewiesenen Verunreinigungen wurden nicht strukturell aufgeklärt. Angaben zu Interessenkonflikten oder kommerziellem Sponsoring sind im Abstract nicht enthalten; mehrere Autoren stammen aus dem öffentlichen Gesundheits- bzw. Forensikbereich.

Was heißt das praktisch

Wer über MT-2 nachdenkt, sollte wissen, dass im Graumarkt gekaufte Vials in dieser Untersuchung systematisch weniger Wirkstoff enthielten als deklariert (teils nur rund die Hälfte) und zusätzlich mehrere Prozent unbekannter Verunreinigungen aufwiesen. Die tatsächlich injizierte Dosis ist damit unbekannt, und das Risiko geht über die pharmakologische Wirkung von Melanotan II hinaus.