Übersicht/CJC-1295 (ohne DAC) + Ipamorelin/Studie

Studie · Humanstudie (RCT)

Prospektive, randomisierte, kontrollierte Proof-of-Concept-Studie zum Ghrelin-Mimetikum Ipamorelin zur Behandlung des postoperativen Ileus bei Patienten nach Darmresektion

Prospective, randomized, controlled, proof-of-concept study of the Ghrelin mimetic ipamorelin for the management of postoperative ileus in bowel resection patients

Humanstudie (RCT)

Stärkste Evidenzstufe hier

Autoren
Beck DE, Sweeney WB, McCarter MD, et al. (Ipamorelin 201 Study Group)
Jahr
2014
Journal
International Journal of Colorectal Disease
Modell / Stichprobe
n=114 erwachsene Patienten nach Dünn- oder Dickdarmresektion, multizentrische Phase-2-Studie
Dosis im Versuch
0,03 mg/kg Ipamorelin als intravenöse Infusion zweimal täglich vs. Placebo, postoperativer Tag 1 bis maximal Tag 7
Quelle
PMID 25331030 ↗  ·  DOI ↗

Zusammenfassung

Untersucht wurde, ob das Ghrelin-Rezeptor-Agonist bzw. Ghrelin-Mimetikum Ipamorelin den postoperativen Ileus nach Darmresektion verkürzen kann. Es handelte sich um eine multizentrische, doppelblinde, placebokontrollierte, randomisierte Phase-2-Studie mit 114 Patienten, die nach Dünn- oder Dickdarmresektion zweimal täglich 0,03 mg/kg Ipamorelin intravenös oder Placebo erhielten, vom ersten bis maximal zum siebten postoperativen Tag.

Primärer Endpunkt war die Zeit von der ersten Studienmedikationsgabe bis zur Toleranz einer standardisierten festen Mahlzeit. Die mediane Zeit bis zur ersten tolerierten Mahlzeit betrug 25,3 Stunden unter Ipamorelin und 32,6 Stunden unter Placebo. Dieser Unterschied von rund sieben Stunden war statistisch nicht signifikant (p = 0,15). Auch in den sekundären Wirksamkeitsanalysen zeigten sich keine signifikanten Unterschiede zwischen Ipamorelin und Placebo.

Die Verträglichkeit war gut: Die Rate unerwünschter Ereignisse lag mit 87,5 Prozent unter Ipamorelin sogar etwas niedriger als unter Placebo mit 94,8 Prozent. Das Fazit der Autoren ist damit ein Sicherheitssignal ohne Wirksamkeitsnachweis: Ipamorelin war in dieser Indikation gut verträglich, konnte aber keinen klinisch belastbaren Vorteil gegenüber Placebo belegen.

Kernergebnisse

  1. Primärer Endpunkt verfehlt: mediane Zeit bis zur ersten tolerierten festen Mahlzeit 25,3 h (Ipamorelin) vs. 32,6 h (Placebo), p = 0,15 – nicht signifikant.
  2. Keine signifikanten Unterschiede in den sekundären Wirksamkeitsanalysen zwischen Verum und Placebo.
  3. Dosierung 0,03 mg/kg i.v. zweimal täglich über bis zu 7 postoperative Tage bei 114 Patienten nach Darmresektion.
  4. Gute Verträglichkeit: unerwünschte Ereignisse bei 87,5 % (Ipamorelin) vs. 94,8 % (Placebo).
  5. Es blieb bei einem numerischen Trend von etwa 7 Stunden zugunsten von Ipamorelin, der die statistische Signifikanz nicht erreichte.
Limitationen

Es handelt sich um eine relativ kleine Proof-of-Concept-Studie der Phase 2 (n=114), die statistisch nicht ausreichend gepowert war, um einen moderaten Effekt sicher nachzuweisen; der beobachtete Trend könnte Zufall sein. Untersucht wurde ausschließlich ein akutes postoperatives Setting mit intravenöser Gabe über wenige Tage – Aussagen zu subkutaner Langzeitanwendung, Körperzusammensetzung, IGF-1 oder Anti-Aging-Effekten lassen sich daraus nicht ableiten. Die Studie wurde von einer Studiengruppe (Ipamorelin 201 Study Group) im Rahmen einer industriegetriebenen Arzneimittelentwicklung durchgeführt; ein Sponsoreninteresse ist anzunehmen. Die Entwicklung von Ipamorelin für diese Indikation wurde nach diesen Ergebnissen nicht erfolgreich weitergeführt.

Was heißt das praktisch

Die Studie ist eine der wenigen kontrollierten Humanstudien zu Ipamorelin und zeigt vor allem eines: kurzfristige intravenöse Gabe war sicher und gut verträglich, ein klinischer Wirksamkeitsnachweis fehlte jedoch. Wer CJC-1295 + Ipamorelin erwägt, sollte wissen, dass für Ipamorelin keine belastbaren Humandaten zu Wirksamkeit bei Muskelaufbau, Regeneration oder Fettabbau vorliegen – die vorhandene Evidenz betrifft eine andere Indikation und war negativ.