Übersicht/GHK-Cu/Studie

Studie · Tierstudie

Der Tripeptid-Kupfer-Komplex GHK-Cu(II) verbesserte die Heilung im Rattenmodell der Kreuzbandrekonstruktion nur vorübergehend

Tripeptide-copper complex GHK-Cu (II) transiently improved healing outcome in a rat model of ACL reconstruction

Tierstudie

Nur Tiermodell — nicht auf den Menschen übertragbar

Autoren
Fu SC, Cheuk YC, Chiu WYV, Yung SH, Rolf CG, Chan KM
Jahr
2015
Journal
Journal of Orthopaedic Research
Modell / Stichprobe
72 Spragü-Dawley-Ratten mit einseitiger vorderer Kreuzbandrekonstruktion (ACLR), randomisiert auf drei Gruppen zu je n=24 (Kochsalzlösung, 0,3 mg/ml GHK-Cu, 3 mg/ml GHK-Cu)
Dosis im Versuch
GHK-Cu 0,3 mg/ml oder 3 mg/ml, intraartikuläre Injektion in das operierte Kniegelenk, beginnend ab Woche 2 nach der Operation, einmal wöchentlich über 4 Wochen; Nachbeobachtung bis 6 bzw. 12 Wochen postoperativ
Quelle
PMID 25731775 ↗  ·  DOI ↗

Zusammenfassung

Untersucht wurde, ob der Tripeptid-Kupfer-Komplex GHK-Cu die biologische Einheilung eines Sehnentransplantats nach vorderer Kreuzbandrekonstruktion verbessert. 72 Spragü-Dawley-Ratten erhielten nach einseitiger ACLR randomisiert intraartikuläre Injektionen mit Kochsalzlösung, 0,3 mg/ml oder 3 mg/ml GHK-Cu, jeweils ab der zweiten postoperativen Woche einmal wöchentlich über vier Wochen. Endpunkte waren Ganganalyse (vor der Verletzung und zum Entnahmezeitpunkt), Knielaxitätsmessung, Ausreisstest des Transplantats sowie Histologie nach 6 bzw. 12 Wochen.

Nach 6 Wochen zeigten beide GHK-Cu-Gruppen eine geringere Seitendifferenz der Knielaxität als die Kochsalzgruppe (p = 0,009); der Transplantatkomplex der Niedrigdosisgruppe (0,3 mg/ml) wies zudem eine höhere Steifigkeit auf (p = 0,026). Bei der Maximalkraft (ultimate load), den Gangparametern und den histologischen Scores fanden sich dagegen keine signifikanten Gruppenunterschiede. Alle Transplantate versagten im Ausreisstest in der Mitte des Transplantats (mid-substance), nicht an der Verankerung.

Nach 12 Wochen, also rund sechs Wochen nach Absetzen der Behandlung, waren die Unterschiede in Laxität und Steifigkeit nicht mehr nachweisbar. Die Autoren schließen, dass GHK-Cu die Transplantateinheilung zwar verbessert, der Effekt nach Therapieende jedoch nicht anhält.

Kernergebnisse

  1. Geringere Seitendifferenz der Knielaxität in beiden GHK-Cu-Gruppen gegenüber Kochsalzlösung nach 6 Wochen (p = 0,009)
  2. Höhere Steifigkeit des Transplantatkomplexes nur in der Niedrigdosisgruppe 0,3 mg/ml nach 6 Wochen (p = 0,026); kein Dosis-Wirkungs-Trend zugunsten der höheren Dosis
  3. Keine signifikanten Unterschiede bei Maximalbelastbarkeit (ultimate load), Gangparametern und histologischen Scores zu keinem Zeitpunkt
  4. Nach 12 Wochen (ca. 6 Wochen nach Behandlungsende) keine signifikanten Vorteile mehr - der Effekt war vorübergehend
  5. Alle Transplantate versagten im Ausreisstest mittig im Transplantat, was auf eine ausreichende knöcherne Verankerung in allen Gruppen hindeutet
Limitationen

Reine Tierstudie an Ratten mit kleinem Knie- und Transplantatmodell; die Biomechanik, die Belastung und der Heilungsverlauf sind nur eingeschränkt auf den Menschen übertragbar. Die Applikation erfolgte invasiv intraartikulär, nicht topisch oder systemisch, und lässt daher keine Rückschlüsse auf kosmetische oder oral/subkutan verabreichte Anwendungen zu. Die positiven Effekte betrafen sekundäre mechanische Kennwerte ohne Bestätigung durch Histologie oder Funktion (Gang), waren nur zu einem von zwei Zeitpunkten nachweisbar und zeigten keine konsistente Dosisabhängigkeit, was das Risiko von Zufallsbefunden bei multiplen Endpunkten erhöht. Angaben zu Interessenkonflikten oder Sponsoring sind aus dem Abstract nicht ersichtlich.

Was heißt das praktisch

Die Studie liefert einen Hinweis darauf, dass GHK-Cu Bindegewebsheilung kurzfristig begünstigen kann, zeigt aber ebenso deutlich, dass der Effekt nach Absetzen verschwindet und sich weder in Belastbarkeit noch Gewebestruktur niederschlägt. Für die Anwendung beim Menschen ist daraus kein Nutzen abzuleiten - insbesondere nicht für topische oder systemische Anwendungsformen, da hier hochdosiert direkt ins Gelenk injiziert wurde.