Übersicht/Selank/Studie

Studie · Humanstudie (RCT)

Optimierung der Behandlung von Angststörungen mit Selank

Optimization of the treatment of anxiety disorders with selank

Humanstudie (RCT)

Stärkste Evidenzstufe hier

Autoren
Medvedev VE, Tereshchenko ON, Kost NV, Ter-Israelyan AYu, Gushanskaya EV, Chobanu IK, Sokolov OYu, Myasoedov NF
Jahr
2015
Journal
Zhurnal Nevrologii i Psikhiatrii imeni S.S. Korsakova (Zh Nevrol Psikhiatr Im S S Korsakova) 115(6):33-40
Modell / Stichprobe
n=70 Patienten mit Angststörungen (angst-phobische, hypochondrische und somatoforme Störungen); 30 Patienten Monotherapie mit Phenazepam, 40 Patienten Kombination Phenazepam + Selank
Dosis im Versuch
Selank als Zusatz zur Phenazepam-Behandlung; konkrete Dosis, Applikationsweg (in der russischen Praxis intranasal) und Behandlungsdauer sind im verfügbaren englischsprachigen Abstract nicht angegeben
Quelle
PMID 26356395 ↗  ·  DOI ↗

Zusammenfassung

Die randomisierte kontrollierte Studie untersuchte, ob sich die Behandlung von Angststörungen durch die Kombination des Benzodiazepins Phenazepam mit dem Peptidpräparat Selank verbessern lässt. Verglichen wurden 30 Patienten unter Phenazepam-Monotherapie mit 40 Patienten unter Phenazepam plus Selank. Eingeschlossen waren Patienten mit angst-phobischen, hypochondrischen und somatoformen Störungen. Endpunkte waren die Angst- bzw. Depressionsschwere (HDRS), das Auftreten unerwünschter Wirkungen des Benzodiazepins sowie die Lebensqualität (SF-36).

Nach Angaben der Autoren trat der positive Effekt von Phenazepam unter der Kombination mit Selank früher ein (gemessen an der HDRS). Zusätzlich sei das Ausmaß benzodiazepin-typischer Nebenwirkungen geringer gewesen, insbesondere Aufmerksamkeits- und Gedächtnisstörungen sowie Sedierung. Auch die Lebensqualitätswerte im SF-36 fielen in der Kombinationsgruppe günstiger aus.

Die Autoren schließen daraus, dass die Kombination eines Benzodiazepin-Tranquilizers mit Selank die therapeutischen Möglichkeiten bei Störungen des Angstspektrums erweitert. Selank wurde in dieser Studie nicht als Monotherapie geprüft, sondern ausschließlich als Zusatz zu Phenazepam; eine Aussage zur alleinigen anxiolytischen Wirksamkeit von Selank lässt sich daraus nicht ableiten.

Kernergebnisse

  1. Randomisierte Vergleichsstudie an 70 Patienten: 30 unter Phenazepam allein, 40 unter Phenazepam plus Selank.
  2. Unter der Kombination trat die angstlösende Wirkung früher ein (HDRS-Verlauf).
  3. Geringere Ausprägung benzodiazepin-typischer Nebenwirkungen (Aufmerksamkeits- und Gedächtnisstörungen, Sedierung) in der Kombinationsgruppe.
  4. Bessere Lebensqualitätswerte im SF-36 unter der Kombinationstherapie.
  5. Selank wurde nur als Add-on getestet, nicht als Monotherapie; im Abstract sind keine konkreten Effektstärken oder p-Werte berichtet.
Limitationen

Kleine Stichprobe (n=70) mit ungleichen Gruppengrössen, keine Angaben zu Verblindung oder Placebokontrolle im verfügbaren Abstract, keine berichteten Effektstärken, Konfidenzintervalle oder p-Werte. Dosis, Applikationsweg und Behandlungsdauer von Selank gehen aus dem englischsprachigen Abstract nicht hervor; der Volltext ist nur auf Russisch verfügbar und war nicht abrufbar. Die Studie stammt aus dem russischen Forschungsumfeld, in dem Selank entwickelt wurde (Mitautor N.F. Myasödov gilt als einer der Entwickler der Substanz) - ein Interessenkonflikt ist damit naheliegend, wird im Abstract aber nicht ausgewiesen. Unabhängige internationale Replikationen fehlen; Phenazepam selbst ist ausserhalb Russlands nicht zugelassen, was die Übertragbarkeit weiter einschränkt.

Was heißt das praktisch

Die Studie liefert einen Hinweis darauf, dass Selank als Zusatz zu einem Benzodiazepin den Wirkeintritt beschleunigen und dessen kognitive Nebenwirkungen abschwächen könnte - sie sagt jedoch nichts über Selank als alleinige Anxiolyse aus. Wegen kleiner Fallzahl, fehlender Detailangaben (auch zur Dosis) und möglicher Interessenkonflikte ist die Evidenzstärke gering.