Übersicht/SS-31 (Elamipretid)/Studie

Studie · Humanstudie (RCT)

EMBRACE-STEMI-Studie: eine Phase-2a-Studie zur Sicherheit, Verträglichkeit und Wirksamkeit von intravenösem MTP-131 bei Reperfusionsschaden nach primärer perkutaner Koronarintervention

EMBRACE STEMI study: a Phase 2a trial to evaluate the safety, tolerability, and efficacy of intravenous MTP-131 on reperfusion injury in patients undergoing primary percutaneous coronary intervention

Humanstudie (RCT)

Stärkste Evidenzstufe hier

Autoren
Gibson CM, Giugliano RP, Kloner RA, et al.
Jahr
2016
Journal
European Heart Journal
Modell / Stichprobe
Erwachsene Patienten mit erstmaligem Vorderwandinfarkt (STEMI) durch proximalen oder mittleren LAD-Verschluss, die eine erfolgreiche primäre PCI erhielten; multizentrisch, randomisiert, doppelblind, Placebo-kontrolliert. Die genaue Fallzahl wird im Abstract nicht genannt.
Dosis im Versuch
MTP-131 (Elamipretid/SS-31) 0,05 mg/kg/h als intravenöse Infusion über 1 Stunde im Rahmen der primären PCI; einmalige Gabe, Nachbeobachtung des primären Endpunkts über 72 Stunden.
Quelle
PMID 26586786 ↗  ·  DOI ↗

Zusammenfassung

Untersucht wurde, ob das mitochondrial wirksame Peptid MTP-131 (Elamipretid, SS-31) den Reperfusionsschaden nach akutem Vorderwandinfarkt vermindern kann. Hintergrund ist die präklinische Beobachtung, dass MTP-131 an Cardiolipin bindet, die mitochondriale Energieproduktion verbessert und das Überleben von Herzmuskelzellen während der Reperfusion fördert. In dieser multizentrischen, randomisierten, doppelblinden Phase-2a-Studie erhielten Patienten mit erstmaligem STEMI durch einen proximalen oder mittleren LAD-Verschluss vor bzw. während der primären PCI entweder MTP-131 0,05 mg/kg/h über eine Stunde oder Placebo.

Der primäre Endpunkt war die Infarktgrösse, gemessen als Fläche unter der Kurve (AUC) der CK-MB über 72 Stunden. Er wurde nicht erreicht: 5785 ± 426 ng h/mL unter Placebo gegenüber 5570 ± 486 ng h/mL unter MTP-131 (nicht signifikant). Auch die vorab definierten sekundären Endpunkte aus MRT, Angiographie, EKG und klinischen Ereignissen zeigten keine Verbesserung durch MTP-131.

Die Autoren schließen, dass die einmalige intravenöse Gabe von MTP-131 in dieser Population sicher und gut verträglich war, die Infarktgrösse jedoch nicht verringerte. Es handelt sich damit um eine klar negative Wirksamkeitsstudie bei positiver Sicherheitsbewertung.

Kernergebnisse

  1. Primärer Endpunkt verfehlt: CK-MB-AUC über 72 h 5570 ± 486 ng h/mL unter MTP-131 vs. 5785 ± 426 ng h/mL unter Placebo, kein signifikanter Unterschied (ca. 4 % nomineller Unterschied).
  2. Keine Verbesserung der vorab spezifizierten MRT-Endpunkte (u. a. Infarktgrösse/linksventrikuläre Funktion).
  3. Keine Verbesserung angiographischer, elektrokardiographischer oder klinischer Endpunkte.
  4. Sicherheit und Verträglichkeit der einstündigen Infusion von 0,05 mg/kg/h waren unauffällig.
  5. Der in Tiermodellen beobachtete kardioprotektive Effekt von SS-31 liess sich beim Menschen unter diesem Dosierungs- und Zeitschema nicht reproduzieren.
Limitationen

Phase-2a-Studie mit begrenzter Fallzahl und CK-MB-AUC als Surrogatendpunkt; die Studie war nicht auf klinische Ereignisse gepowert. Nur eine einzige, sehr kurze Infusion (1 h, 0,05 mg/kg/h) wurde getestet - eine zu niedrige Dosis, ein zu später Applikationszeitpunkt relativ zur Reperfusion oder eine zu kurze Expositionsdauer können das Nullergebnis miterklären, sodass eine Wirksamkeit anderer Schemata nicht ausgeschlossen ist. Die Population war eng selektiert (erstmaliger anteriorer STEMI, proximale/mittlere LAD, erfolgreiche PCI), die Übertragbarkeit auf andere Infarktkonstellationen ist unklar. Die Studie wurde vom Hersteller Stealth BioTherapeutics gesponsert; mehrere Autoren stehen in Beziehung zum Sponsor.

Was heißt das praktisch

Für Anwender von SS-31 (Elamipretid) ist dies der bislang deutlichste Beleg, dass eine kurze intravenöse Einzelgabe beim akuten Herzinfarkt keinen messbaren Nutzen brachte - beeindruckende Tierdaten übersetzen sich hier nicht in einen Effekt beim Menschen. Positiv ist lediglich das unauffällige Sicherheitsprofil bei dieser Dosis; Wirksamkeitserwartungen sollten entsprechend zurückhaltend sein.