Übersicht/NAD+/Studie

Studie · Humanstudie (RCT)

Nicotinamid-Ribosid ist in Mäusen und Menschen einzigartig und oral bioverfügbar

Nicotinamide riboside is uniquely and orally bioavailable in mice and humans

Humanstudie (RCT)

Stärkste Evidenzstufe hier

Autoren
Trammell SAJ, Schmidt MS, Weidemann BJ, Redpath P, Jaksch F, Dellinger RW, Li Z, Abel ED, Migaud ME, Brenner C
Jahr
2016
Journal
Nature Communications
Modell / Stichprobe
Kombinierte Arbeit: Mausversuche (orale Gabe von NR, Nicotinsäure und Nicotinamid, Vergleich der Leber-NAD+-Pharmakokinetik), ein einzelner Selbstversuch am Menschen (n=1) sowie eine randomisierte, doppelblinde, dreiarmige Crossover-Pharmakokinetikstudie mit n=12 gesunden Erwachsenen (6 Männer, 6 Frauen, 30-55 Jahre, BMI 18,5-29,9)
Dosis im Versuch
Human-Crossover: jeweils eine orale Einmaldosis Nicotinamid-Ribosid-Chlorid von 100 mg, 300 mg und 1.000 mg (ca. 2,8-, 8,4- und 28-fache der empfohlenen Tageszufuhr an Niacin-Äquivalenten), in randomisierter Reihenfolge mit 7 Tagen Auswaschphase zwischen den Testtagen; Blutentnahmen über 24 h. Einzelversuch: 1.000 mg NR oral. Mausversuche: äquimolare orale Einzelgaben von NR, NA und NAM.
Quelle
PMID 27721479 ↗  ·  DOI ↗

Zusammenfassung

Die Arbeit untersucht, ob und wie stark oral zugeführtes Nicotinamid-Ribosid (NR) den NAD+-Stoffwechsel anhebt. Im Tiermodell erhöhte orale NR-Gabe das NAD+ in der Mausleber mit einer Pharmakokinetik, die sich von Nicotinsäure (NA) und Nicotinamid (NAM) unterschied und diesen bei der NAD+-Anhebung überlegen war. In einem vorbereitenden Einzelversuch am Menschen stieg das NAD+ im Blut nach einer einmaligen oralen NR-Dosis um bis zu das 2,7-Fache.

Den Kern bildet die erste klinische Pharmakokinetikstudie zu NR: 12 gesunde Erwachsene erhielten in randomisierter, doppelblinder Crossover-Anordnung Einmaldosen von 100, 300 und 1.000 mg NR-Chlorid mit jeweils 7 Tagen Auswaschphase. Das Blut-NAD+-Metabolom stieg dosisabhängig an. Unter 1.000 mg nahm NAD+ in peripheren mononukleären Blutzellen von rund 12 auf etwa 18 µM zu, entsprechend etwa +90 % der 24-Stunden-AUC. Am deutlichsten reagierte Nicotinsäure-Adenin-Dinukleotid (NAAD), ein Metabolit, der zuvor nicht als Teil der NR-zu-NAD+-Umwandlung galt: Die 24-h-AUC stieg um rund 2.900 %, mit Maximalwerten nach 8 Stunden (0,56 ± 0,26 / 0,74 ± 0,27 / 1,24 ± 0,51 µM bei 100 / 300 / 1.000 mg) und noch messbarer Erhöhung nach 24 Stunden. NAAD wird von den Autoren als hochsensitiver Biomarker einer wirksamen NAD+-Auffüllung vorgeschlagen.

Sicherheitsseitig traten über insgesamt 36 Beobachtungstage keine schwerwiegenden und keine dosisabhängigen unerwünschten Ereignisse auf; zwei Personen berichteten Flush bei 300 mg, zwei ein Hitzegefühl bei 1.000 mg. Wichtig für die Einordnung: Die Studie misst ausschließlich Pharmakokinetik und Biomarker. Klinische Endpunkte - Leistungsfähigkeit, Stoffwechselparameter, Alterungsmarker oder Krankheitsverläufe - wurden nicht erhoben, es gibt hierzu also weder positive noch negative Befunde.

Kernergebnisse

  1. Orale Einmaldosis von 1.000 mg NR erhöhte NAD+ in peripheren mononukleären Blutzellen von ca. 12 auf ca. 18 µM, entsprechend rund +90 % der 24-Stunden-AUC
  2. NAAD reagierte am stärksten: +2.900 % der 24-h-AUC, Spitzenwerte nach 8 h mit 0,56 ± 0,26 µM (100 mg), 0,74 ± 0,27 µM (300 mg) und 1,24 ± 0,51 µM (1.000 mg); die Autoren schlagen NAAD als sensitivsten Biomarker der NAD+-Auffüllung vor
  3. Der Anstieg des Blut-NAD+-Metaboloms war dosisabhängig über 100, 300 und 1.000 mg; nach 24 h war die Erhöhung noch nachweisbar
  4. In der Maus hob orales NR das Leber-NAD+ mit eigenständiger und gegenüber Nicotinsäure und Nicotinamid überlegener Pharmakokinetik an
  5. Verträglichkeit über 36 Beobachtungstage: keine schwerwiegenden und keine dosisabhängigen Nebenwirkungen; 2 Fälle Flush bei 300 mg, 2 Fälle Hitzegefühl bei 1.000 mg
  6. Vorversuch am Menschen (n=1): bis zu 2,7-facher Anstieg des Blut-NAD+ nach einer einzelnen oralen NR-Dosis
Limitationen

Sehr kleine Stichprobe (n=12) aus gesunden, normalgewichtigen Erwachsenen mittleren Alters, keine Placebo-Kontrollgruppe im engeren Sinn (die Arme unterscheiden sich nur in der Dosis), und ausschließlich Einmaldosen - über Effekte einer Dauereinnahme, über Sättigung oder Gewöhnung sagt die Arbeit nichts aus. Gemessen wurden ausschließlich Blutmetabolite; ob und in welchen Geweben NAD+ tatsächlich funktionell ansteigt, bleibt beim Menschen offen, und es wurden keinerlei klinische oder funktionelle Endpunkte erhoben. Die NAD+-Werte stammen aus mononukleären Blutzellen, deren Aussagekraft für Muskel, Leber oder Gehirn unklar ist. Der vorbereitende Selbstversuch mit n=1 ist anekdotisch. Erhebliche Interessenkonflikte: Die Studie wurde unter anderem von ChromaDex (Hersteller des NR-Präparats Niagen) finanziert; zwei Autoren sind ChromaDex-Angestellte, drei halten Firmenanteile, weitere erhielten Fördermittel oder Beratungshonorare des Unternehmens.

Was heißt das praktisch

Die Arbeit ist der grundlegende Beleg dafür, dass oral eingenommenes Nicotinamid-Ribosid beim Menschen tatsächlich im Blut ankommt und den NAD+-Spiegel dosisabhängig anhebt - bei Einmaldosen bis 1.000 mg ohne auffällige Nebenwirkungen. Sie zeigt jedoch nur Bioverfügbarkeit und Biomarker: Dass sich daraus ein gesundheitlicher Nutzen ergibt, ist damit nicht gezeigt und muss aus anderen, längerfristigen Studien beurteilt werden.