Studie · Humanstudie (RCT)
Nicotinamide riboside is uniquely and orally bioavailable in mice and humans
Stärkste Evidenzstufe hier
Zusammenfassung
Die Arbeit untersucht, ob und wie stark oral zugeführtes Nicotinamid-Ribosid (NR) den NAD+-Stoffwechsel anhebt. Im Tiermodell erhöhte orale NR-Gabe das NAD+ in der Mausleber mit einer Pharmakokinetik, die sich von Nicotinsäure (NA) und Nicotinamid (NAM) unterschied und diesen bei der NAD+-Anhebung überlegen war. In einem vorbereitenden Einzelversuch am Menschen stieg das NAD+ im Blut nach einer einmaligen oralen NR-Dosis um bis zu das 2,7-Fache.
Den Kern bildet die erste klinische Pharmakokinetikstudie zu NR: 12 gesunde Erwachsene erhielten in randomisierter, doppelblinder Crossover-Anordnung Einmaldosen von 100, 300 und 1.000 mg NR-Chlorid mit jeweils 7 Tagen Auswaschphase. Das Blut-NAD+-Metabolom stieg dosisabhängig an. Unter 1.000 mg nahm NAD+ in peripheren mononukleären Blutzellen von rund 12 auf etwa 18 µM zu, entsprechend etwa +90 % der 24-Stunden-AUC. Am deutlichsten reagierte Nicotinsäure-Adenin-Dinukleotid (NAAD), ein Metabolit, der zuvor nicht als Teil der NR-zu-NAD+-Umwandlung galt: Die 24-h-AUC stieg um rund 2.900 %, mit Maximalwerten nach 8 Stunden (0,56 ± 0,26 / 0,74 ± 0,27 / 1,24 ± 0,51 µM bei 100 / 300 / 1.000 mg) und noch messbarer Erhöhung nach 24 Stunden. NAAD wird von den Autoren als hochsensitiver Biomarker einer wirksamen NAD+-Auffüllung vorgeschlagen.
Sicherheitsseitig traten über insgesamt 36 Beobachtungstage keine schwerwiegenden und keine dosisabhängigen unerwünschten Ereignisse auf; zwei Personen berichteten Flush bei 300 mg, zwei ein Hitzegefühl bei 1.000 mg. Wichtig für die Einordnung: Die Studie misst ausschließlich Pharmakokinetik und Biomarker. Klinische Endpunkte - Leistungsfähigkeit, Stoffwechselparameter, Alterungsmarker oder Krankheitsverläufe - wurden nicht erhoben, es gibt hierzu also weder positive noch negative Befunde.
Kernergebnisse
Sehr kleine Stichprobe (n=12) aus gesunden, normalgewichtigen Erwachsenen mittleren Alters, keine Placebo-Kontrollgruppe im engeren Sinn (die Arme unterscheiden sich nur in der Dosis), und ausschließlich Einmaldosen - über Effekte einer Dauereinnahme, über Sättigung oder Gewöhnung sagt die Arbeit nichts aus. Gemessen wurden ausschließlich Blutmetabolite; ob und in welchen Geweben NAD+ tatsächlich funktionell ansteigt, bleibt beim Menschen offen, und es wurden keinerlei klinische oder funktionelle Endpunkte erhoben. Die NAD+-Werte stammen aus mononukleären Blutzellen, deren Aussagekraft für Muskel, Leber oder Gehirn unklar ist. Der vorbereitende Selbstversuch mit n=1 ist anekdotisch. Erhebliche Interessenkonflikte: Die Studie wurde unter anderem von ChromaDex (Hersteller des NR-Präparats Niagen) finanziert; zwei Autoren sind ChromaDex-Angestellte, drei halten Firmenanteile, weitere erhielten Fördermittel oder Beratungshonorare des Unternehmens.
Die Arbeit ist der grundlegende Beleg dafür, dass oral eingenommenes Nicotinamid-Ribosid beim Menschen tatsächlich im Blut ankommt und den NAD+-Spiegel dosisabhängig anhebt - bei Einmaldosen bis 1.000 mg ohne auffällige Nebenwirkungen. Sie zeigt jedoch nur Bioverfügbarkeit und Biomarker: Dass sich daraus ein gesundheitlicher Nutzen ergibt, ist damit nicht gezeigt und muss aus anderen, längerfristigen Studien beurteilt werden.