Übersicht/BPC-157/Studie

Studie · Tierstudie

Das therapeutische Potenzial des pro-angiogenen BPC157 hängt mit der Aktivierung und Hochregulation von VEGFR2 zusammen

Therapeutic potential of pro-angiogenic BPC157 is associated with VEGFR2 activation and up-regulation

Tierstudie

Nur Tiermodell — nicht auf den Menschen übertragbar

Autoren
Hsieh MJ, Liu HT, Wang CN, Huang HY, Lin Y, Ko YS, Wang JS, Chang VH, Pang JS, et al.
Jahr
2017
Journal
J Mol Med (Berl) 95(3):323-333
Modell / Stichprobe
Kombinierte präklinische Studie: Ratten mit experimenteller Hinterlauf-Ischämie (Blutfluss-Messung mittels Laser-Doppler-Scanning), Hühnerembryo-Modell (Chorioallantoismembran-Assay) sowie humane vaskuläre Endothelzellen (HUVEC) in Zellkultur. Genaue Tierzahlen sind im Abstract nicht angegeben.
Dosis im Versuch
Der Abstract nennt weder die Dosis im Rattenmodell noch die eingesetzte Konzentration in der Zellkultur, ebenso wenig Applikationsweg oder Behandlungsdauer. Diese Angaben finden sich nur im kostenpflichtigen Volltext und wurden hier nicht verifiziert.
Quelle
PMID 27847966 ↗  ·  DOI ↗

Zusammenfassung

Die Arbeit untersuchte, ob und über welchen Mechanismus das Pentadecapeptid BPC 157 die Neubildung von Blutgefässen (Angiogenese) fördert. Dazu kombinierten die Autoren drei Ansätze: ein Ratten-Modell mit Durchblutungsstörung der Hinterläufe, einen Angiogenese-Assay am Hühnerembryo und Versuche an kultivierten menschlichen Endothelzellen.

Im Tiermodell beschleunigte BPC 157 laut Laser-Doppler-Messung die Wiederherstellung des Blutflusses im ischämischen Muskel; histologisch fanden sich mehr Gefässe und eine verstärkte Expression des VEGF-Rezeptors 2 (VEGFR2). In der Zellkultur stiegen mRNA- und Proteinmenge von VEGFR2 an, während der Wachstumsfaktor VEGF-A selbst nicht hochreguliert wurde. Mechanistisch förderte BPC 157 die Internalisierung von VEGFR2 in die Zelle und aktivierte die nachgeschaltete VEGFR2-Akt-eNOS-Signalkaskade. Der Endozytose-Hemmer Dynasore blockierte diesen Effekt, was die Internalisierung als notwendigen Schritt ausweist.

Die Studie liefert damit eine plausible molekulare Erklärung für die in Tierversuchen wiederholt berichteten heilungsfördernden Effekte von BPC 157. Sie belegt jedoch ausschließlich Mechanismus und Surrogat-Endpunkte (Gefässdichte, Blutfluss, Rezeptorexpression) in Tier- und Zellmodellen, keine klinischen Ergebnisse beim Menschen.

Kernergebnisse

  1. BPC 157 erhöhte die Gefässdichte sowohl in vivo (Ratte, Hühnerembryo) als auch in vitro.
  2. Im Ratten-Modell mit Hinterlauf-Ischämie beschleunigte BPC 157 die Erholung des Blutflusses (Laser-Doppler-Scanning) und erhöhte histologisch Gefässzahl und VEGFR2-Expression.
  3. In humanen Endothelzellen stiegen mRNA- und Proteinexpression von VEGFR2 an, VEGF-A dagegen nicht - der Effekt läuft also über den Rezeptor, nicht über den Liganden.
  4. BPC 157 förderte die Internalisierung von VEGFR2 und aktivierte die VEGFR2-Akt-eNOS-Kaskade.
  5. Der Endozytose-Inhibitor Dynasore hob die pro-angiogene Wirkung auf, was die Rezeptor-Internalisierung als kausalen Schritt bestätigt.
Limitationen

Es handelt sich um eine rein präklinische Mechanismus-Studie an Ratten, Hühnerembryonen und Zellkulturen; eine Übertragbarkeit auf den Menschen ist damit nicht belegt. Der Abstract nennt weder Stichprobengrößen noch Dosierungen, Applikationsweg oder Behandlungsdauer, sodass sich aus dieser Publikation keine Anwendungsempfehlung ableiten lässt. Gemessen wurden Surrogatparameter (Gefässdichte, Blutfluss, Rezeptorexpression), nicht klinisch relevante Endpunkte wie Funktion, Schmerz oder Sicherheit. Eine gesteigerte Angiogenese ist zudem nicht per se günstig - potenzielle Risiken (etwa bei bestehenden Tumoren oder proliferativer Retinopathie) wurden in dieser Arbeit nicht untersucht. Angaben zu Finanzierung und Interessenkonflikten waren aus dem frei zugänglichen Abstract nicht ersichtlich.

Was heißt das praktisch

Die Studie erklärt, warum BPC 157 in Tierversuchen die Gewebeheilung beschleunigen könnte - nämlich über verstärkte Gefässneubildung via VEGFR2 -, beweist aber keinerlei Nutzen beim Menschen. Wer eine Anwendung erwägt, sollte berücksichtigen, dass es sich um Grundlagenforschung ohne Dosis-, Sicherheits- oder Wirksamkeitsdaten für Menschen handelt und dass eine gesteigerte Angiogenese auch unerwünschte Folgen haben kann.