Übersicht/Glutathion/Studie

Studie · Humanstudie (RCT)

Glutathion und seine Anti-Aging- und antimelanogenen Effekte

Glutathione and its antiaging and antimelanogenic effects

Humanstudie (RCT)

Stärkste Evidenzstufe hier

Autoren
Weschawalit S, Thongthip S, Phutrakool P, Asawanonda P
Jahr
2017
Journal
Clinical, Cosmetic and Investigational Dermatology
Modell / Stichprobe
n=60 gesunde thailändische Frauen (20-50 Jahre, Mittel 36,1 +/- 8,1 Jahre), 57 beendeten die Studie; drei parallele Arme (reduziertes Glutathion, oxidiertes Glutathion, Placebo)
Dosis im Versuch
250 mg/Tag oral (GSH bzw. GSSG) als Lutschtablette, über 12 Wochen; Placebo-Kontrollarm
Quelle
PMID 28490897 ↗  ·  DOI ↗

Zusammenfassung

Randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Parallelgruppenstudie mit drei Armen zur Frage, ob orale Gabe von Glutathion die Hautpigmentierung und Hautalterungsparameter beeinflusst. 60 gesunde Frauen zwischen 20 und 50 Jahren erhielten über 12 Wochen täglich 250 mg reduziertes Glutathion (GSH), 250 mg oxidiertes Glutathion (GSSG) oder Placebo. Gemessen wurden an mehreren Hautarealen (Gesicht, Unterarm) der Melanin-Index, UV-Flecken, Faltenparameter, Hautelastizität und Feuchtigkeitsgehalt.

Der Melanin-Index und die UV-Flecken lagen in beiden Verumgruppen tendenziell niedriger als unter Placebo, die Unterschiede erreichten jedoch nicht durchgängig statistische Signifikanz. Eine statistisch signifikante Faltenreduktion zeigte sich unter GSH an einzelnen Messstellen, deutlicher bei Teilnehmerinnen über 40 Jahre. Die Hautelastizität zeigte unter beiden Glutathionformen einen positiven Trend gegenüber Placebo, ebenfalls ohne durchgehend signifikante Gruppendifferenz.

Die Verträglichkeit war gut: Fünf Teilnehmerinnen in den Verumgruppen (13,15 %) berichteten leichte Effekte wie Juckreiz, Erythem oder rote Flecken; schwere unerwünschte Ereignisse traten nicht auf. Die Autoren schließen, dass orales Glutathion in beiden Formen Hautparameter günstig beeinflussen kann, wobei die Effekte insgesamt klein und teilweise nur als Tendenz nachweisbar sind.

Kernergebnisse

  1. 250 mg/Tag GSH oder GSSG oral über 12 Wochen: Melanin-Index und UV-Flecken an allen Messstellen tendenziell niedriger als unter Placebo, ohne durchgängige statistische Signifikanz.
  2. Signifikante Faltenreduktion unter reduziertem Glutathion (GSH) an einzelnen Messarealen, ausgeprägter bei Frauen über 40 Jahre.
  3. Hautelastizität unter GSH und GSSG mit positivem Trend gegenüber Placebo, ebenfalls ohne klare Signifikanz.
  4. Beide Glutathionformen (reduziert und oxidiert) zeigten vergleichbare Wirkrichtung; ein klarer Vorteil einer Form ergab sich nicht.
  5. Nebenwirkungen bei 13,15 % der Verum-Teilnehmerinnen (Juckreiz, Erythem, rote Flecken), keine schweren unerwünschten Ereignisse; 57 von 60 Teilnehmerinnen beendeten die Studie.
Limitationen

Kleine Stichprobe (n=60, 57 Auswertungen) bei drei Armen, also nur rund 20 Personen pro Gruppe, was die statistische Aussagekraft stark begrenzt und erklärt, warum mehrere Effekte lediglich als 'Tendenz' berichtet werden. Untersucht wurden ausschließlich Frauen asiatischer Herkunft in einem engen Altersfenster (20-50 Jahre); eine Übertragung auf Männer, andere Hauttypen oder andere Altersgruppen ist nicht belegt. Die Studiendauer betrug nur 12 Wochen, Langzeitwirkung und -sicherheit bleiben offen. Multiple Endpunkte an mehreren Hautarealen ohne erkennbare Korrektur für multiples Testen erhöhen das Risiko von Zufallsbefunden. Relevanter Interessenkonflikt: Die Studie wurde von Kyowa Hakko Bio (Tokio, Japan), einem Hersteller von Glutathion-Rohstoff, finanziert; die Autoren geben selbst keine Interessenkonflikte an.

Was heißt das praktisch

Für die orale Anwendung von Glutathion bedeutet dies: 250 mg täglich über drei Monate waren gut verträglich und zeigten allenfalls milde, überwiegend nicht signifikante Verbesserungen bei Pigmentierung, Falten und Elastizität. Wer sich davon eine deutliche Hautaufhellung erhofft, sollte die schwache Evidenzlage, die kleine Stichprobe und die Herstellerfinanzierung berücksichtigen.