Übersicht/Glutathion/Studie

Studie · Humanstudie

Wirksamkeit von Glutathion bei der Behandlung der nichtalkoholischen Fettlebererkrankung: eine offene, einarmige, multizentrische Pilotstudie

Efficacy of glutathione for the treatment of nonalcoholic fatty liver disease: an open-label, single-arm, multicenter, pilot study

Humanstudie

Am Menschen, aber ohne RCT-Design

Autoren
Honda Y, Kessoku T, Sumida Y, et al.
Jahr
2017
Journal
BMC Gastroenterology
Modell / Stichprobe
n=34 eingeschlossene japanische Erwachsene mit sonographisch diagnostizierter nichtalkoholischer Fettlebererkrankung (NAFLD); n=29 ausgewertet (14 Männer, 15 Frauen, mittleres Alter 56,0 +/- 13,3 Jahre), 3 Abbrecher wegen Nebenwirkungen (Müdigkeit, Blutdruckanstieg, Hautausschlag)
Dosis im Versuch
300 mg L-Glutathion täglich oral über 4 Monate, vorgeschaltet eine 3-monatige Phase mit alleiniger Lebensstilintervention als Baseline-Stabilisierung
Quelle
PMID 28789631 ↗  ·  DOI ↗

Zusammenfassung

Die Studie untersuchte, ob oral zugeführtes Glutathion in einer praxisüblichen Dosis von 300 mg/Tag Leberwerte und Leberverfettung bei NAFLD-Patienten verbessert. Es handelte sich um eine offene, einarmige, multizentrische Pilotstudie ohne Kontrollgruppe: Nach drei Monaten reiner Lebensstilintervention erhielten die Teilnehmenden vier Monate lang Glutathion. Primärer Endpunkt war die ALT (Alanin-Aminotransferase); sekundär wurden Lipide, Ferritin sowie mittels transienter Elastographie der Leberfettgehalt (CAP) und die Lebersteifigkeit (LSM) erfasst.

Nach vier Monaten sank die ALT im Mittel von 68,9 +/- 36,1 auf 58,1 +/- 33,5 IU/L (p=0,014). Ebenfalls signifikant zurück gingen Triglyzeride (195,2 auf 163,6 mg/dL, p=0,007), freie Fettsäuren (651,2 auf 533,5 µEq/L, p=0,013) und Ferritin (219,8 auf 194,4 ng/mL, p=0,015). Der Leberfettgehalt (CAP: 295,7 auf 285,4 db/m, p=0,07) und die Lebersteifigkeit (9,94 auf 9,24 kPa, p=0,16) veränderten sich in der Gesamtgruppe nicht signifikant - das sind klare Null-Ergebnisse für die bildgebenden Endpunkte.

In einer nachträglichen Responder-Analyse (Trennung am medianen ALT-Rückgang von 12,9 Prozent) waren Responder jünger (50,7 vs. 61,7 Jahre, p=0,011), seltener diabetisch (33,3 vs. 64,3 Prozent) und hatten niedrigere HbA1c-Werte (5,94 vs. 6,9 Prozent, p=0,019). Nur in dieser Untergruppe sank auch der CAP signifikant (300,3 auf 285,1 db/m, p=0,049). Die Autoren werten das Ergebnis explizit als hypothesengenerierend und fordern kontrollierte Studien.

Kernergebnisse

  1. ALT sank nach 4 Monaten Glutathion 300 mg/Tag von 68,9 +/- 36,1 auf 58,1 +/- 33,5 IU/L (p=0,014).
  2. Triglyzeride fielen von 195,2 auf 163,6 mg/dL (p=0,007), freie Fettsäuren von 651,2 auf 533,5 µEq/L (p=0,013), Ferritin von 219,8 auf 194,4 ng/mL (p=0,015).
  3. Leberfettgehalt (CAP 295,7 auf 285,4 db/m, p=0,07) und Lebersteifigkeit (LSM 9,94 auf 9,24 kPa, p=0,16) besserten sich in der Gesamtgruppe NICHT signifikant.
  4. Responder (ALT-Rückgang über 12,9 Prozent, n=15) waren jünger (50,7 vs. 61,7 Jahre, p=0,011) und stoffwechselgesünder (HbA1c 5,94 vs. 6,9 Prozent, p=0,019); nur bei ihnen sank der CAP signifikant (p=0,049).
  5. 3 von 34 Teilnehmenden brachen wegen unerwünschter Ereignisse ab (Müdigkeit, Blutdruckanstieg, Hautausschlag); ausgewertet wurden 29 Personen.
Limitationen

Die Studie hat keine Kontroll- oder Placebogruppe und ist offen (nicht verblindet), sodass Regression zur Mitte, fortgesetzte Lebensstileffekte und Placeböffekte die Ergebnisse erklären können. Die Stichprobe ist mit 29 ausgewerteten Personen sehr klein, die Behandlungsdauer mit 4 Monaten kurz, die Diagnose beruht auf Ultraschall statt Leberbiopsie, und histologische Endpunkte fehlen. Ob oral zugeführtes Glutathion tatsächlich die Leber erreicht, wurde nicht geprüft. Die Responder-Analyse ist eine Post-hoc-Subgruppenauswertung ohne Adjustierung für multiples Testen. Glutathion und eine Teilfinanzierung stammten von KOHJIN Life Sciences (Tochter der Mitsubishi Corp. Life Sciences), das laut Autoren nicht an Auswertung oder Manuskript beteiligt war; die Autoren geben keine Interessenkonflikte an. Die Kohorte war rein japanisch, die Übertragbarkeit auf andere Bevölkerungsgruppen ist unklar.

Was heißt das praktisch

Für jemanden, der orales Glutathion bei Fettleber erwägt, zeigt diese Pilotstudie allenfalls ein Signal: 300 mg/Tag über 4 Monate gingen mit mäßig besseren Leber- und Fettwerten einher, aber ohne Kontrollgruppe ist ein kausaler Effekt nicht belegt, und der eigentliche Leberfettgehalt besserte sich nicht signifikant. Das ist keine Grundlage, Lebensstilmassnahmen zu ersetzen - höchstens ein Anlass, kontrollierte Studien abzuwarten.