Übersicht/Glutathion/Studie

Studie · Humanstudie

Orale Supplementierung mit liposomalem Glutathion erhöht die körpereigenen Glutathionspeicher und Marker der Immunfunktion

Oral supplementation with liposomal glutathione elevates body stores of glutathione and markers of immune function

Humanstudie

Am Menschen, aber ohne RCT-Design

Autoren
Sinha R, Sinha I, Calcagnotto A, et al.
Jahr
2018
Journal
European Journal of Clinical Nutrition
Modell / Stichprobe
Gesunde Erwachsene, kleine Pilotkohorte mit zwei Dosisgruppen (500 mg/Tag vs. 1000 mg/Tag); die genaue Teilnehmerzahl ist dem Abstract nicht zu entnehmen, die Autoren bezeichnen die Stichprobe selbst als klein
Dosis im Versuch
500 mg bzw. 1000 mg liposomales Glutathion täglich, oral, über 1 Monat; Messungen zu Studienbeginn sowie nach 1, 2 und 4 Wochen
Quelle
PMID 28853742 ↗  ·  DOI ↗

Zusammenfassung

Untersucht wurde in einer einmonatigen Pilotstudie, ob oral zugeführtes liposomales Glutathion (GSH) die Glutathionspeicher gesunder Erwachsener erhöht. Zwei Tagesdosen (500 mg und 1000 mg) wurden verglichen. Gemessen wurden GSH-Konzentrationen in verschiedenen Blutkompartimenten (u.a. Vollblut, Erythrozyten, Plasma, mononukleäre Zellen) sowie Marker des oxidativen Stresses und der Immunfunktion.

Die GSH-Spiegel stiegen bereits nach einer Woche an; die maximalen Zuwächse lagen bei rund 40 % im Vollblut und wurden in den gemessenen Kompartimenten etwa bis Woche 2 erreicht. Parallel sanken Marker des oxidativen Stresses: 8-Isoprostan im Plasma um etwa 35 %, das Verhältnis von oxidiertem zu reduziertem Glutathion um etwa 20 %. Bei den Immunmarkern zeigten sich die größten Effekte: die Zytotoxizität natürlicher Killerzellen (NK-Zellen) war nach zwei Wochen um bis zu 400 % erhöht, die Lymphozytenproliferation um bis zu 60 %.

Zwischen den beiden Dosisgruppen fanden die Autoren keine bedeutsamen Unterschiede, was sie ausdrücklich auch auf die geringe Stichprobengröße zurückführen. Ihr Fazit: tägliche orale Gabe von liposomalem Glutathion erhöht die Glutathionspeicher und beeinflusst Marker des oxidativen Stresses und der Immunfunktion günstig.

Kernergebnisse

  1. Vollblut-Glutathion stieg um bis zu ca. 40 %, erste Anstiege bereits nach 1 Woche, Maximum um Woche 2
  2. Plasma-8-Isoprostan (Marker für Lipidperoxidation) sank um ca. 35 %
  3. Das Verhältnis oxidiertes zu reduziertes Glutathion verbesserte sich um ca. 20 %
  4. NK-Zell-Zytotoxizität war nach 2 Wochen um bis zu 400 % erhöht
  5. Lymphozytenproliferation war nach 2 Wochen um bis zu 60 % erhöht
  6. Kein bedeutsamer Unterschied zwischen 500 mg und 1000 mg täglich
Limitationen

Es handelt sich um eine kleine, einmonatige Pilotstudie ohne im Abstract ausgewiesene Placebokontrolle oder Verblindung; die Teilnehmerzahl ist gering, weshalb der fehlende Dosisunterschied nicht als Beleg für Dosisunabhängigkeit gewertet werden kann. Alle Endpunkte sind Surrogatmarker (Blutspiegel, oxidativer Stress, Ex-vivo-Immunfunktion) - klinische Endpunkte wie Infekthäufigkeit wurden nicht erhoben. Die auffällig großen Immuneffekte (bis 400 %) stammen aus Ex-vivo-Assays mit hoher biologischer Streuung und bedürfen der Bestätigung in größeren, kontrollierten Studien. Untersucht wurden gesunde Erwachsene; eine Übertragung auf Erkrankte ist offen. Angaben zu Sponsor bzw. Produktherstellung sind dem Abstract nicht zu entnehmen, eine Beteiligung eines Supplementherstellers ist bei dieser Fragestellung nicht auszuschliessen.

Was heißt das praktisch

Die Studie liefert einen der wenigen direkten Humanbelege dafür, dass orales liposomales Glutathion die Glutathionspiegel im Blut tatsächlich messbar anhebt - ein Punkt, der bei konventionellem oralem Glutathion umstritten ist. Wegen der kleinen, unkontrollierten Pilotanlage taugt sie jedoch nur als Hinweis, nicht als Beleg für einen gesundheitlichen Nutzen; eine höhere Dosis als 500 mg täglich brachte hier keinen erkennbaren Zusatzeffekt.