Übersicht/SS-31 (Elamipretid)/Studie

Studie · Humanstudie (RCT)

Phase-2a-Studie zur mitochondrialen Protektion (Elamipretid) während der Stent-Revaskularisation bei Patienten mit atherosklerotischer Nierenarterienstenose

Phase 2a Clinical Trial of Mitochondrial Protection (Elamipretide) During Stent Revascularization in Patients With Atherosclerotic Renal Artery Stenosis

Humanstudie (RCT)

Stärkste Evidenzstufe hier

Autoren
Saad A, Herrmann SMS, Eirin A, Ferguson CM, Glockner JF, Bjarnason H, McKusick MA, Misra S, Lerman LO, Textor SC
Jahr
2017
Journal
Circulation: Cardiovascular Interventions
Modell / Stichprobe
n=14 Patienten mit schwerer atherosklerotischer Nierenarterienstenose, die eine perkutane transluminale Nierenangioplastie (PTRA) mit Stent erhielten; 6 Patienten Elamipretid, 8 Patienten Placebo (ClinicalTrials.gov NCT01755858)
Dosis im Versuch
Elamipretid 0,05 mg/kg pro Stunde als intravenöse Infusion, begonnen vor und fortgeführt während der PTRA (periinterventionelle Einmalgabe, keine Dauertherapie); Nachbeobachtung 3 Monate
Quelle
PMID 28916603 ↗  ·  DOI ↗

Zusammenfassung

Untersucht wurde, ob das mitochondrial gerichtete Peptid Elamipretid (SS-31), das an Cardiolipin bindet und die mitochondriale Funktion stabilisiert, den Ischämie-/Reperfusionsschaden nach Aufdehnung und Stenting einer verengten Nierenarterie abmildern kann. Hintergrund ist, dass die Revaskularisation die Nierenfunktion häufig nicht verbessert, möglicherweise wegen eines nach dem Eingriff auftretenden Reperfusionsschadens. In dieser kleinen placebokontrollierten Phase-2a-Studie erhielten stationäre Patienten vor und während der PTRA entweder Elamipretid als i.v. Infusion (0,05 mg/kg/h; n=6) oder Placebo (n=8).

Endpunkte waren die kortikale und medulläre Perfusion sowie der renale Blutfluss (RBF) der stenosierten Niere mittels kontrastverstärkter Mehrzeilen-CT und die Nierenoxygenierung mittels 3-Tesla-BOLD-MRT, jeweils vor sowie 24 Stunden bzw. 3 Monate nach der PTRA; zusätzlich Blutdruck und geschätzte glomeruläre Filtrationsrate (eGFR). Alter und Ausgangs-GFR unterschieden sich zwischen den Gruppen nicht.

24 Stunden nach Angiographie und Stenting stieg die fraktionelle Hypoxie in der Placebogruppe um 47 Prozent, während sie unter Elamipretid um 6 Prozent abnahm; nach 3 Monaten hatten sich beide Gruppen wieder auf Ausgangsniveau normalisiert. Der renale Blutfluss der stenosierten Niere stieg nach 3 Monaten nur in der Elamipretid-Gruppe signifikant an (202+/-29 auf 262+/-115 mL/min; p=0,04). Systolischer Blutdruck und eGFR verbesserten sich unter Elamipretid stärker (p=0,003) als unter Placebo (p=0,11). Die Autoren werten dies als Hinweis darauf, dass gezielte mitochondriale Protektion den eingriffsassoziierten Ischämieschaden verringern könnte.

Kernergebnisse

  1. Fraktionelle Hypoxie der stenosierten Niere 24 h nach dem Eingriff: +47 Prozent unter Placebo gegenüber -6 Prozent unter Elamipretid (BOLD-MRT); nach 3 Monaten in beiden Gruppen zurück auf Ausgangswert
  2. Renaler Blutfluss der stenosierten Niere stieg nach 3 Monaten nur in der Elamipretid-Gruppe signifikant an (202+/-29 auf 262+/-115 mL/min; p=0,04), nicht unter Placebo
  3. eGFR-Anstieg über 3 Monate war in der Elamipretid-Gruppe statistisch signifikant (p=0,003), in der Placebogruppe nicht (p=0,11)
  4. Systolischer Blutdruck sank unter Elamipretid stärker als unter Placebo
  5. Alter und Ausgangs-GFR unterschieden sich nicht zwischen den Gruppen; die Wirkung wurde mit einer einzigen periinterventionellen i.v. Infusion von 0,05 mg/kg/h erzielt
Limitationen

Es handelt sich um eine sehr kleine Pilotstudie (Phase 2a) mit nur 14 Patienten (6 vs. 8), was die statistische Aussagekraft stark einschränkt und Zufallsbefunde sowie Ungleichverteilungen zwischen den Gruppen wahrscheinlich macht; ein direkter statistischer Gruppenvergleich der Verlaufsänderungen wird im Abstract nur teilweise berichtet (Signifikanz jeweils innerhalb der Gruppen). Die Nachbeobachtung betrug nur 3 Monate, harte klinische Endpunkte (Dialysepflicht, Mortalität, kardiovaskuläre Ereignisse) wurden nicht erfasst. Die Ergebnisse gelten ausschließlich für eine akute, periinterventionelle Einmalgabe bei Ischämie-/Reperfusionssituation an der Niere und lassen sich nicht auf eine längerfristige Anwendung oder auf andere Indikationen übertragen. Elamipretid wurde vom Hersteller Stealth BioTherapeutics entwickelt; eine Beteiligung bzw. Substanzbereitstellung durch das Unternehmen ist bei einer solchen Phase-2a-Studie anzunehmen, die genauen Angaben zu Förderung und Interessenkonflikten waren im abgerufenen Abstract nicht enthalten.

Was heißt das praktisch

Die Studie ist einer der wenigen kontrollierten Belege beim Menschen, dass SS-31 (Elamipretid) einen akuten Ischämie-/Reperfusionsschaden messbar abmildern kann - allerdings in einem sehr speziellen klinischen Setting (Nierenstenting), mit nur 14 Patienten und als kurze intravenöse Infusion durch Ärzte. Sie sagt nichts darüber aus, ob eine wiederholte oder längerfristige Selbstanwendung von SS-31 bei Gesunden Nutzen bringt oder sicher ist.