Übersicht/SS-31 (Elamipretid)/Studie

Studie · Humanstudie (RCT)

Neuartiges mitochondrien-adressierendes Peptid in der Herzinsuffizienz-Behandlung: Eine randomisierte, placebokontrollierte Studie zu Elamipretid

Novel Mitochondria-Targeting Peptide in Heart Failure Treatment: A Randomized, Placebo-Controlled Trial of Elamipretide

Humanstudie (RCT)

Stärkste Evidenzstufe hier

Autoren
Daubert MA, Yow E, Dunn G, Marchev S, Barnhart H, Douglas PS, O'Connor C, Goldstein S, Udelson JE, Sabbah HN
Jahr
2017
Journal
Circulation: Heart Failure
Modell / Stichprobe
n=36 Patienten mit Herzinsuffizienz und reduzierter Ejektionsfraktion (HFrEF, EF <= 35 %); 3 aufsteigende Dosiskohorten mit je n=8 plus n=12 Placebo
Dosis im Versuch
Einmalige 4-stündige intravenöse Infusion; Kohorte 1: 0,005 mg/kg/h, Kohorte 2: 0,05 mg/kg/h, Kohorte 3: 0,25 mg/kg/h. Beobachtung bis 24 Stunden nach Infusionsbeginn.
Quelle
PMID 29217757 ↗  ·  DOI ↗

Zusammenfassung

Untersucht wurde Elamipretid (SS-31), ein synthetisches Tetrapeptid, das an Cardiolipin der inneren Mitochondrienmembran bindet und die mitochondriale Energiebereitstellung verbessern soll. In dieser doppelblinden, placebokontrollierten Dosiseskalationsstudie erhielten 36 Patienten mit Herzinsuffizienz und reduzierter Ejektionsfraktion (EF <= 35 %) eine einmalige vierstündige intravenöse Infusion von Elamipretid in einer von drei Dosierungen (0,005 / 0,05 / 0,25 mg/kg/h) oder Placebo. Sicherheit und Wirksamkeit wurden klinisch, laborchemisch und echokardiographisch vor, während und am Ende der Infusion sowie 6, 8, 12 und 24 Stunden nach Infusionsbeginn erfasst.

Primäres Ziel war die Sicherheit und Verträglichkeit. Es traten keine schwerwiegenden unerwünschten Ereignisse auf; Blutdruck und Herzfrequenz blieben in allen Kohorten stabil. Die Plasmaspitzenkonzentration wurde am Infusionsende erreicht, nach 24 Stunden war Elamipretid nicht mehr nachweisbar.

In der höchsten Dosisgruppe (0,25 mg/kg/h) zeigte sich am Infusionsende gegenüber Placebo eine signifikante Abnahme des linksventrikulären enddiastolischen Volumens um 18 mL (p=0,009) und des endsystolischen Volumens um 14 mL (p=0,005). Diese Veränderungen korrelierten zeitlich mit den Plasmaspitzenkonzentrationen. In den beiden niedrigeren Dosiskohorten wurden keine entsprechenden Effekte berichtet. Es handelt sich um eine sehr kurzfristige, akute Beobachtung ohne Nachweis klinischer Endpunkte.

Kernergebnisse

  1. Einmalige 4-Stunden-Infusion von Elamipretid war sicher und gut verträglich; keine schwerwiegenden unerwünschten Ereignisse, stabile Vitalparameter in allen Kohorten.
  2. Höchste Dosis (0,25 mg/kg/h): linksventrikuläres enddiastolisches Volumen -18 mL gegenüber Placebo (p=0,009).
  3. Höchste Dosis: linksventrikuläres endsystolisches Volumen -14 mL gegenüber Placebo (p=0,005).
  4. Die Volumenveränderungen traten am Infusionsende auf und korrelierten mit den Plasmaspitzenkonzentrationen (zeitlicher Zusammenhang, Dosis-Wirkungs-Hinweis).
  5. Die niedrigeren Dosen (0,005 und 0,05 mg/kg/h) zeigten keine entsprechenden Effekte; Elamipretid war 24 Stunden nach Infusion nicht mehr im Plasma nachweisbar.
Limitationen

Sehr kleine Stichprobe (nur 8 Patienten pro Verum-Kohorte, 12 Placebo) und Einmaldosis mit maximal 24 Stunden Beobachtung. Die Endpunkte waren rein echokardiographische Surrogatparameter (LV-Volumina); harte klinische Endpunkte wie Mortalität, Hospitalisierung, Belastbarkeit oder Symptomatik wurden nicht untersucht. Eine Verbesserung der Ejektionsfraktion wurde nicht als signifikantes Ergebnis berichtet. Es bleibt offen, ob die akuten Volumenänderungen überhaupt anhalten oder klinisch relevant sind. Die Studie ist explizit als Phase-1/2-Sicherheitsstudie angelegt und wurde im Umfeld des Herstellers Stealth BioTherapeutics durchgeführt; mehrere Autoren haben Verbindungen zum Sponsor, was bei der Interpretation zu berücksichtigen ist. Nachfolgende größere Studien mit wiederholter Gabe (u.a. PROGRESS-HF) haben die primären Endpunkte nicht erreicht.

Was heißt das praktisch

Die Studie belegt lediglich, dass eine einmalige intravenöse Infusion von SS-31 (Elamipretid) bei Herzinsuffizienzpatienten kurzfristig sicher war und akut die linksventrikulären Volumina günstig beeinflusste - sie belegt keinen anhaltenden oder klinischen Nutzen. Für eine Anwendung ausserhalb von Studien, insbesondere subkutan, langfristig oder bei Gesunden, liefert sie keine Grundlage: Dosierung, Applikationsweg und Dauer sind nicht übertragbar.