Übersicht/NAD+/Studie

Studie · Humanstudie (RCT)

Chronische Supplementierung mit Nicotinamid-Ribosid ist gut verträglich und erhöht NAD+ bei gesunden Menschen mittleren und höheren Alters

Chronic nicotinamide riboside supplementation is well-tolerated and elevates NAD+ in healthy middle-aged and older adults

Humanstudie (RCT)

Stärkste Evidenzstufe hier

Autoren
Martens CR, Denman BA, Mazzo MR, Armstrong ML, Reisdorph N, McQueen MB, Chonchol M, Seals DR
Jahr
2018
Journal
Nature Communications
Modell / Stichprobe
n=30 randomisierte gesunde Erwachsene (55-79 Jahre, Mittelwert 65±7 Jahre, BMI 24±4 kg/m²), 24 beendeten die Studie; überwiegend schlanke, gesunde Teilnehmer aus Boulder County, Colorado
Dosis im Versuch
1000 mg Nicotinamid-Ribosid-Chlorid (NIAGEN) pro Tag oral, aufgeteilt in 2 x 500 mg Kapseln zu den Mahlzeiten, über 6 Wochen; randomisiertes, doppelblindes, placebokontrolliertes Cross-over-Design mit 2 x 6 Wochen
Quelle
PMID 29599478 ↗  ·  DOI ↗

Zusammenfassung

Die Studie ist ein randomisiertes, doppelblindes, placebokontrolliertes Cross-over-Experiment an 30 gesunden Erwachsenen zwischen 55 und 79 Jahren. Primäres Ziel war die Frage, ob 1000 mg Nicotinamid-Ribosid (NR) täglich über sechs Wochen sicher und verträglich sind und ob die Substanz den NAD+-Stoffwechsel beim Menschen messbar anhebt. Sekundär wurden explorativ kardiovaskuläre Marker erfasst, insbesondere Blutdruck und aortale Pulswellengeschwindigkeit als Maß für arterielle Steifigkeit.

Die Verträglichkeit war gut: Bei 7 von 30 Teilnehmern traten insgesamt 14 unerwünschte Ereignisse auf, alle von milder Ausprägung; schwerwiegende Nebenwirkungen gab es nicht. Die beiden Abbrüche wegen Nebenwirkungen erfolgten beide in der Placebo-Phase. Biochemisch war der Effekt eindeutig: NAD+ in mononukleären Zellen des peripheren Blutes stieg unter NR um rund 60 Prozent gegenüber Placebo, das Zwischenprodukt NAAD stieg etwa auf das Fünffache und erwies sich als besonders sensitiver Marker für eine gesteigerte NAD+-Synthese.

Klinisch blieben die Ergebnisse dagegen unbestimmt. Der systolische Blutdruck sank im Mittel um etwa 3,9 mmHg, dieser Unterschied war nach Korrektur für multiples Testen nicht statistisch signifikant. Ebenso zeigte die aortale Pulswellengeschwindigkeit lediglich einen nicht signifikanten Trend nach unten. In einer nachträglich gebildeten Untergruppe mit erhöhtem Ausgangsblutdruck (120-139 mmHg systolisch) fiel der systolische Wert um etwa 9 mmHg, was jedoch eine hypothesengenerierende Post-hoc-Beobachtung und kein Wirksamkeitsnachweis ist. Die Autoren schlussfolgern selbst, dass zukünftige, größere Studien diese kardiovaskulären Effekte erst prüfen müssen.

Kernergebnisse

  1. NAD+ in peripheren mononukleären Blutzellen stieg unter 1000 mg NR/Tag um etwa 60 Prozent gegenüber Placebo (mittlere Änderung 6,2 pmol pro mg Protein, P=0,048)
  2. NAAD (Nicotinsäure-Adenin-Dinukleotid) stieg auf etwa das Fünffache des Placebowertes und war der sensitivste Marker der gesteigerten NAD+-Synthese
  3. Verträglichkeit gut: 14 milde unerwünschte Ereignisse bei 7 von 30 Teilnehmern, keine schwerwiegenden Nebenwirkungen; beide Abbrüche wegen Nebenwirkungen fanden in der Placebo-Phase statt
  4. Systolischer Blutdruck: nicht signifikanter Rückgang um im Mittel 3,9 mmHg über die Gesamtgruppe; aortale Pulswellengeschwindigkeit ebenfalls nur nicht signifikanter Abwärtstrend
  5. Post-hoc-Untergruppe mit erhöhtem Ausgangsblutdruck (120-139 mmHg): systolischer Blutdruck etwa 9 mmHg niedriger unter NR - explorativ, nicht konfirmatorisch
Limitationen

Die Stichprobe ist mit 30 randomisierten und 24 auswertbaren Teilnehmern sehr klein und bestand aus gesunden, schlanken, überwiegend weißen Erwachsenen einer einzigen US-Region; die Übertragbarkeit auf ältere Menschen mit Vorerkrankungen, Adipositas oder manifester Hypertonie ist unklar. Die Studie war explizit als Sicherheits- und Machbarkeitsstudie ausgelegt und für klinische Endpunkte unterpowert - die kardiovaskulären Befunde sind sekundär, teils post hoc und nach Korrektur für multiples Testen nicht signifikant. Die Interventionsdauer von sechs Wochen erlaubt keine Aussagen über Langzeitsicherheit oder Effekte auf Alterungsprozesse. NAD+ wurde in Blutzellen gemessen, was den Gewebsstatus in Muskel, Gehirn oder Leber nicht zwingend abbildet. Studienpräparate, Referenzstandards und ein Teil der Finanzierung stammten von ChromaDex Inc., dem Hersteller von NIAGEN; darüber hinaus gaben die Autoren keine Interessenkonflikte an.

Was heißt das praktisch

Die Studie belegt solide, dass oral eingenommenes Nicotinamid-Ribosid in einer Dosis von 1000 mg täglich beim Menschen tatsächlich im Blut messbar NAD+ anhebt und kurzfristig gut vertragen wird - das ist der Nachweis der biologischen Verfügbarkeit, nicht mehr. Ein klinischer Nutzen, etwa für Blutdruck, Gefäßsteifigkeit oder gar Alterungsprozesse, wurde hier nicht gezeigt; wer NAD+ erwägt, sollte diese Arbeit als Sicherheits- und Mechanismusbeleg lesen, nicht als Wirksamkeitsnachweis.