Übersicht/MOTS-c/Studie

Studie · Humanstudie

Zirkulierende MOTS-c-Spiegel sind bei adipösen männlichen Kindern und Jugendlichen erniedrigt und mit Insulinresistenz assoziiert

Circulating MOTS-c levels are decreased in obese male children and adolescents and associated with insulin resistance

Humanstudie

Am Menschen, aber ohne RCT-Design

Autoren
Du C, Zhang C, Wu W, Liang Y, Wang A, Wu S, Zhao Y, Hou L, Ning Q, Luo X
Jahr
2018
Journal
Pediatric Diabetes
Modell / Stichprobe
n=97 Kinder und Jugendliche aus der Provinz Hubei, China (2017): 40 adipöse Probanden (davon 27 männlich) und 57 Kontrollen (davon 40 männlich)
Dosis im Versuch
Keine Intervention, keine Substanzgabe. Reine Querschnitts-Beobachtung mit einmaliger Blutentnahme; MOTS-c wurde im Serum gemessen, zusätzlich Glukose, Insulin, Lipidprofil und anthropometrische Daten (BMI, Taillenumfang).
Quelle
PMID 29691953 ↗  ·  DOI ↗

Zusammenfassung

Es handelt sich um eine Querschnitts-Beobachtungsstudie ohne Intervention. Untersucht wurde, ob sich die Blutspiegel des mitochondrial kodierten Peptids MOTS-c zwischen adipösen und normalgewichtigen Kindern und Jugendlichen unterscheiden. Eingeschlossen wurden 40 adipöse Probanden und 57 Kontrollen aus einer chinesischen Kohorte. Es wurde kein MOTS-c verabreicht, es wurden lediglich endogene Spiegel gemessen und mit Stoffwechselparametern korreliert.

In der Gesamtgruppe lagen die MOTS-c-Spiegel bei Adipositas niedriger als in der Kontrollgruppe (472,61 vs. 561,64 ng/ml). Die Auftrennung nach Geschlecht zeigte, dass dieser Unterschied allein von den männlichen Teilnehmern getragen wurde: Bei adipösen Jungen war MOTS-c signifikant erniedrigt, bei den Mädchen fand sich kein Unterschied zwischen adipösen und normalgewichtigen Teilnehmerinnen. Dieses Null-Ergebnis bei weiblichen Probanden ist ausdrücklich Teil des Befundes und schränkt die Verallgemeinerbarkeit stark ein; angesichts von nur 13 adipösen Mädchen ist die Studie in dieser Subgruppe allerdings kaum aussagekräftig.

Bei den männlichen Teilnehmern korrelierte MOTS-c negativ mit BMI, Taillenumfang, Insulin und Insulinresistenz-Indizes (HOMA-IR). Die Autoren schließen daraus auf einen möglichen Zusammenhang zwischen niedrigem MOTS-c und gestörter Insulinsensitivität. Es handelt sich ausschließlich um Korrelationen; eine Kausalrichtung lässt sich daraus nicht ableiten, und es wurde weder ein Therapieeffekt noch ein klinischer Endpunkt untersucht.

Kernergebnisse

  1. MOTS-c war in der adipösen Gesamtgruppe signifikant niedriger als in der Kontrollgruppe: 472,61 ng/ml vs. 561,64 ng/ml
  2. Der Unterschied bestand nur bei männlichen Teilnehmern; bei den Mädchen unterschieden sich adipöse und normalgewichtige Probandinnen nicht (Null-Ergebnis)
  3. Bei Jungen korrelierte MOTS-c negativ mit BMI und Taillenumfang
  4. Bei Jungen korrelierte MOTS-c negativ mit Nüchtern-Insulin und mit Insulinresistenz-Indizes (HOMA-IR)
  5. Stichprobe insgesamt klein: 40 adipöse (27 männlich) vs. 57 Kontrollen (40 männlich)
Limitationen

Kleine, monozentrische Querschnittsstudie an einer einzigen chinesischen Population; keine Intervention, keine Randomisierung, kein Follow-up, damit keinerlei Kausalaussage möglich. Die Subgruppe der adipösen Mädchen umfasst nur rund 13 Personen, sodass das dort beobachtete Null-Ergebnis ebenso gut ein Power-Problem wie ein echter Geschlechtsunterschied sein kann. MOTS-c-Immunoassays sind zwischen Herstellern schlecht standardisiert, absolute Werte in ng/ml sind daher nicht direkt auf andere Studien übertragbar. Pubertätsstatus, körperliche Aktivität und Ernährung sind potenzielle Confounder. Zu Sponsoring und Interessenkonflikten liegen aus dem abgerufenen Abstract keine Angaben vor.

Was heißt das praktisch

Die Studie zeigt lediglich, dass niedriges körpereigenes MOTS-c bei adipösen Jungen mit Insulinresistenz einhergeht - sie sagt nichts darüber aus, ob die Gabe von MOTS-c etwas verbessert. Als Begründung für eine MOTS-c-Anwendung taugt sie nicht, sie liefert nur einen Hinweis darauf, warum das Peptid als Stoffwechsel-Zielstruktur überhaupt untersucht wird.