Übersicht/Semax/Studie

Studie · Humanstudie

Die Wirksamkeit von Semax bei der Behandlung von Patienten in unterschiedlichen Stadien des ischämischen Schlaganfalls

The efficacy of semax in the treatment of patients at different stages of ischemic stroke

Humanstudie

Am Menschen, aber ohne RCT-Design

Autoren
Gusev EI, Martynov MYu, Kostenko EV, Petrova LV, Bobyreva SN
Jahr
2018
Journal
Zh Nevrol Psikhiatr Im S S Korsakova 118(3. Vyp. 2):61-68
Modell / Stichprobe
n=110 Patienten nach ischämischem Schlaganfall, mittleres Alter 58,0 +/- 9,7 Jahre; Aufteilung in Gruppen mit früher und später Rehabilitation, jeweils weiter unterteilt in Patienten mit und ohne Semax-Gabe
Dosis im Versuch
Semax zusätzlich zur Standardrehabilitation; die genaue Dosis, der Applikationsweg (in der russischen Praxis üblicherweise 0,1%- bzw. 1%-Lösung intranasal) und die Behandlungsdauer sind im frei zugänglichen englischen Abstract nicht angegeben; der Volltext war nicht zugänglich.
Quelle
PMID 29798983 ↗  ·  DOI ↗

Zusammenfassung

Die russische klinische Studie untersuchte, ob die Gabe von Semax zusätzlich zur Rehabilitation den Verlauf nach ischämischem Schlaganfall beeinflusst. Eingeschlossen wurden 110 Patienten (mittleres Alter 58 Jahre), die nach dem Zeitpunkt des Rehabilitationsbeginns (früh vs. spät) und nach Semax-Gabe (ja/nein) in Gruppen eingeteilt wurden. Primäre Messgrössen waren die Plasmakonzentration des neurotrophen Faktors BDNF sowie motorische und funktionelle Erholung, unter anderem gemessen mit dem Barthel-Index.

Nach Angaben der Autoren erhöhte Semax die BDNF-Plasmaspiegel, und diese blieben über den gesamten Beobachtungszeitraum erhöht - unabhängig davon, ob die Rehabilitation früh oder spät begonnen wurde. Die Semax-Gruppen zeigten eine schnellere funktionelle Erholung und bessere Barthel-Werte. Zwischen höheren BDNF-Spiegeln und besserem klinischem Ergebnis fand sich eine positive Korrelation; der frühe Rehabilitationsbeginn verstärkte die Verbesserung der motorischen Leistung zusätzlich.

Die Autoren schlussfolgern, dass die Kombination aus frühzeitiger Rehabilitation und Semax die funktionelle Erholung, die motorische Leistung und die BDNF-Konzentration nach ischämischem Schlaganfall verbessert. Das Abstract nennt keine Effektstärken, Konfidenzintervalle oder p-Werte, sodass die Größe des Effekts nicht beurteilt werden kann.

Kernergebnisse

  1. 110 Patienten nach ischämischem Schlaganfall (Durchschnittsalter 58,0 +/- 9,7 Jahre), unterteilt nach frühem vs. spätem Rehabilitationsbeginn und Semax-Gabe.
  2. Semax erhöhte die BDNF-Plasmaspiegel; die Erhöhung blieb über den gesamten Studienzeitraum bestehen, unabhängig vom Rehabilitationszeitpunkt.
  3. Schnellere funktionelle Erholung und bessere Barthel-Index-Werte in den Semax-Gruppen.
  4. Positive Korrelation zwischen höheren BDNF-Spiegeln und besserem funktionellem Ergebnis.
  5. Früher Rehabilitationsbeginn verstärkte die Verbesserung der motorischen Funktion zusätzlich zum Semax-Effekt.
Limitationen

Es handelt sich um eine russische Studie ohne im Abstract dokumentierte Randomisierung, Verblindung oder Placebokontrolle; die Zuteilung zu Semax- und Kontrollgruppen ist nicht näher beschrieben. Konkrete Zahlenwerte, Effektstärken und Signifikanzangaben fehlen im zugänglichen Abstract, der Volltext ist nur auf Russisch und kostenpflichtig verfügbar; Dosis, Applikationsweg und Behandlungsdauer liessen sich daher nicht verifizieren. Semax ist ausserhalb Russlands nicht zugelassen, und ein großer Teil der Semax-Literatur stammt aus demselben nationalen Forschungsumfeld, was das Risiko von Publikations- und Interessenskonflikt-Bias erhöht. Angaben zu Sponsoren waren nicht einsehbar. BDNF im Plasma ist zudem ein Surrogatmarker, dessen Bezug zur klinischen Erholung nicht kausal belegt ist.

Was heißt das praktisch

Die Studie ist einer der Hauptbelege dafür, dass Semax beim Menschen BDNF-Spiegel anheben und die Erholung nach Schlaganfall unterstützen könnte - allerdings in einem klinischen Akutkontext, nicht als Nootropikum bei Gesunden. Wegen fehlender Verblindung, fehlender Zahlenangaben und schwer prüfbarer Datenlage sollte sie als schwacher Hinweis, nicht als Wirksamkeitsnachweis gewertet werden.