Übersicht/Semax/Studie

Studie · Humanstudie

Effekte von Semax auf das Default Mode Network des Gehirns

Effects of Semax on the Default Mode Network of the Brain

Humanstudie

Am Menschen, aber ohne RCT-Design

Autoren
Lebedeva IS, Panikratova YR, Sokolov OY, Kupriyanov DA, Rumshiskaya AD, Kost NV, Myasoedov NF
Jahr
2018
Journal
Bulletin of Experimental Biology and Medicine
Modell / Stichprobe
n=24 gesunde Freiwillige (11 Männer, 13 Frauen, mittleres Alter 43,9 +/- 9,5 Jahre); 14 erhielten Semax, 10 Placebo
Dosis im Versuch
1%ige Semax-Lösung intranasal, Einmalgabe; Bildgebung vor der Gabe sowie 5 und 20 Minuten danach (Akutstudie, keine Mehrfachdosierung). Die genaue Peptidmenge in Mikrogramm wird im Abstract nicht angegeben.
Quelle
PMID 30225715 ↗  ·  DOI ↗

Zusammenfassung

Die Studie untersuchte mit funktioneller Magnetresonanztomographie im Ruhezustand (resting-state fMRT), ob eine einmalige intranasale Gabe von Semax die räumliche Organisation des Default Mode Network (DMN) verändert. Das DMN ist ein Netzwerk, das vor allem in Ruhe aktiv ist und mit Selbstbezug, Gedächtnisabruf und Aufmerksamkeitsregulation in Verbindung gebracht wird.

Untersucht wurden 24 gesunde Erwachsene, die in eine Semax- (n=14) und eine Placebo-Gruppe (n=10) aufgeteilt wurden. Jede Person wurde dreimal gescannt: vor der Applikation sowie 5 und 20 Minuten danach. Primärer Endpunkt war die Ausdehnung bzw. Zusammensetzung der DMN-Subkomponenten.

Ergebnis: In der Semax-Gruppe zeigte sich im Vergleich zur Kontrollgruppe ein größeres Volumen der rostralen DMN-Subkomponente (medialer frontaler Kortex). Klinische, kognitive oder Verhaltensendpunkte wurden nicht berichtet; die Studie belegt damit lediglich eine messbare akute Veränderung der funktionellen Netzwerkorganisation, keinen nachgewiesenen Nutzen.

Kernergebnisse

  1. Einmalige intranasale Gabe von 1% Semax führte bei gesunden Probanden zu einem größeren Volumen der rostralen DMN-Subkomponente (medialer frontaler Kortex) als Placebo.
  2. Der Effekt war innerhalb von 5 bis 20 Minuten nach der Applikation im resting-state fMRT nachweisbar, also sehr schnell einsetzend.
  3. Andere DMN-Subkomponenten zeigten laut Abstract keine vergleichbaren Unterschiede.
  4. Es wurden keine kognitiven Leistungs- oder klinischen Endpunkte berichtet - der Befund ist rein bildgebend.
  5. Stichprobe klein und unbalanciert: 14 Verum vs. 10 Placebo, insgesamt n=24.
Limitationen

Sehr kleine, ungleich verteilte Stichprobe (n=24, 14 vs. 10) ohne Angabe zu Randomisierung oder Verblindung im Abstract; das Risiko falsch-positiver Befunde ist bei fMRT-Netzwerkanalysen mit dieser Gruppengrösse hoch. Es wurde nur eine Einmalgabe über maximal 20 Minuten untersucht, sodass keine Aussage zu wiederholter Anwendung, Dauerwirkung oder Sicherheit möglich ist. Die genaue Dosis in Mikrogramm bleibt unklar. Es fehlen funktionelle Endpunkte, die zeigen würden, ob die Netzwerkveränderung überhaupt mit besserer Leistung einhergeht. Die Autorengruppe stammt aus dem russischen Umfeld der Semax-Entwicklung (u.a. Myasödov als Miterfinder des Peptids), was einen möglichen Interessenkonflikt darstellt; das Publikationsorgan ist ein russisches Journal mit begrenzter internationaler Rezeption.

Was heißt das praktisch

Die Studie zeigt, dass intranasales Semax beim Menschen tatsächlich schnell messbare Effekte auf die Hirnaktivität hat - sie belegt aber keinerlei kognitiven oder klinischen Nutzen. Wer eine Anwendung erwägt, sollte sie als Hinweis auf zentrale Wirksamkeit werten, nicht als Wirksamkeitsnachweis.