Übersicht/MOTS-c/Studie

Studie · Humanstudie

Entwicklung einer massenspektrometrischen Nachweismethode für das mitochondrial abgeleitete Peptid MOTS-c in Plasmaproben für Zwecke der Dopingkontrolle

Development of a mass spectrometry based detection method for the mitochondrion-derived peptide MOTS-c in plasma samples for doping control purposes

Humanstudie

Am Menschen, aber ohne RCT-Design

Autoren
Knoop A, Thomas A, Thevis M
Jahr
2019
Journal
Rapid Communications in Mass Spectrometry, 33(4):371-380
Modell / Stichprobe
Analytische Methodenentwicklung an humanen Plasmaproben; Referenzpopulation n=20 gesunde Probanden; zusätzlich In-vitro-Metabolismus-Experimente und tierische MOTS-c-Analoga
Dosis im Versuch
Keine Verabreichung von MOTS-c an Menschen. Es wurden dotierte (gespikte) Plasmaproben zur Validierung verwendet; untere Nachweisgrenze 100 pg/mL. Keine Dosierung, kein Applikationsweg, keine Behandlungsdauer.
Quelle
PMID 30394592 ↗  ·  DOI ↗

Zusammenfassung

Es handelt sich nicht um eine Wirksamkeits- oder Anwendungsstudie, sondern um eine rein analytisch-methodische Arbeit aus dem Kölner Dopingkontrolllabor. Ziel war es, ein Verfahren mittels Flüssigchromatographie gekoppelt mit Massenspektrometrie (LC/MS) zu entwickeln, mit dem synthetisches MOTS-c im Blutplasma von Sportlern nachgewiesen werden kann. Hintergrund ist, dass MOTS-c über AMPK-Aktivierung in den Energiestoffwechsel eingreift und daher als potenzielles Dopingmittel eingestuft wird.

Die Methode wurde vollständig nach dem International Standard for Laboratories (ISL) der Welt-Anti-Doping-Agentur validiert und erwies sich als spezifisch und empfindlich, mit einer unteren Nachweisgrenze von 100 pg/mL Plasma. Neben dem humanen Peptid wurden tierische MOTS-c-Analoga, vier in vitro gebildete Metaboliten und zwei Oxidationsprodukte in das Verfahren aufgenommen, was das Nachweisfenster erweitern kann. Zusätzlich wurden Stabilität (auch Langzeit) und In-vitro-Metabolismus untersucht.

Bemerkenswert und für die Bewertung von MOTS-c-Blutspiegeln zentral ist ein klar negatives Teilergebnis: In einer Referenzgruppe von 20 gesunden Personen ergab ein kommerzieller ELISA endogene MOTS-c-Konzentrationen von 45,9 bis 218,5 ng/mL. Diese Werte ließen sich mit der weit empfindlicheren LC/MS-Methode nicht bestätigen. Die Autoren sprechen von erheblichen Unterschieden zwischen den beiden Messverfahren, die vor einer Festlegung endogener Referenzbereiche geklärt werden müssen.

Kernergebnisse

  1. LC/MS-Methode für MOTS-c im Humanplasma vollständig nach WADA-ISL validiert, untere Nachweisgrenze (LLOD) 100 pg/mL.
  2. Vier in vitro gebildete Metaboliten und zwei Oxidationsprodukte sowie tierische MOTS-c-Analoga wurden in das Verfahren integriert, um die Nachweisbarkeit zu verbessern.
  3. Kommerzieller ELISA maß bei 20 gesunden Probanden endogene MOTS-c-Spiegel von 45,9-218,5 ng/mL.
  4. Diese ELISA-Werte konnten per LC/MS nicht bestätigt werden - obwohl LC/MS mit 100 pg/mL rund zwei bis drei Größenordnungen empfindlicher ist. Das spricht für eine unspezifische bzw. überschätzende ELISA-Messung.
  5. Endogene Referenzgrenzen für MOTS-c konnten deshalb nicht belastbar festgelegt werden.
Limitationen

Die Arbeit trifft keinerlei Aussage zu Wirkung, Sicherheit oder Dosierung von MOTS-c beim Menschen; es wurde kein Peptid verabreicht. Die Referenzpopulation ist mit n=20 sehr klein und nicht näher charakterisiert. Die Metaboliten stammen aus In-vitro-Experimenten und wurden nicht in vivo nach einer tatsächlichen Applikation bestätigt, sodass unklar bleibt, wie lange MOTS-c real nachweisbar ist. Der zentrale Widerspruch zwischen ELISA und LC/MS wird beschrieben, aber nicht aufgeklärt. Die Autoren sind einem WADA-akkreditierten Dopingkontrolllabor (Köln) zugehörig; die Arbeit wurde typischerweise vom Bundesinstitut für Sportwissenschaft und der WADA-Forschungsförderung unterstützt - ein kommerzieller Interessenkonflikt zu MOTS-c-Herstellern besteht nicht.

Was heißt das praktisch

Für jemanden, der über MOTS-c nachdenkt, sagt diese Studie nichts über Nutzen oder Risiken aus - sie zeigt aber zwei praktisch wichtige Dinge: MOTS-c ist im Plasma sensitiv nachweisbar und damit für getestete Sportler ein reales Dopingkontrollrisiko, und die häufig zitierten ELISA-basierten MOTS-c-Blutwerte (ng/mL-Bereich) sind messtechnisch fragwürdig und sollten nicht als Grundlage für Selbstmessungen oder Dosierungslogik dienen.