Übersicht/NAD+/Studie

Studie · Humanstudie (RCT)

Sicherheit und Stoffwechsel einer Langzeitgabe von NIAGEN (Nicotinamidribosid-Chlorid) in einer randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten klinischen Studie an gesunden übergewichtigen Erwachsenen

Safety and Metabolism of Long-term Administration of NIAGEN (Nicotinamide Riboside Chloride) in a Randomized, Double-Blind, Placebo-controlled Clinical Trial of Healthy Overweight Adults

Humanstudie (RCT)

Stärkste Evidenzstufe hier

Autoren
Conze D, Brenner C, Kruger CL
Jahr
2019
Journal
Scientific Reports
Modell / Stichprobe
n=140 gesunde, übergewichtige Erwachsene (Alter 40-60 Jahre, BMI 25-30 kg/m²), vier Gruppen zu je 35 Personen
Dosis im Versuch
Nicotinamidribosid-Chlorid (NIAGEN) oral, täglich 100 mg, 300 mg oder 1000 mg gegenüber Placebo, über 8 Wochen nach einer 2-wöchigen Run-in-Phase
Quelle
PMID 31278280 ↗  ·  DOI ↗

Zusammenfassung

Die Studie ist eine randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Parallelgruppen-Studie zur Sicherheit und Bioverfügbarkeit von Nicotinamidribosid (NR) als NAD+-Vorläufer. 140 gesunde, aber übergewichtige Erwachsene im Alter von 40 bis 60 Jahren (BMI 25-30) erhielten acht Wochen lang täglich oral entweder Placebo oder 100, 300 bzw. 1000 mg NR-Chlorid. Während der Studie sollten die Teilnehmenden tryptophanreiche Lebensmittel und andere Vitamin-B3-Präparate meiden, um Störgrößen zu begrenzen. Primärer Endpunkt war die Ausscheidung von Methylnicotinamid (MeNAM) im Urin; sekundär bzw. explorativ wurden weitere NAD+-Metabolite in Blut und Urin sowie klinisch-chemische und metabolische Marker erfasst.

Ergebnis: NR erhöhte den NAD+-Spiegel im Vollblut dosisabhängig und statistisch signifikant, und zwar um etwa 22 % (100 mg), 51 % (300 mg) und 142 % (1000 mg). Der Anstieg trat bereits innerhalb von zwei Wochen ein und blieb über die restlichen sechs Wochen stabil, ohne weitere Steigerung. Die begleitenden NAD+-Metabolite in Blut und Urin stiegen entsprechend an, was die orale Bioverfügbarkeit belegt.

Sicherheitsseitig zeigte sich kein Signal: Es traten keine schwerwiegenden unerwünschten Ereignisse auf, keine Flush-Reaktionen (wie sie von Niacin bekannt sind) und keine statistisch signifikanten Unterschiede in der Häufigkeit unerwünschter Ereignisse zwischen NR- und Placebogruppen. LDL-Cholesterin stieg nicht an, der Ein-Kohlenstoff-Stoffwechsel (u. a. Homocystein) blieb unauffällig, ebenso Leber- und Nierenwerte. Wichtig für die Einordnung: Die Studie war eine Sicherheits- und Pharmakokinetikstudie. Sie war nicht darauf ausgelegt, klinische Nutzenendpunkte zu zeigen, und berichtete keine klinisch relevanten Verbesserungen von Stoffwechsel, Körperzusammensetzung oder Leistungsfähigkeit. Der Nachweis beschränkt sich darauf, dass NAD+ im Blut steigt und die Substanz gut vertragen wird.

Kernergebnisse

  1. Dosisabhängiger Anstieg des Vollblut-NAD+ um 22 % (100 mg), 51 % (300 mg) und 142 % (1000 mg) täglich gegenüber Ausgangswert
  2. Der NAD+-Anstieg war nach zwei Wochen erreicht und blieb über die gesamten acht Wochen stabil (kein weiterer Zuwachs, keine Toleranzentwicklung)
  3. Keine signifikanten Unterschiede bei unerwünschten Ereignissen zwischen NR- und Placebogruppen; keine schwerwiegenden unerwünschten Ereignisse
  4. Keine Flush-Reaktionen, kein Anstieg des LDL-Cholesterins, keine Dysregulation des Ein-Kohlenstoff-Stoffwechsels (Homocystein), keine klinisch bedeutsamen Änderungen von Leber- und Nierenwerten
  5. Primärer Endpunkt war die MeNAM-Ausscheidung im Urin; klinische Wirksamkeitsendpunkte (Stoffwechsel, Körperzusammensetzung, Leistung) wurden nicht als Nutzen belegt
Limitationen

Es handelt sich um eine reine Sicherheits- und Bioverfügbarkeitsstudie ohne klinische Nutzenendpunkte: Ein höherer NAD+-Blutspiegel ist ein Surrogatmarker und kein Beleg für gesundheitlichen Nutzen. Die Stichprobe war mit 35 Personen pro Arm und acht Wochen Dauer zu klein und zu kurz, um seltene oder erst langfristig auftretende Nebenwirkungen zu erkennen. Die untersuchte Population war eng definiert (gesunde Übergewichtige, 40-60 Jahre, BMI 25-30), sodass die Übertragbarkeit auf Ältere, Kranke oder Personen mit anderem BMI offen bleibt. Zentraler Interessenkonflikt: Die Studie wurde von ChromaDex finanziert, dem Hersteller von NIAGEN; zwei Autoren waren zum Zeitpunkt der Publikation bei ChromaDex angestellt bzw. beratend tätig, ein Autor war wissenschaftlicher Chefberater mit lizenzierten Schutzrechten an der Substanz.

Was heißt das praktisch

Die Studie ist die zentrale Referenz dafür, dass orales Nicotinamidribosid den NAD+-Spiegel im Blut dosisabhängig und dauerhaft anhebt und über acht Wochen bis 1000 mg täglich gut vertragen wird. Sie beantwortet aber nicht, ob dieser Anstieg tatsächlich einen gesundheitlichen Nutzen bringt - wer NAD+-Supplementierung erwägt, sollte das als offene Frage behandeln und den Herstellersponsor mitbedenken.