Übersicht/NAD+/Studie

Studie · Humanstudie (RCT)

Nicotinamid-Ribosid erhöht das NAD+-Metabolom im alternden menschlichen Skelettmuskel und erzeugt transkriptomische sowie entzündungshemmende Signaturen

Nicotinamide Riboside Augments the Aged Human Skeletal Muscle NAD+ Metabolome and Induces Transcriptomic and Anti-inflammatory Signatures

Humanstudie (RCT)

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Autoren
Elhassan YS, Kluckova K, Fletcher RS, Schmidt MS, Garten A, Doig CL, Cartwright DM, Oakey L, Burley CV, Jenkinson N, Wilson M, Lucas SJE, Akerman I, Seabright A, Lai YC, Tennant DA, Nightingale P, Wallis GA, Manolopoulos KN, Brenner C, Philp A, Lavery GG
Jahr
2019
Journal
Cell Reports 28(7):1717-1728.e6
Modell / Stichprobe
n=12 ältere Männer (gesunde, aged participants), Cross-over-Design; Muskelbiopsien und Blutproben
Dosis im Versuch
1 g Nicotinamid-Ribosid (NR) täglich, oral, über 21 Tage; placebokontrolliert, randomisiert, doppelblind, Cross-over mit Auswaschphase
Quelle
PMID 31412242 ↗  ·  DOI ↗

Zusammenfassung

Die Arbeit prüfte, ob orales Nicotinamid-Ribosid (NR) beim älteren Menschen tatsächlich im Skelettmuskel ankommt und dort den NAD+-Stoffwechsel sowie die mitochondriale Bioenergetik verändert. Zwölf ältere Männer erhielten in einem randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Cross-over-Versuch 21 Tage lang 1 g NR pro Tag. Untersucht wurden das NAD+-Metabolom im Muskel (gezielte Metabolomik), das Muskeltranskriptom (RNA-Sequenzierung), die mitochondriale Funktion sowie zirkulierende Entzündungsmarker.

NR veränderte das muskuläre NAD+-Metabolom messbar: Nikotinsäure-Adenin-Dinukleotid (NAAD, ein sensitiver Marker für NAD+-Vorstufenzufuhr) und Abbauprodukte des Nicotinamids stiegen an. Damit ist belegt, dass oral zugeführtes NR den alternden Muskel erreicht. Wichtig ist jedoch die Einschränkung: Der eigentliche NAD+-Spiegel im Muskel stieg nicht signifikant an, und die mitochondriale Bioenergetik blieb unverändert. Im Transkriptom zeigte sich sogar eine Herunterregulation von Energiestoffwechsel- und Mitochondrien-Signalwegen.

Als positiver Nebenbefund sanken zirkulierende entzündungsfördernde Zytokine unter NR. Die Autoren interpretieren dies als Hinweis auf einen entzündungshemmenden Effekt von NR. Insgesamt ist die Studie damit eher ein Dämpfer für die Erwartung, dass NR beim gesunden älteren Menschen die Muskelmitochondrien verbessert – die Hauptendpunkte zur Bioenergetik waren negativ.

Kernergebnisse

  1. 1 g NR/Tag über 21 Tage erhöhte im Skelettmuskel NAAD und Nicotinamid-Abbauprodukte – Beleg, dass orales NR den alternden Muskel erreicht.
  2. Der NAD+-Spiegel im Muskel selbst stieg nicht signifikant an (Nullbefund für den zentralen Wirkmechanismus).
  3. Keine Verbesserung der mitochondrialen Bioenergetik im Muskel gegenüber Placebo (Nullbefund am Hauptendpunkt).
  4. RNA-Sequenzierung zeigte eine Herunterregulation von Energiestoffwechsel- und Mitochondrien-Signalwegen unter NR – entgegen der erwarteten Richtung.
  5. Zirkulierende entzündungsfördernde Zytokine waren unter NR erniedrigt (laut Abstract 'depressed levels of circulating inflammatory cytokines').
Limitationen

Sehr kleine Stichprobe (n=12) und ausschließlich ältere Männer – keine Aussagen für Frauen, Jüngere oder Kranke möglich. Kurze Interventionsdauer von nur 21 Tagen; längere Einnahme könnte andere Effekte haben. Es wurden gesunde Probanden ohne relevante Stoffwechselerkrankung untersucht, sodass ein möglicher Nutzen bei metabolischer Dysfunktion nicht ausgeschlossen ist. Die Zytokin-Befunde sind explorativ und multiples Testen ist ein Thema; sie waren kein vorab definierter primärer Endpunkt. Interessenkonflikt: Mitautor Charles Brenner ist wissenschaftlicher Berater bzw. eng verbunden mit ChromaDex, dem Hersteller des verwendeten NR-Präparats (Niagen); das Studienmaterial stammte aus dieser Quelle.

Was heißt das praktisch

Wer NR zur NAD+-Anhebung erwägt, sollte wissen: Das Präparat erreicht den Muskel nachweislich, hebt dort aber in dieser Studie weder NAD+ messbar an noch verbessert es die Mitochondrienfunktion bei gesunden älteren Männern. Der einzige klar positive Befund war ein Rückgang von Entzündungsmarkern – ein Hinweis, aber kein Beleg für einen klinischen Nutzen.