Studie · In-vitro
The occurrence of putative cognitive enhancing research peptides in seized pharmaceutical preparations: An incentive for controlling agencies to prepare for future encounters of the kind
Nur Zellkultur — weit vom Menschen entfernt
Zusammenfassung
Die Studie ist keine klinische oder pharmakologische Untersuchung, sondern eine forensisch-analytische Arbeit des belgischen Wissenschaftlichen Instituts für Volksgesundheit (Sciensano). Ausgangspunkt waren zwei in den Jahren 2017 und 2018 beschlagnahmte pharmazeutische Zubereitungen, in denen die sogenannten Forschungspeptide Selank und Semax identifiziert wurden. Beide Substanzen haben keine abgeschlossene klinische Entwicklung nach westlichen Zulassungsstandards durchlaufen, werden aber im Internet frei als lyophilisiertes Pulver zur Injektion oder als Nasenspray vertrieben.
Die Autoren entwickelten daraufhin eine LC-MS/MS-Methode (Flüssigchromatographie mit Tandem-Massenspektrometrie), mit der insgesamt zehn als kognitionssteigernd beworbene Peptide mit sehr unterschiedlichen physikochemischen Eigenschaften erfasst werden können. Die Methode wurde als Screening-Verfahren in mehreren Matrices (u.a. Pulver, Lösungen, Nasensprays) nach den Anforderungen der ISO 17025 validiert, um in Kontrolllaboren gerichtsfest eingesetzt werden zu können.
Das Ergebnis ist methodischer Natur: Es liegt ein validiertes Verfahren vor, mit dem Kontrollbehörden derartige Peptide in beschlagnahmten Produkten sicher nachweisen können. Inhaltlich belegt die Arbeit vor allem, dass Selank tatsächlich im Graumarkt zirkuliert und in beschlagnahmten Präparaten auftaucht. Aussagen zu Wirksamkeit, Sicherheit oder Dosierung von Selank am Menschen enthält die Studie nicht.
Kernergebnisse
Es handelt sich um eine rein analytisch-methodische Arbeit ohne biologisches Modell, ohne Probanden und ohne Endpunkte zu Wirksamkeit oder Verträglichkeit. Die Datenbasis ist mit zwei beschlagnahmten Proben sehr klein und nicht repräsentativ für den gesamten Graumarkt. Die Bewertung als 'potenziell gefährlich' beruht auf dem fehlenden klinischen Nachweis und der unregulierten Herkunft, nicht auf eigenen Toxizitätsdaten. Rückschlüsse auf die Anwendung von Selank am Menschen sind aus dieser Arbeit nicht möglich. Die Studie stammt von einer staatlichen Kontrollinstitution; ein kommerzieller Interessenkonflikt ist nicht erkennbar, die regulatorische Perspektive prägt jedoch die Bewertung.
Die Arbeit sagt nichts darüber aus, ob Selank wirkt oder sicher ist - sie belegt aber, dass Selank überwiegend über unregulierte Online-Quellen in Umlauf ist, dass entsprechende Produkte behördlich beschlagnahmt werden und dass es keine abgeschlossene klinische Prüfung nach westlichen Standards gibt. Wer eine Anwendung erwägt, sollte einkalkulieren, dass Identität, Reinheit und Gehalt solcher Produkte nicht garantiert sind und der Bezug rechtliche Risiken bergen kann.