Studie · Humanstudie
Increased expression of the mitochondrial derived peptide, MOTS-c, in skeletal muscle of healthy aging men is associated with myofiber composition
Am Menschen, aber ohne RCT-Design
Zusammenfassung
Die Arbeit untersucht, wie sich das mitochondrial kodierte Peptid MOTS-c beim gesunden Altern des Mannes verhält – getrennt für Blut und Skelettmuskel. Anlass war die Beobachtung aus Mausmodellen, dass MOTS-c mit dem Alter in Plasma und Muskel abfällt und exogenes MOTS-c die Insulinsensitivität verbessert. Untersucht wurden 104 gesunde Männer in drei Altersstufen; es handelt sich um eine Querschnittsanalyse ohne Intervention und ohne MOTS-c-Gabe.
Das zirkulierende MOTS-c war bei mittelalten (-11 %) und älteren Männern (-21 %) niedriger als bei jungen. Dieser Alterseffekt blieb in einer ANCOVA auch nach Adjustierung für Körperfett-, Magermasseanteil, HOMA-IR und Triglyzeride bestehen (p<0,001). Im Muskel zeigte sich das Gegenteil: mittelalte und ältere Männer hatten eine etwa 1,5-fach höhere MOTS-c-Proteinexpression als junge. Plasma- und Muskelspiegel korrelierten nur bei den jungen Männern, nicht bei den mittelalten und nicht im Gesamtkollektiv; für die älteren Männer war dieser Vergleich gar nicht möglich, weil Muskel- und Blutproben von verschiedenen Personen stammten.
Die höhere Muskel-MOTS-c-Expression war mit Markern langsamer (Typ-I-)Fasern assoziiert, passend zur bekannten Fast-to-Slow-Verschiebung im Alter, und in der älteren Gruppe positiv mit der Muskelqualität (maximale Beinpressenlast relativ zur Oberschenkel-Querschnittsfläche) verknüpft. Mittels small-mRNA-Assays fanden die Autoren Hinweise, dass die MOTS-c-Transkription unabhängig vom übergeordneten 12S-rRNA-Gen reguliert sein könnte. Ausdrücklich negativ ausgefallen ist die Prüfung des aus Zellkultur postulierten Nrf2/ARE-Signalwegs: Die MOTS-c-Expression war im menschlichen Muskel nicht mit ARE-abhängigen Genen assoziiert (nur eine schwache Korrelation mit NRF2-mRNA). Ebenso zeigte das Plasma-MOTS-c keine Assoziation mit HOMA-IR oder Fettmasse, nur eine schwache mit der relativen Magermasse.
Kernergebnisse
Querschnittsdesign ohne Intervention: Es lassen sich keine Kausalaussagen treffen, und über die Wirkung von zugeführtem MOTS-c sagt die Studie nichts. Eine gravierende methodische Schwäche ist, dass in der ältesten Gruppe Muskel- und Plasmaproben von zwei verschiedenen Kohorten stammten, weshalb der zentrale Plasma-Muskel-Vergleich ausgerechnet dort nicht möglich war. Die Stichprobe umfasst ausschließlich gesunde, mobile, selbstständige Männer (n=26 pro Gruppe) – Frauen, Kranke und Gebrechliche sind nicht abgebildet, und gerade die Selektion auf gesundes Altern könnte die erhöhte Muskelexpression als Kompensationsphänomen überzeichnen. MOTS-c-Quantifizierung per Western Blot und Immunoassay ist bei diesem kleinen Peptid methodisch anspruchsvoll; 'Muskelqualität' wurde nur über ein geschätztes 1-RM (Brzycki-Formel) definiert. Interessenkonflikt: Zwei Autoren (P. Cohen, C. Lee – Miterfinder des MOTS-c-Felds) sind Berater und Anteilseigner von CohBar, Inc., einem Unternehmen zur Entwicklung mitochondrialer Peptide; die übrigen Autoren geben keine Konflikte an. Finanzierung u. a. durch Marsden Fund, University of Auckland, AFAR und NIA (R01AG052258, P01AG034906).
Die Studie widerlegt die einfache Erzählung, MOTS-c falle im Alter überall ab: Im Blut sinkt es zwar, im Muskel steigt es sogar – möglicherweise als Anpassungsreaktion, die mit besserer Muskelqualität einhergeht. Wer über eine MOTS-c-Anwendung nachdenkt, sollte wissen, dass hier kein Peptid verabreicht wurde, dass niedrige Blutwerte kein belegter Mangelmarker für den Muskel sind und dass diese Daten keinerlei Aussage über Nutzen oder Sicherheit einer Zufuhr erlauben.