Übersicht/NAD+/Studie

Studie · Humanstudie (RCT)

Nicotinamid-Mononukleotid erhöht die Insulinsensitivität der Muskulatur bei prädiabetischen Frauen

Nicotinamide mononucleotide increases muscle insulin sensitivity in prediabetic women

Humanstudie (RCT)

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Autoren
Yoshino M, Yoshino J, Kayser BD, Patti GJ, Franczyk MP, Mills KF, Sindelar M, Pietka T, Patterson BW, Imai SI, Klein S
Jahr
2021
Journal
Science
Modell / Stichprobe
n=25 postmenopausale Frauen mit Prädiabetes und Übergewicht/Adipositas (13 NMN, 12 Placebo)
Dosis im Versuch
250 mg NMN pro Tag, oral, über 10 Wochen; randomisiert, doppelblind, placebokontrolliert (NCT03151239)
Quelle
PMID 33888596 ↗  ·  DOI ↗

Zusammenfassung

Die Studie ist ein 10-wöchiger randomisierter, doppelblinder, placebokontrollierter Versuch mit 25 postmenopausalen Frauen mit Prädiabetes sowie Übergewicht oder Adipositas. Dreizehn Teilnehmerinnen erhielten 250 mg Nicotinamid-Mononukleotid (NMN) täglich oral, zwölf ein Placebo. Primärer Endpunkt war die Insulinsensitivität, gemessen mit dem hyperinsulinämisch-euglykämischen Clamp, ergänzt um Muskelbiopsien zur Analyse der Insulinsignalkaskade und der Genexpression.

Die insulinstimulierte Glukoseaufnahme pro kg fettfreier Masse lag nach 10 Wochen NMN um 25 ± 7 Prozent höher als vorher (p<0,01), während sich in der Placebogruppe nichts änderte. Parallel dazu war die Insulinsignalgebung im Skelettmuskel verstärkt (Phosphorylierung von AKT und mTOR), und Gene der Muskelumbauprozesse wurden hochreguliert.

Wichtig ist, was sich nicht änderte: Körpergewicht, BMI, Fettmasse und fettfreie Masse blieben gleich, ebenso Leberfett, viszerales Fett, Insulinsensitivität von Leber und Fettgewebe, Nüchternglukose, Nüchterninsulin, HbA1c-nahe Marker, Blutdruck, Blutfette, Adiponektin und Leptin. Auch die NAD+-Spiegel im Muskel im Steady State stiegen nicht messbar an, ebenso wenig mitochondriale Atmungskapazität und körperliche Leistungsfähigkeit. Der Effekt war also eng auf die Muskel-Insulinsensitivität begrenzt, ohne klinisch fassbare Verbesserung der Stoffwechsellage.

Kernergebnisse

  1. Insulinstimulierte Glukoseaufnahme pro kg fettfreier Masse: +25 ± 7 Prozent unter NMN (p<0,01), keine Veränderung unter Placebo
  2. Verstärkte Insulinsignalgebung im Skelettmuskel (u. a. AKT- und mTOR-Phosphorylierung) sowie Hochregulation von Genen des Muskelumbaus
  3. Keine Veränderung von Körpergewicht, BMI, Fettmasse, fettfreier Masse, Leberfett oder viszeralem Fett
  4. Keine Verbesserung von Nüchternglukose, Nüchterninsulin, Blutfetten, Blutdruck, Adiponektin oder Leptin
  5. Keine messbare Erhöhung der NAD+-Steady-State-Spiegel im Muskel; keine Änderung der mitochondrialen Atmungskapazität oder der körperlichen Funktion
Limitationen

Sehr kleine Stichprobe (13 vs. 12) in einer eng definierten Gruppe (postmenopausale, übergewichtige/adipöse Frauen mit Prädiabetes), daher begrenzte Übertragbarkeit auf Männer, Jüngere oder Stoffwechselgesunde. Nur eine einzige, niedrige Dosis (250 mg/Tag) und kurze Dauer von 10 Wochen; keine Dosis-Wirkungs-Daten. Die Verbesserung betraf einen Surrogatparameter, nicht klinische Endpunkte wie Diabetesinzidenz; nahezu alle sekundären Stoffwechselmarker blieben unverändert. Der Wirkmechanismus bleibt unklar, da die Muskel-NAD+-Spiegel nicht anstiegen. Finanzierung überwiegend durch die NIH, jedoch bestehen relevante Interessenkonflikte: S. Imai erhält Patent-Lizenzgebühren von MetroBiotech und Teijin Limited, J. Yoshino ist Miterfinder einer NMN-bezogenen Patentanmeldung.

Was heißt das praktisch

Es ist die bislang bekannteste kontrollierte Humanstudie zu NMN und zeigt einen realen, aber klar begrenzten Effekt: bessere Insulinsensitivität der Muskulatur, ohne Gewichts-, Blutzucker- oder Leistungsverbesserung. Wer NAD+-Vorstufen erwägt, sollte sie als frühen Machbarkeitsnachweis in einer speziellen Risikogruppe lesen, nicht als Beleg für breite Anti-Aging- oder Stoffwechselwirkungen.