Studie · Humanstudie (RCT)
In vivo mitochondrial ATP production is improved in older adult skeletal muscle after a single dose of elamipretide in a randomized trial
Stärkste Evidenzstufe hier
Zusammenfassung
Untersucht wurde, ob eine einzelne intravenöse Gabe des mitochondrial gerichteten, an Cardiolipin bindenden Peptids Elamipretid (SS-31) die mitochondriale Funktion in der Skelettmuskulatur älterer Menschen messbar verbessert. Die Studie war randomisiert, doppelblind und placebokontrolliert. Mit nicht-invasiver Magnetresonanz- und optischer Spektroskopie wurden die maximale mitochondriale ATP-Bildungskapazität unter Belastung (ATPmax) sowie die mitochondriale Kopplung in Ruhe (ATP-Bereitstellung pro aufgenommenem O2, P/O) bestimmt. Zusätzlich wurde die willkürliche Ermüdungsresistenz über das Kraft-Zeit-Integral bei wiederholten Muskelkontraktionen erfasst.
Unmittelbar nach der zweistündigen Infusion war die mitochondriale Kapazität in der Elamipretid-Gruppe gegenüber Placebo erhöht (ΔATPmax: P = 0,055; prozentuale Änderung %ΔATPmax: P = 0,045). An Tag 7 nach der Behandlung bestand kein Unterschied mehr, was mit der kurzen Halbwertszeit von Elamipretid im menschlichen Blut übereinstimmt. Die mitochondriale Kopplung in Ruhe (P/O) veränderte sich nicht signifikant.
Trotz der erhöhten ATPmax zeigte sich kein signifikanter Effekt der Behandlung auf die Ermüdungsresistenz des untersuchten Muskels. Die Autoren werten das Ergebnis als erste Demonstration, dass eine pharmakologische Intervention mitochondriale Dysfunktion im alternden menschlichen Muskel in vivo unmittelbar nach der Gabe teilweise umkehren kann – der Effekt ist jedoch schnell reversibel und übersetzte sich in dieser Studie nicht in eine bessere Muskelfunktion.
Kernergebnisse
Kleine Stichprobe (n=39) und nur eine Einzeldosis, gemessen an einem einzigen kleinen Handmuskel (FDI), was die Übertragbarkeit auf große Muskelgruppen oder den Ganzkörperstoffwechsel begrenzt. Der primäre Effekt war statistisch nur knapp bzw. teils nicht signifikant (P = 0,055 für die absolute Änderung) und verschwand innerhalb von 7 Tagen; klinisch relevante Endpunkte wie Ermüdungsresistenz besserten sich nicht. Ausserdem wurden gezielt Personen mit schlechter Mitochondrienfunktion eingeschlossen, was eine Generalisierung auf gesunde Ältere erschwert. Interessenkonflikt: Die Studie wurde von Stealth BioTherapeutics (Hersteller von Elamipretid) mitfinanziert; drei Autoren (Roshanravan, Conley, Marcinek) waren 2014-2016 bezahlte Berater des Unternehmens.
Die Studie zeigt, dass SS-31 (Elamipretid) beim Menschen tatsächlich akut die mitochondriale ATP-Kapazität im Muskel anheben kann – allerdings nur vorübergehend nach intravenöser Gabe und ohne nachweisbare Verbesserung der Muskelleistung. Wer eine Anwendung erwägt, sollte beachten, dass es sich um eine einmalige i.v.-Infusion unter Studienbedingungen handelte und ein funktioneller Nutzen bislang nicht belegt ist.