Übersicht/MOTS-c/Studie

Studie · Humanstudie (RCT)

Wirkung von Ausdauer- und Krafttraining auf das mitochondriale Peptid MOTS-c bei hispanischen und nicht-hispanischen weißen Brustkrebs-Überlebenden

Effect of aerobic and resistance exercise on the mitochondrial peptide MOTS-c in Hispanic and Non-Hispanic White breast cancer survivors

Humanstudie (RCT)

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Autoren
Dieli-Conwright CM, Sami N, Norris MK, Wan J, Kumagai H, Kim SJ, Cohen P
Jahr
2021
Journal
Scientific Reports
Modell / Stichprobe
n=49 übergewichtige/adipöse, körperlich inaktive Brustkrebs-Überlebende (Stadium I-III) nach abgeschlossener Therapie; 25 hispanische und 24 nicht-hispanische weiße Frauen (mittlerer BMI ca. 33,5 kg/m²); Randomisierung in Trainingsgruppe vs. Standardversorgung (Usual Care); Sekundäranalyse des RCT NCT01140282
Dosis im Versuch
Kein Peptid verabreicht. Intervention war 16 Wochen kombiniertes Ausdauer- und Krafttraining: 3 supervidierte Einzelsitzungen/Woche (Tag 1 und 3 je ca. 80 min Ausdauer + Kraft, Tag 2 ca. 50 min reines Ausdauertraining). Ausdauer bei 65-80 % der maximalen Herzfrequenz, Dauer progressiv von 30 min (Woche 1) auf 50 min (Woche 16). Kraft startend bei 80 % des geschätzten 1-RM für Unterkörper und 60 % für Oberkörper, Wiederholungen progressiv 10 (Woche 4) auf 12 (Woche 8) auf 15 (Woche 12), Lasterhöhung um 10 %. Endogenes MOTS-c wurde im nüchternen Plasma gemessen.
Quelle
PMID 34413391 ↗  ·  DOI ↗

Zusammenfassung

Die Studie ist eine Sekundäranalyse eines 16-wöchigen randomisierten kontrollierten Trainingsversuchs bei 49 übergewichtigen bis adipösen, körperlich inaktiven Brustkrebs-Überlebenden. Ziel war zu prüfen, ob ein kombiniertes Ausdauer- und Krafttrainingsprogramm die endogenen Spiegel des mitochondrial kodierten Peptids MOTS-c verändert und ob sich diese Reaktion zwischen hispanischen und nicht-hispanischen weißen Frauen unterscheidet. Hintergrund ist, dass MOTS-c in präklinischen Modellen als Trainings-Mimetikum wirkt und dass eine bekannte MOTS-c-Genvariante ethnisch unterschiedlich verteilt ist.

Ergebnis: Nur bei den nicht-hispanischen weißen Teilnehmerinnen stiegen die MOTS-c-Plasmaspiegel nach dem Training signifikant gegenüber Baseline und gegenüber der Usual-Care-Gruppe an (p < 0,01). Bei den hispanischen Teilnehmerinnen blieb der Anstieg aus (nicht signifikant) - ein klares Null-Ergebnis in dieser Subgruppe, obwohl beide Gruppen dasselbe Trainingsprotokoll absolvierten. Die hispanischen Frauen hatten zu Studienbeginn eine ungünstigere Ausgangslage (höhere Adipositas, schlechteres metabolisches Profil, höheres Krankheitsstadium).

In der nicht-hispanischen weißen Gruppe war der MOTS-c-Anstieg stark invers mit Verbesserungen von Fettmasse, Körpergewicht, Insulinresistenz (HOMA-IR) und Entzündungsmarkern korreliert. Diese Zusammenhänge sind rein korrelativ; die Studie zeigt nicht, ob MOTS-c die metabolischen Verbesserungen verursacht oder lediglich mitläuft. Die Autoren schließen daraus, dass trainingsbasierte Interventionen ethnisch unterschiedliche metabolische Antworten hervorrufen können.

Kernergebnisse

  1. Nach 16 Wochen Training stiegen die MOTS-c-Plasmaspiegel bei nicht-hispanischen weißen Brustkrebs-Überlebenden signifikant gegenüber Baseline und Usual Care (p < 0,01).
  2. Bei hispanischen Teilnehmerinnen zeigte sich kein signifikanter MOTS-c-Anstieg trotz identischem Trainingsprotokoll (Null-Ergebnis).
  3. In der nicht-hispanischen weißen Gruppe korrelierte der MOTS-c-Anstieg invers mit der Fettmasse (r = -0,83; p < 0,001).
  4. Ebenfalls starke inverse Korrelation mit der Insulinresistenz HOMA-IR (r = -0,85; p < 0,001) und mit CRP als Entzündungsmarker (r = -0,76; p < 0,001).
  5. Trainingsumfang: 3 supervidierte Sitzungen/Woche über 16 Wochen, Ausdauer bei 65-80 % HFmax (30 auf 50 min gesteigert), Kraft bei 60-80 % 1-RM.
Limitationen

Die von den Autoren genannten Schwächen sind die kleine Stichprobe (n=49, in den ethnischen Subgruppen jeweils nur rund 12 Personen pro Arm), das Fehlen direkter Fitness- und Funktionsmessungen (kein gemessenes 1-RM, kein VO2max) sowie das Fehlen einer Aufmerksamkeitskontrollgruppe - die Kontrollgruppe erhielt lediglich Standardversorgung, sodass unspezifische Effekte der Betreuung nicht abgetrennt werden können. Es handelt sich zudem um eine Sekundäranalyse eines nicht primär auf MOTS-c ausgelegten RCT, die Subgruppenvergleiche nach Ethnizität sind entsprechend explorativ und anfällig für Zufallsbefunde. Die Ausgangsunterschiede zwischen den Gruppen (hispanische Frauen adipöser, metabolisch schlechter, höheres Tumorstadium) sind ein plausibler Confounder für den ausbleibenden MOTS-c-Anstieg. Alle Korrelationen sind assoziativ, keine Kausalität. Die Finanzierung erfolgte über NIH-Mittel (National Institute on Aging, National Cancer Institute); Interessenkonflikt: Seniorautor Pinchas Cohen gab Beratertätigkeit und Aktienbesitz bei CohBar Inc. an, einem Unternehmen, das mitochondriale Peptide kommerziell entwickelt.

Was heißt das praktisch

Die Studie zeigt, dass MOTS-c beim Menschen ein trainingsreguliertes endogenes Peptid ist, dessen Anstieg mit besserer Körperzusammensetzung, Insulinsensitivität und geringerer Entzündung einhergeht - sie sagt aber nichts über Wirkung, Dosis oder Sicherheit von exogen zugeführtem MOTS-c aus. Bemerkenswert für Interessierte ist, dass die Reaktion offenbar nicht bei allen gleich ausfällt: In einer der beiden ethnischen Gruppen stieg MOTS-c trotz identischem Training gar nicht an.