Studie · Humanstudie
Nicotinamide Adenine Dinucleotide (NAD+) and Enkephalinase Inhibition (IV1114589NAD) Infusions Significantly Attenuate Psychiatric Burden Sequalae in Substance Use Disorder (SUD) in Fifty Cases
Am Menschen, aber ohne RCT-Design
Zusammenfassung
Es handelt sich um eine unkontrollierte, retrospektive Fallserie aus einer Behandlungseinrichtung, nicht um eine randomisierte Studie. Fünfzig als therapieresistent beschriebene Patientinnen und Patienten mit Poly-Drogen-Abhängigkeit erhielten intravenöse Infusionen eines Kombinationspräparats aus Nicotinamid-Adenin-Dinukleotid (NAD+) und einer Aminosäure-Formulierung, die nach Angabe der Autoren das Enkephalin-abbauende Enzym (Enkephalinase) hemmen soll. Die Zielgrößen waren selbst berichtete Likert-Skalen für Substanzverlangen (Craving), Angst und Depression.
Über den Behandlungsverlauf sanken alle drei Skalenwerte statistisch signifikant: Craving (P=1,063E-9), Angst (P=5,487E-7) und Depression (P=1,763E-4). Die Autoren beschreiben zusätzlich einen linearen, dosisabhängigen Verlauf über die Infusionsserie. Bei 40 Teilnehmenden wurde zur Halbzeit der Behandlung eine Urinprobe untersucht; in 100 Prozent dieser Proben liessen sich keine illegalen Substanzen nachweisen.
Entscheidend für die Einordnung: Es gab keine Kontroll- oder Placebogruppe, keine Verblindung und keine Randomisierung. Alle primären Endpunkte beruhen auf subjektiven Selbsteinschätzungen in einer Behandlungssituation, in der Erwartungseffekte und soziale Erwünschtheit stark wirken. Die Autoren selbst bezeichnen die Arbeit als Pilotstudie und fordern randomisierte kontrollierte Studien zur Bestätigung. Auch die Urin-Ergebnisse sind wenig aussagekräftig, da die Patienten sich in stationärer bzw. begleiteter Behandlung befanden – Abstinenz ist dort auch ohne Wirkstoffeffekt zu erwarten. Angaben zu Nebenwirkungen, Abbruchraten und einer Nachbeobachtung nach Behandlungsende fehlen im Abstract.
Kernergebnisse
Schwere methodische Einschränkungen: offene, unkontrollierte Fallserie ohne Placebo, Randomisierung oder Verblindung, kleine Stichprobe (n=50) und rein subjektive Primärendpunkte per Likert-Skala. Ohne Kontrollgruppe lässt sich der Effekt nicht vom natürlichen Verlauf, vom begleitenden Entzugs- und Therapieprogramm oder von einem Placeböffekt trennen – gerade bei Craving, Angst und Depression sind Placeböffekte in Suchtstudien notorisch groß. Die extrem kleinen p-Werte spiegeln Vorher-Nachher-Vergleiche innerhalb derselben Personen wider und sagen nichts über die klinische Relevanz aus. Weder Dosis noch Behandlungsdauer noch Nachbeobachtung (Rückfallrate nach Wochen oder Monaten) sind im Abstract dokumentiert; unerwünschte Wirkungen werden nicht berichtet. Erheblicher Interessenkonflikt: Erstautor Kenneth Blum ist erklärter Erfinder der Aminosäure-Enkephalinase-Therapie und hält dazu erteilte und angemeldete US- sowie ausländische Patente. Das untersuchte Präparat ist zudem ein proprietäres Kombinationsprodukt, sodass ein eigenständiger NAD+-Effekt gar nicht isoliert werden kann. Publiziert in einer Nischenzeitschrift eines Verlags mit umstrittener Peer-Review-Qualität.
Für jemanden, der NAD+-Infusionen bei Suchtproblemen erwägt, ist dies die am häufigsten zitierte Arbeit – sie ist aber kein Wirksamkeitsnachweis, sondern eine unkontrollierte Fallserie mit Patentinteresse des Autors und einem Kombinationspräparat, bei dem NAD+ nicht isoliert getestet wurde. Sie rechtfertigt allenfalls weitere Forschung, nicht die Behauptung, NAD+-Infusionen würden Craving, Angst oder Depression nachweislich senken.