Übersicht/SS-31 (Elamipretid)/Studie

Studie · Humanstudie

Phase-1-Studie zu Elamipretid bei intermediärer altersbedingter Makuladegeneration mit Hochrisiko-Drusen: ReCLAIM-Hochrisiko-Drusen-Studie

Phase 1 Clinical Trial of Elamipretide in Intermediate Age-Related Macular Degeneration and High-Risk Drusen: ReCLAIM High-Risk Drusen Study

Humanstudie

Am Menschen, aber ohne RCT-Design

Autoren
Allingham MJ, Mettu PS, Cousins SW
Jahr
2021
Journal
Ophthalmology Science (Ophthalmol Sci) 2(1):100095
Modell / Stichprobe
n=21 Erwachsene (mittleres Alter 71 Jahre, ab 55 Jahren) mit intermediärer altersbedingter Makuladegeneration und Hochrisiko-Drusen; 18 Teilnehmer schlossen die Studie ab. Monozentrisch, offen (open-label), ohne Kontroll- oder Placebogruppe.
Dosis im Versuch
40 mg Elamipretid (SS-31) täglich subkutan injiziert über 24 Wochen.
Quelle
PMID 36246187 ↗  ·  DOI ↗

Zusammenfassung

Untersucht wurde die Sicherheit, Verträglichkeit und Durchführbarkeit einer täglichen subkutanen Gabe des mitochondrial wirksamen Peptids Elamipretid (SS-31) bei Patienten mit intermediärer altersbedingter Makuladegeneration (AMD) und Hochrisiko-Drusen. Es handelt sich um eine Phase-1-Studie an einem einzigen Zentrum, offen und ohne Kontrollgruppe: alle 21 Teilnehmer erhielten 24 Wochen lang 40 mg Elamipretid pro Tag.

Die Behandlung war insgesamt verträglich. Alle 21 Teilnehmer berichteten mindestens ein unerwünschtes Ereignis, jedoch ausschließlich leicht (57 %) oder mittelschwer (43 %), überwiegend lokale Reaktionen an der Injektionsstelle. Ein schwerwiegendes Ereignis (Harnstein) wurde als nicht mit dem Präparat zusammenhängend eingestuft.

Bei den 18 Teilnehmern, die die Studie abschlossen, verbesserten sich funktionelle Sehmasse: bestkorrigierte Sehschärfe +3,6 Buchstaben, Sehschärfe bei niedriger Leuchtdichte +5,6 Buchstaben sowie Lesesehschärfe unter normalen und unter Dämmerungsbedingungen. Demgegenüber zeigten sich bei den strukturellen und den retinalen Funktionsmarkern keine signifikanten Veränderungen: Volumen des RPE-Drusen-Komplexes, Fundusautofluoreszenz, Dunkeladaptation und mesopische Mikroperimetrie blieben unverändert. Die Studie war weder darauf ausgelegt noch in der Lage, eine Wirksamkeit zu belegen.

Kernergebnisse

  1. Bestkorrigierte Sehschärfe (BCVA) verbesserte sich um durchschnittlich +3,6 Buchstaben nach 24 Wochen (P=0,014).
  2. Sehschärfe bei niedriger Leuchtdichte (LLVA) verbesserte sich um +5,6 Buchstaben (P=0,004).
  3. Lesesehschärfe verbesserte sich bei normaler Beleuchtung um -0,11 logMAR (P=0,001) und bei niedriger Leuchtdichte um -0,28 logMAR (P<0,0001).
  4. Keine signifikanten Veränderungen bei Drusen-/RPE-Komplexvolumen, Fundusautofluoreszenz, Dunkeladaptation und mesopischer Mikroperimetrie – also kein Hinweis auf strukturelle Krankheitsmodifikation.
  5. Alle 21 Teilnehmer hatten unerwünschte Ereignisse, ausschließlich leicht (57 %) oder mittelschwer (43 %), überwiegend Reaktionen an der Injektionsstelle; ein nicht studienbedingtes schweres Ereignis (Harnstein).
  6. Verbesserungen in 6 von 7 Subskalen eines Fragebogens zur Sehfunktion bei geringer Beleuchtung.
Limitationen

Es handelt sich um eine kleine, offene Phase-1-Studie ohne Placebo- oder Kontrollgruppe an nur einem Zentrum (21 eingeschlossen, 18 ausgewertet). Ohne Verblindung und Kontrolle sind die Verbesserungen der Sehschärfe nicht von Lerneffekten bei wiederholter Sehtestung, Regression zur Mitte und Placeböffekten zu trennen; der primäre Fokus lag auf Sicherheit, nicht auf Wirksamkeit. Auffällig ist die Diskrepanz zwischen subjektiv/funktionell besseren Sehtests und dem Ausbleiben jeglicher struktureller oder objektiv-retinaler Veränderung (Drusenvolumen, Dunkeladaptation, Mikroperimetrie). Die Beobachtungsdauer von 24 Wochen ist für eine langsam fortschreitende Erkrankung wie AMD kurz. Die Studie wurde von Stealth BioTherapeutics, dem Hersteller von Elamipretid, finanziert; alle drei Autoren geben finanzielle Beziehungen zum Sponsor an.

Was heißt das praktisch

Die Studie zeigt, dass täglich 40 mg Elamipretid subkutan über 24 Wochen bei älteren Menschen im Wesentlichen verträglich waren, wobei Reaktionen an der Injektionsstelle die Regel und nicht die Ausnahme waren. Einen Wirksamkeitsnachweis liefert sie nicht: Ohne Kontrollgruppe sind die Sehverbesserungen nicht belastbar, und objektive Netzhautmarker blieben unverändert.