Übersicht/SS-31 (Elamipretid)/Studie

Studie · Humanstudie (RCT)

Wirksamkeit und Sicherheit von Elamipretid bei Personen mit primärer mitochondrialer Myopathie: die randomisierte klinische Studie MMPOWER-3

Efficacy and Safety of Elamipretide in Individuals With Primary Mitochondrial Myopathy: The MMPOWER-3 Randomized Clinical Trial

Humanstudie (RCT)

Stärkste Evidenzstufe hier

Autoren
Karaa A, Bertini E, Carelli V, et al.
Jahr
2023
Journal
Neurology
Modell / Stichprobe
n=218 Erwachsene mit genetisch bestätigter primärer mitochondrialer Myopathie (109 Elamipretid, 109 Placebo); mittleres Alter 45,6 Jahre, 64 % Frauen, 94 % weiß; 74 % mit mtDNA-Veränderung, übrige mit nDNA-Defekt
Dosis im Versuch
40 mg/Tag Elamipretid subkutan (tägliche Injektion) über 24 Wochen, doppelblind gegen Placebo
Quelle
PMID 37268435 ↗  ·  DOI ↗

Zusammenfassung

MMPOWER-3 war eine multizentrische, randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Phase-3-Studie zu Elamipretid (SS-31) bei primärer mitochondrialer Myopathie. 218 Teilnehmende wurden 1:1 auf 40 mg Elamipretid täglich subkutan oder Placebo randomisiert und über 24 Wochen behandelt. Ko-primäre Endpunkte waren die Veränderung der Gehstrecke im 6-Minuten-Gehtest (6MWT) und der Gesamt-Fatigue-Score der Primary Mitochondrial Myopathy Symptom Assessment (PMMSA). Sekundäre Endpunkte umfassten den am stärksten belastenden Symptomscore der PMMSA, den Neuro-QoL Fatigue Short Form sowie globale Einschätzungen durch Patienten und Behandler.

Die Studie verfehlte beide primären Endpunkte. Der Unterschied der Least-Squares-Mittelwerte zwischen Elamipretid und Placebo betrug im 6MWT -3,2 Meter (95 % KI -18,7 bis 12,3; p = 0,69) und im PMMSA-Gesamt-Fatigue-Score -0,07 (95 % KI -0,10 bis 0,26; p = 0,37). Es zeigte sich also kein Vorteil gegenüber Placebo, bei einer Ausgangsgehstrecke von im Mittel 336,7 +/- 81,2 Metern.

Die Verträglichkeit war gut: Die meisten unerwünschten Ereignisse waren leicht bis mittelschwer. Die Autoren stufen das Ergebnis als Klasse-I-Evidenz dafür ein, dass Elamipretid nach 24 Wochen weder Gehstrecke noch Fatigue bei primärer mitochondrialer Myopathie verbessert.

Kernergebnisse

  1. Primärer Endpunkt 6-Minuten-Gehtest verfehlt: Differenz zu Placebo -3,2 m (95 % KI -18,7 bis 12,3; p = 0,69) nach 24 Wochen
  2. Primärer Endpunkt PMMSA-Gesamt-Fatigue-Score verfehlt: Differenz -0,07 (95 % KI -0,10 bis 0,26; p = 0,37)
  3. 218 randomisierte Teilnehmende (je 109 pro Arm), 40 mg/Tag subkutan über 24 Wochen
  4. Gute Verträglichkeit: überwiegend leichte bis mittelschwere unerwünschte Ereignisse
  5. Von den Autoren als Klasse-I-Evidenz gegen einen Wirksamkeitsnachweis eingestuft
Limitationen

Die Studie untersuchte ausschließlich eine genetisch definierte, seltene Erkrankung (primäre mitochondriale Myopathie) mit überwiegend weißer Studienpopulation; die Ergebnisse sind nicht ohne Weiteres auf andere Indikationen oder auf gesunde Personen übertragbar. Getestet wurde nur eine Dosis (40 mg/d subkutan) über 24 Wochen - mögliche Effekte anderer Dosierungen, längerer Behandlung oder anderer Endpunkte bleiben offen. Die gewählten Endpunkte (6MWT, Fragebogen-Fatigue) sind stark variabel und erfassen zelluläre Effekte nur indirekt. Die Studie wurde vom Hersteller Stealth BioTherapeutics gesponsert; mehrere Mitautoren (u. a. Finman, Brown, Shiffer) sind dem Unternehmen zuzuordnen - das negative Ergebnis spricht hier allerdings gegen eine Ergebnisverzerrung zugunsten des Präparats.

Was heißt das praktisch

Dies ist die größte kontrollierte Studie zu SS-31 (Elamipretid) am Menschen und zeigt klar, dass 40 mg/Tag subkutan über 24 Wochen weder Ausdauerleistung noch Fatigue verbessert haben - Wirksamkeitsversprechen zu Energie und Leistungsfähigkeit sind daher für diese Indikation nicht belegt. Positiv festzuhalten ist lediglich die gute Verträglichkeit über ein halbes Jahr täglicher Injektionen.