Studie · Humanstudie (RCT)
Elamipretide Topical Ophthalmic Solution for the Treatment of Subjects with Leber Hereditary Optic Neuropathy: A Randomized Trial
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Zusammenfassung
Untersucht wurden Sicherheit, Verträglichkeit und mögliche Wirksamkeit von Elamipretid (SS-31) als 1%ige topische Augenlösung bei zwölf Patienten mit Leberscher hereditärer Optikusneuropathie (LHON, Mutation m.11778G>A). Die Studie war prospektiv, randomisiert, vehikelkontrolliert und monozentrisch. In den ersten 52 Wochen wurden die Teilnehmer einer von drei Gruppen zugeteilt: Elamipretid in beiden Augen oder Elamipretid in einem Auge und Vehikel im Partnerauge (linkes und rechtes Auge galten als getrennte Gruppen). Anschliessend folgte eine offene Verlängerungsphase, in der beide Augen behandelt wurden.
Primärer Endpunkt war die Erfassung unerwünschter Ereignisse; primärer Wirksamkeitsendpunkt war die Veränderung der bestkorrigierten Sehschärfe (BCVA). Sekundäre Endpunkte umfassten Farbsehen, mittlere Abweichung im Gesichtsfeld und elektrophysiologische Parameter. Die Substanz wurde gut vertragen, die meisten Nebenwirkungen waren leicht bis mäßig und bildeten sich spontan zurück; schwerwiegende unerwünschte Ereignisse traten nicht auf.
Der primäre Wirksamkeitsendpunkt wurde verfehlt: Die Veränderung der BCVA unterschied sich zu keinem Zeitpunkt signifikant zwischen mit Elamipretid behandelten Augen und Vehikel-Augen. In einer nachträglichen (post hoc) Auswertung zeigte sich im zentralen Gesichtsfeld eine signifikant größere Verbesserung der mittleren Abweichung unter Elamipretid. In der offenen Verlängerungsphase verbesserten sich Farbunterscheidung und Kontrastempfindlichkeit gegenüber Ausgangswert in beiden Behandlungsgruppen. Die Autoren werten diese Befunde als hypothesengenerierend und weiter untersuchungsbedürftig.
Kernergebnisse
Sehr kleine Stichprobe (n=12) an einem einzigen Zentrum, dadurch stark begrenzte statistische Aussagekraft. Das Design mit Behandlung eines Auges und Vehikel im Partnerauge kann durch mögliche systemische Aufnahme oder korrelierten Krankheitsverlauf beider Augen den Kontrasteffekt verwässern. Der positive Gesichtsfeldbefund stammt aus einer Post-hoc-Analyse und ist damit hypothesengenerierend, nicht beweisend; die Verbesserungen in der offenen Verlängerung sind unverblindet und ohne Kontrollgruppe erhoben, sodass Placebo-, Lern- und Spontanverlaufseffekte (bei LHON sind Spontanerholungen bekannt) nicht ausgeschlossen werden können. Die Autoren geben an, keine kommerziellen Interessen zu haben; die Substanz stammt von Stealth BioTherapeutics, eine Sponsorenbeteiligung an der Durchführung ist bei einer Phase-II-Studie dieser Art anzunehmen.
Diese Studie ist der bislang aussagekräftigste kontrollierte Humanversuch mit Elamipretid (SS-31) am Auge und zeigt vor allem eines: gute lokale Verträglichkeit, aber keinen Nachweis eines Nutzens auf den primären Wirksamkeitsendpunkt. Wer über SS-31 nachdenkt, sollte die positiven Signale (zentrales Gesichtsfeld, Farb- und Kontrastsehen) als vorläufig und nicht bestätigt einordnen; zudem ist ein Ergebnis mit topischer Augenanwendung bei einer mitochondrialen Erbkrankheit nicht auf systemische Anwendung oder andere Indikationen übertragbar.