Studie · Humanstudie (RCT)
A randomized placebo-controlled trial of nicotinamide riboside in older adults with mild cognitive impairment
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Zusammenfassung
Diese placebokontrollierte Pilotstudie prüfte primär, ob Nicotinamid-Ribosid (NR) bei zwanzig älteren Erwachsenen mit leichter kognitiver Störung sicher bis zur Zieldosis von 1 g täglich auftitriert werden kann und ob sich die Kognition (Montreal Cognitive Assessment, MoCA) verändert. Sekundäre Endpunkte waren zerebraler Blutfluss (CBF), NAD+-Spiegel im Blut, weitere neurokognitive und psychometrische Tests sowie körperliche Leistungsfähigkeit; explorativ wurde die DNA-Methylierung in mononukleären Zellen des peripheren Blutes untersucht.
Die Zieldosis wurde erreicht, ohne dass sich die Rate unerwünschter Ereignisse zwischen den Gruppen unterschied. Biochemisch war die Intervention eindeutig wirksam: Der NAD+-Spiegel im Blut stieg um das 2,6-Fache (p < 0,001). Klinisch blieb der Nutzen jedoch aus. Die kognitiven Messwerte blieben in beiden Gruppen stabil, es zeigte sich kein Vorteil von NR gegenüber Placebo. Die Gehgeschwindigkeit verbesserte sich nur in der Placebogruppe – von den Autoren als Übungs-/Lerneffekt gedeutet, aber jedenfalls kein Argument für NR.
In der Bildgebung reduzierte NR den zerebralen Blutfluss im Default-Mode-Netzwerk, besonders im linken unteren Parietallappen. Die Richtung dieses Effekts ist nicht eindeutig als positiv interpretierbar. Explorativ fanden sich unter NR moderate Zunahmen der DNA-Methylierung und ein reduziertes epigenetisches Alter. Die Autoren schließen, dass NR den Blut-NAD+-Spiegel sicher anhebt, ohne die Kognition zu verändern, und dass größere Studien mit längerer Dauer nötig sind.
Kernergebnisse
Es handelt sich um eine sehr kleine Pilotstudie mit nur 20 Teilnehmenden (rund 10 pro Arm) und einer kurzen Interventionsdauer von etwa 9–10 Wochen. Damit ist die Studie deutlich unterpowert, um kognitive Effekte nachzuweisen; ein Nullbefund bei der Kognition ist unter diesen Bedingungen wenig aussagekräftig, kann aber auch keinen Nutzen belegen. Die zahlreichen sekundären und explorativen Endpunkte (Bildgebung, Methylierung, körperliche Leistung) wurden nicht für multiples Testen korrigiert, sodass Einzelbefunde wie der CBF-Effekt oder die epigenetische Alterung als hypothesengenerierend zu werten sind. Die Deutung des reduzierten zerebralen Blutflusses ist ambivalent. Zur Interessenlage: Zwei Koautoren (Charles Brenner, Mark S. Schmidt) sind eng mit der kommerziellen Entwicklung von Nicotinamid-Ribosid verbunden (ChromaDex), was bei der Interpretation zu berücksichtigen ist; die genauen Angaben zu Finanzierung und Studienpräparat sollten in der Originalpublikation nachgelesen werden.
Für alle, die NAD+-Booster erwägen, zeigt die Studie zweierlei: Nicotinamid-Ribosid hebt den NAD+-Spiegel im Blut zuverlässig und sicher an (2,6-fach bei 1 g/Tag), doch daraus folgt in dieser kurzen Pilotstudie kein messbarer kognitiver Nutzen bei bereits bestehender leichter kognitiver Störung. Der Anstieg des Biomarkers ist also nicht mit einem klinischen Effekt gleichzusetzen.