Studie · Humanstudie
Long-term efficacy and safety of elamipretide in patients with Barth syndrome: 168-week open-label extension results of TAZPOWER
Am Menschen, aber ohne RCT-Design
Zusammenfassung
Untersucht wurde, ob die in der kurzen randomisierten Phase von TAZPOWER nur teilweise nachweisbaren Effekte von Elamipretid (SS-31) bei Barth-Syndrom über einen langen Zeitraum Bestand haben. Alle Teilnehmer der offenen Verlängerung erhielten täglich 40 mg subkutan; ausgewertet wurden Gehstrecke (6-Minuten-Gehtest), Muskelkraft- und Funktionsscores, Fatigue, kardiale Bildgebung sowie der Biomarker Monolysocardiolipin/Cardiolipin-Verhältnis (MLCL/CL).
Gegenüber dem Ausgangswert der Verlängerungsphase verbesserte sich die Gehstrecke im 6-Minuten-Gehtest zu allen Messzeitpunkten signifikant, mit einer kumulativen Zunahme von 96,1 m nach 168 Wochen (P = 0,003). Fatigue-Werte lagen über den gesamten Beobachtungszeitraum unter dem Ausgangsniveau, die kardiale Bildgebung zeigte günstige Veränderungen der Ventrikelvolumina, und das MLCL/CL-Verhältnis als Marker des gestörten Cardiolipin-Stoffwechsels verbesserte sich und korrelierte mit klinischen Endpunkten. Elamipretid war gut verträglich; häufigstes unerwünschtes Ereignis waren Reaktionen an der Injektionsstelle.
Einschränkend ist zu betonen, dass es sich um eine unkontrollierte, offene Verlängerung mit sehr kleiner Fallzahl handelt. Die ursprüngliche randomisierte Crossover-Phase von TAZPOWER hatte ihre primären Endpunkte verfehlt; die hier berichteten Verbesserungen stammen aus einem Vorher-Nachher-Vergleich ohne Placebogruppe.
Kernergebnisse
Sehr kleine Stichprobe (n=10, davon 8 Completer), keine Kontroll- oder Placebogruppe in der Verlängerungsphase, daher sind Lerneffekte beim Gehtest, natürlicher Verlauf, Pubertäts-/Wachstumseffekte bei jungen Patienten und Selektionsbias durch Ausscheiden schlechter ansprechender Teilnehmer nicht auszuschliessen. Die vorausgehende randomisierte, placebokontrollierte Crossover-Phase von TAZPOWER hatte ihre primären Endpunkte nicht erreicht, was die Kausalität der später beobachteten Verbesserungen relativiert. Die Studie wurde vom Hersteller Stealth BioTherapeutics gesponsert, mehrere Autoren sind Firmenangehörige bzw. haben Verbindungen zum Sponsor. Übertragbarkeit auf Gesunde oder auf andere Indikationen ist nicht gegeben: Barth-Syndrom ist eine seltene genetische Cardiolipin-Stoffwechselstörung mit einem spezifischen mitochondrialen Defekt.
Dies ist eine der wenigen Langzeitdatensammlungen zur täglichen subkutanen Anwendung von SS-31 beim Menschen und spricht für eine akzeptable Verträglichkeit über gut drei Jahre bei 40 mg/Tag, mit lokalen Injektionsreaktionen als Hauptproblem. Die Wirksamkeitsdaten stammen jedoch aus einer unkontrollierten Extension bei einer seltenen Erbkrankheit und erlauben keinen Rückschluss darauf, dass SS-31 bei gesunden Personen oder bei allgemeiner mitochondrialer Alterung Leistungsfähigkeit oder Herzfunktion verbessert.